Aufgeben, sagt Stephan Lichtsteiner, kommt für ihn nicht in Frage. Der routinierte Außenverteidiger, der seit dieser Saison beim FC Augsburg unter Vertrag steht, spielt seit der Weltmeisterschaft im vergangenen Jahr nur noch eine untergeordnete Rolle in der Nationalmannschaft der Schweiz. Nati-Coach Vladimir Petkovic begründete die Nichtnominierung für die Nations League und die derzeitigen EM-Qualifikationsspiele mit sportlichen Argumenten, weshalb sich der 35-Jährige zurückkämpfen will. Sein größter Gegner ist jedoch nicht die sportliche Konkurrenz, sondern die Zeit, wie er im Interview mit der Schweizer Boulevardzeitung Blick verrät. 


105 Mal war Stephan Lichtsteiner seit seinem Debüt im November 2006 in der Schweizer Nati zu sehen. Der langjährige Rechtsverteidiger von ​Juventus Turin (2011 - 2018) war eine Bank, zudem seit 2016 Kapitän. Doch seit dem letzten WM-Gruppenspiel gegen Costa Rica durfte er nur noch zwei Mal für sein Heimatland auflaufen. 


Im Achtelfinale gegen Schweden fehlte er aufgrund einer Gelbsperre, in der Folge wurde er nur noch zwei Mal für den Kader nominiert. Beim 2:0-Erfolg über Georgien im März dieses Jahres stand er letztmals mit der Binde auf dem Platz, aktuell ist er erneut zum Zusehen verdammt.

FBL-ENG-PRESSER

  Vladimir Petkovic (l.) verzichtet seit geraumer Zeit auf Stephan Lichtsteiner (r.). Wirklich begründet hat er seine Entscheidung nicht.


Wie Vladimir Petkovic ihm die Nichtberücksichtigung erklärte? "Wie er es öffentlich getan hat", so Lichtsteiner. Seit Monaten wird in der Schweizer Medienlandschaft über die Entscheidung des 56-Jährigen diskutiert, zuletzt klangen seine Aussagen diplomatisch, inhaltlich wie eine leere Worthülse. Er werde "keinen in Pension schicken", bewerte die Situation "bei jedem Zusammenzug neu", sagte er laut der Aargauer Zeitung im Juni. 


Für die Endrunde der Nations League wurde Lichtsteiner nicht nominiert, da er kein einziges Spiel in der Gruppenphase absolvierte. Woran es diesmal lag? "Dass ich keine Vorbereitung machte", sagt Routinier Lichtsteiner, der dies nicht als "Ausbootung" versteht.


Volle Konzentration auf die EM 


Nach vorn wolle er blicken, sich auf seine Leistungen im Verein konzentrieren. Sein Ziel? Die Europameisterschaft in einem Jahr. Seine Ziele seien immer hochgesteckt, schließlich verbrachte er den Großteil seiner Karriere auf internationalem Topniveau. Daran will der 35-Jährige nichts ändern, solange er seine Fußballschuhe nicht an den Nagel gehängt hat: "Wenn ich im Klub spiele, will ich auch in der Nati dabei sein", sagt er entschlossen.

Stephan Lichtsteiner

    Lichtsteiner muss in Augsburg überzeugen, wenn er mit zur Europameisterschaft im kommenden Jahr will.


Im Hinterkopf nagt jedoch der Zahn der Zeit immer weiter. Ob er weiterspielen soll, frage er sich "jeden Sommer", so auch in diesem Jahr. "Schlussendlich geht es bei mir ums Alter. Das ist meine Last, gegen die ich ankämpfe", weiß Lichtsteiner, doch er will weiterspielen, solange er sich körperlich bereit fühlt und den Spaß am Fußball nicht verloren hat. ​Damit einher geht auch, dass er die Nationalmannschaft nie aus den Augen verlieren wird. 


Dort trägt mittlerweile der Ex-Gladbacher Granit Xhaka die Kapitänsbinde, bei einer Rückkehr Lichtsteiners seien die Rollen aber klar verteilt. Noch immer fühle er sich, als wäre er der Mannschaftskapitän, und als dieser muss er Entscheidungen im Sinne der Mannschaft akzeptieren. "Wenn man mich nicht mehr will, dann finden wir auch eine Lösung. Es geht darum, dass die Mannschaft gewinnt und das Land Freude hat. Jetzt muss es das Ziel sein, dass wir noch eine Schippe drauflegen", so Lichtsteiner - der gewohnt große Ziele verfolgt: "Das Viertelfinale der EM zu erreichen, das ist schon ein Ziel."