​Die Qualifikations-Runden für die europäischen Vereinswettbewerbe (auch gerne mal Play-offs genannt) sind gespielt, ebenso die nächsten (noch so eine neu-deutsche Wortschöpfung) Qualifier für das im kommende Jahr anstehende paneuropäische Endturnier. Und es bewahrheitet sich wieder die neue Binsenweisheit: Es gibt keine Kleinen mehr. 


Die Kleinen sind größer geworden


Oder die Kleinen werden allmählich groß. Anders ist es nicht zu bezeichnen, wenn Mannschaften wie ​F91 Düdelingen (bereits zum zweiten Mal in Folge in der Europa League-Gruppenphase am Start) sich plötzlich, und ganz offiziell, mit dem FC Sevilla messen dürfen. Oder ein Klub wie der CFR Cluj (Rumänien) auf Großkaliber aus Italien trifft. Oder wenn Spiele zwischen Spanien und den Faröern auf einmal nicht mehr zweistellig ausgehen, sondern "nur" mit 4:0 (wie am gestrigen Abend). 


Selbst San Marino (von Deutschland noch vor ziemlich genau 13 Jahren mit 13:0 abgeschossen) hält eine - erwartbare - Niederlage gegen den Weltmeisterschaftsdritten Belgien mit demselben Resultat (0:4) in achtbaren Grenzen. 


Andorra stand sogar kurz vor der Sensation eines Punktgewinns in der Türkei. Am Ende mussten sie sich mit dem knappsten aller Resultate geschlagen geben. 


Den höchsten Sieg an diesem EM-Qualifikations-Wochenende feierten die Österreicher mit ihrem 6:0 gegen die Letten. Aber auch die Letten haben in der Vergangenheit schon gezeigt, dass bisweilen auch ein vermeintlich Kleiner Großes zu leisten imstande ist: bei der EM 2004 in Portugal knöpften sie der DFB-Elf in der Gruppenphase ein 0:0 ab. 


Dies alles ist Produkt einer schleichenden Globalisierung, auch im Fußballsport. Spieler wie Trainer lernen andere Ligen kennen, sammeln wertvolle Erfahrungen im Ausland - die sie später gewinnbringend in ihren Heimatländern einbringen können. 


Alle Infos jederzeit und überall verfügbar


Dank den neuen technologischen Entwicklungen braucht man heutzutage auch nicht mehr im Stadion vor Ort einen Spieler X oder eine Mannschaft Y zu beobachten - das weltweite Netz bringt so ziemlich alles in das heimische Büro oder Arbeitszimmer. Dadurch nimmt der Überraschungsmoment ab. Kaum eine Mannschaft stellt eine andere heute noch vor Rätsel. Alles ist gläsern und durchsichtig geworden. 


Entsprechend hat die Leistungsdichte zugenommen. Dennoch: Hohe Resultate wird es natürlich auch weiterhin geben. 


Selbst in der Champions League sind Kantersiege wie die des FC Bayern gegen AS Rom (2014, 7:1), des FC Barcelona gegen Bayer Leverkusen (2012, 7:1) oder von ​Manchester City gegen Schalke 04 (2019, 7:0) keine Seltenheit. Doch insgesamt ist weltweit eine Angleichung des Niveaus zu verzeichnen. Für den neutralen Fußballfan auf jeden Fall eine positive Entwicklung. Und auch für den Sport selbst.