​​Werder Bremen muss momentan den Ausfall von gleich neun verletzten Profis beklagen. Da hilft selbst die Länderspielpause nicht viel, denn einige Stars fallen extrem lange aus. Deshalb wurde die Kritik an den Trainingsmethoden nun immer lauter und die Belastung der Profis hinterfragt. Doch hinter den vielen Blessuren steckt weniger System, sondern Pech und schlechtes Timing.


Nur wenige Klubs in der ​Bundesliga müssen momentan mit einem solch durch gewürfelten Kader planen wie der SVW. Denn seit dem Sommer mehren sich die Verletzten im Kader immer weiter, selbst die bitter benötigten Neuzugänge verbessern die Lage nur sporadisch. Dass momentan fast eine ganze Elf aus Verletzten gebastelt werden kann, ist erschreckend und warf einige Fragen auf. 


Wie immer beschäftigen sich die Anhänger und Experten dabei mit den Trainingsmethoden und der Frage, ob die Blessuren nicht die Folge von zu viel Belastung sind. Bereits im Trainingslager traten nämlich etliche Schwirigkeiten auf, die den Profis zu schaffen machten. Doch nach nur einer kleinen Analyse wird klar, dass der Betreuerstab rund um Trainer Florian Kohfeldt überhaupt nichts falsch macht.


Grund 1: Wenige Verletzungen in der Vorsaison


Bremen fährt in diesem Jahr nach dem Motto: "Never change a winning system." Mit dem Trainer Kohfeldt wurde verlängert, sein Stab hat sich nicht wesentlich verändert. Somit sollte ein ähnlicher Erfolg wie im letzten Jahr erreicht werden, doch die Ambitionen wurden durch die vielen Ausfällen gebremst. Dabei wurden im Besonderen die Einheiten und ​die Vorbereitung in Frage gestellt, diese hätte zu vielen Verletzungen geführt.

Josh Sargent

Die Stammspieler präsentierten sich in der vergangenen Saison meist topfit


Das kann allerdings ganz klar widerlegt werden, denn Kohfeldt hat an seiner Trainingsweise nichts verändert. Die Physios machen ihren Job genauso wie in der Vorsaison, dazu lief die Vorbereitung im letzten Sommer ähnlich ab. Eine Zahl macht dies deutlich: Nur fünf eingeplante Profis verpassten in der vergangenen Spielzeit mehr als fünf Partien verletzungsbedingt. In der aktuellen Saison ist dieser Wert bald schon eingeholt.


Dass Kohfeldt also zu anderen Mitteln greift ist abgestritten, damit sollten sich auch die Profis nicht exponentiell mehr verletzen als im Vorjahr. Dazu kommen nur wenige Einsätze der Spieler während der Sommerpause, im Prinzip müssten somit alle Akteure in bestem Zustand sein.


Grund 2: Langwierige Verletzungen tauchten akut auf


Ein weiterer, sehr wesentlicher Grund ist der Ausfall von insgesamt vier Pro​fis aufgrund von langfristigen Verletzungen. Für die kann bekanntlich niemand wirklich etwas, dabei kommt es eher auf die Belastung des Körpers über die gesamte Karriere oder unglückliche Aktionen auf dem Feld an. Namentlich sind diese Langzeit-Ausfälle Philipp Bargfrede, Kevin Möhwald, Fin Bartels und Ludwig Augsutinsson.

Ludwig Augustinsson

Das Knie wurde zu Beginn der Saison immer schlimmer


Der immer wieder von Verletzungen geplagte Bargfrede fällt bereits seit fast einem Jahr aus und könnte im schlimmsten Fall nie wieder auf den Platz zurückkehren. Ebenso ist Fin Bartels nach seiner Achillessehnen-Verletzung nicht in den Tritt gekommen und musste am Knie operiert werden. Vor allem die Operationen sind dagegen reine Vorsichtsmaßnahmen, um eine Heilung zu garantieren.


Besonders interessant sind die Fälle bei Augustinsson und Möhwald. ​Den Schweden plagen beispielsweise bereits seit seiner Jugend immer wieder Schmerzen am Knie, nach einer erneuten Verschlimmerung musste dieses nun invasiv behandelt werden. Auch bei Möhwald sorgten langwierige Probleme für die Entscheidung, ihn für lange Zeit aus dem Verkehr zu ziehen. Bei diesen Profis mischt sich also sehr viel Pech mit dem schlechtem Timing, genau jetzt wieder auszufallen. 


Grund 3: Neuzugänge brachten Anfälligkeit mit


Es lassen sich noch mehr Gründe dafür finden, wieso die Verletzten-Situation zwar nicht von ungefähr kommt, die ​die Machtlosigkeit der Bremer allerdings andeutet. Denn insgesamt drei Transfers waren in dieser jungen Saison bereits von Blessuren betroffen. Niclas Füllkrug verpasste beispielsweise die Vorbereitung, ist nun erst wieder so richtig fit. Perspektiv-Spieler Benjamin Goller ist seit seiner Ankunft in Bremen aufgrund eines Muskelfasserrisses noch nicht einsatzbereit.

Oemer Toprak

Verletzte sich Toprak aufgrund seiner Dortmunder Vergangenheit?


Sehr viel kritischer war der Ausfall von Ömer Toprak, der den Bremern mindestens noch einen Monat lang fehlen wird. In seinem zweiten Einsatz verletzte sich der Neuzugang, wahrscheinlich bedingt durch seine Zeit bei ​Borussia Dortmund. Bereits dort war der Innenverteidiger immer verletzungsanfällig, kam deshalb nur zu wenigen Einsätzen im Vorjahr. Die hohe Belastung könnte ihm erneut einen Strich durch die Rechnung gemacht haben. 


Somit wäre das Phänomen auch um diese Profis geklärt. Dass die geholten Verstärkungen so früh über Verletzungen klagen, kann nichts mit den Trainingsmethoden von Kohfeldt und Co zu tun haben, sondern ist erneut auf viel Pech und eine vorherige Saison ohne viele Einsätze zurückzuführen. Da Werder allerdings auf diese Spieler angewiesen war, ist die frühe Heranführung nicht zu kritisieren.


Fazit


So bitter die Ausfälle auch sein mögen, einen gemeinsamen Grund gibt es für sie nicht. Der SVW hat damit einen unglücklichen Saisonstart erwischt und wird die Folgen noch länger zu spüren bekommen. Doch den Kritikern sei gesagt, dass die Grün-Weißen durchaus alles versuchen, um die Gesundheit der Profis zu schützen. Nach Aufschlüsselung der Fakten bleiben damit nur noch drei Spieler übrig, die unabhängig davon ausfielen. Doch Rashica und Co werden in den nächsten Wochen wiedererwartet.


Für Werder kam bei wenig Glück also noch viel Pech dazu. Doch auf dem Platz folgte zuletzt die richtige Antwort. Nun kann die Mannschaft beweisen, ob sie wirklich unter jedem Umstand bereit ist für das große Ziel zu kämpfen.