​Der VfB Stuttgart belegt nach fünf Spieltagen in der 2. Bundesliga den zweiten Tabellenplatz und ist damit rein tabellarisch auf einem guten Weg in Richtung direkter Wiederaufstieg. Cheftrainer Tim Walter hat aber längst erkannt, dass es im Ländle noch an der ein oder anderen Stellschraube zu drehen gilt. Der Coach versuchte daher nun die Sinne seiner Schützlinge zu schärfen und forderte mehr Durchschlagskraft.


Noch ist die Walter-Elf in dieser Spielzeit in Pflichtspielen ungeschlagen. Die Unentschieden gegen Aue und vor allem gegen Heidenheim, bei dem der VfB eine 2:0-Führung verspielt hatte und sich am Ende nach einem 2:2-Remis mit einem Zähler zufriedengeben musste, trieben Tim Walter aber bereits die Zornesröte ins Gesicht.

Tim Walter

Walter sieht noch jede Menge Optimierungsbedarf



Nach außen hin zeigte sich Walter bislang mit der Entwicklung seiner jungen Mannschaft zwar im Großen und Ganzen zufrieden, intern spricht der 43-Jährige die Fehler seiner Schützling aber seit jeher klipp und klar an. Um den Ex-Kieler etwas milder zu stimmen, wollten die während der Länderspielpause daheim gebliebenen VfB-Akteure ihren Übungsleiter mit guten Leistungen im Drei-Ligen-Cup milde stimmen. 


Walter schlägt öffentlich Alarm


Da dieser Vorsatz mit einem knappen 4:2-Erfolg gegen den österreichischen Zweitligisten ​Austria Lustenau, für den die Stuttgarter ein Elfmeterschießen benötigten, und einer 0:1-Niederlage gegen Drittligist Sonnenhof Großaspach, nicht in die Tat umgesetzt werden konnte, zeigte sich Walter nun auch öffentlich ziemlich kritisch. "Wir brauchen mehr Konstanz", wird der Cheftrainer vom kicker zitiert.


Dabei stieß Walter sauer auf, dass seine Mannschaft in beiden Partien über lange Zeit deutlich überlegen war, diese Dominanz aber nicht rasch in deutliche Führungen hatte ummünzen können. "Wer mich kennt, weiß, dass ich nicht gerne verliere. Es fehlt uns vorne wie auch hinten an der nötigen Konsequenz - in den Zweikämpfen wie beim Abschluss", so der sichtlich angefressene Coach.


Wehret den Anfängen


Walters Einschätzungen kommen dabei keineswegs aus der Luft gegriffen daher, sondern lassen sich auch in Hinblick auf die bisherigen Statistiken der 2. Bundesliga untermauern. So fällt beispielsweise auf, dass sich die Stuttgarter bislang in dieser Spielzeit im deutschen Unterhaus mit satten 35 Torchancen ligaweit die meisten Möglichkeiten für einen Treffer erarbeiten konnten.


An sich ist dies ja ein guter Wert. Weiß man aber, dass die Schwaben nur 22,9 Prozent dieser Möglichkeiten auch in einen ihrer insgesamt acht Treffer ummünzen konnten, ist die Schludrigkeit vor dem gegnerischen Gehäuse offensichtlich. 


Konsequenz in allen Mannschaftsteilen


Die Mängel in der Defensive lassen sich mit dem Zahlenwerk zwar nicht ganz so klar aufzeigen - schließlich kann die Walter-Elf bislang die viertbeste Zweikampfbilanz vorweisen - wer die Spiele des VfB aber auch nur halbwegs aufmerksam beobachtet hat, kam nicht umhin, über ​zahlreiche Löcher im Abwehrverbund zu stolpern.

Holger Badstuber,Hamadi Al Ghaddioui

Gegen Aue waren die Stuttgarter deutlich unter ihren Möglichkeiten geblieben



Auch Walter weiß, dass er vor allem seinen Defensivspielern mit seinem riskanten Matchplan, der auf viel Ballbesitz ausgelegt ist, viel abverlangt. Nach nunmehr einigen Wochen Zusammenarbeit pocht der Coach aber langsam aber sicher auf überzeugendere Ergebnisse.


Die Schonfrist für die jungen Spieler beim VfB scheint langsam aber sicher abzulaufen. So fordert Walter, ab jetzt "einen größeren Aufwand, um Dinge besser hinzubekommen." Dabei erwartet er von seinen Spielern "nicht halbherzig" an die Sache heranzugehen. "Wenn sie vor dem Tor stehen, müssen sie den Ball reinhauen wollen. Mit aller Konsequenz."