Nach der gescheiterten Rückkehr in die Bundesliga wagte der Hamburger SV in dieser Saison den x-ten Neuanfang in der jüngeren Vergangenheit. Sportchef Ralf Becker und Trainer Hannes Wolf wurden von Jonas Boldt und Dieter Hecking abgelöst, zudem wurde der Posten des Sportdirektors nach dem Abgang von Bernhard Peters im April neu besetzt. Michael Mutzel zieht im Hintergrund mit Boldt die Fäden, im Interview mit dem Vereinsmagazin HSVlive sprach er über die Besonderheiten des Klubs und was ihm in der Kaderplanung am wichtigsten war.


13 Zugänge, 21 Abgänge - der diesjährige Kader des HSV ist im Vergleich zur Vorsaison kaum noch wiederzuerkennen. Bekannte Gesichter wie Rick van Drongelen, Kyriakos Papadopoulos, Gideon Jung, Aaron Hunt oder Khaled Narey sind noch immer da, aber in der Startaufstellung weht in dieser Saison ein anderer Wind.


Dieter Hecking ist noch ungeschlagen, sammelte in 5 Zweitligapartien 13 Punkte. In der Saison 2018/19 war es zum gleichen Zeitpunkt nur ein Zähler weniger, am Ende der Hinrunde standen 37 auf der Habenseite. An diesem Halbjahr wird sich Hecking messen lassen müssen, denn zu Jahresbeginn folgte der plötzliche Absturz.


In der Rückrundentabelle rangierte der HSV auf Rang 16, belegte in der Endabrechnung mit 56 Zählern lediglich den vierten Tabellenplatz. Diese extrem schwache Phase nahmen die sportlichen Verantwortlichen als Ausgangspunkt für ihre Kaderanalyse und die entsprechende Planung für die neue Spielzeit. "In einer stabilen Mannschaft, die ein Gerüst hat und harmoniert, kann es eigentlich nicht passieren, dass man nach einer Herbstmeisterschaft so wegbricht", sagt Mutzel rückblickend.


"Hauptmotivation" Lust


Der 39-Jährige, der im April zum neuen Sportdirektor ernannt wurde, fahndete in den vergangenen Monaten daher vor allem nach Spielern, die Lust auf diesen "speziellen Verein" hatten. "Das war die Hauptmotivation bei den Transfers", erklärt er, "absoluter Bock auf den HSV." Kein "Glamour", sondern "eine tolle Möglichkeit für sich, gemeinsam mit dem Club zu wachsen. Ich glaube, das merkt der Trainer auch, weil die Jungs alle zu 100 Prozent mitziehen, die Dinge umsetzen und viel laufen und arbeiten."

Michael Mutzel,Jonas Boldt

  Michael Mutzel (l.) und Jonas Boldt (r.) achten nicht nur auf die nötige Qualität, sondern auch auf den unbedingten Willen, für den Hamburger SV auflaufen zu wollen.


Dies sei "die Basis, um erfolgreich zu sein", und auch er heuerte genau aus diesem Grund an der Elbe an: "Ich hatte Bock auf den HSV – besonders aufgrund dieser interessanten Aufgabe und meiner Überzeugung, dass man hier etwas bewegen kann." Bereut hat er die Entscheidung bislang keine Sekunde, mit Boldt und Hecking gehe es seiner Ansicht nach "in die richtige Richtung."


Der Markt wird weiter beobachtet


Ausruhen wolle man sich aber zu keiner Sekunde. "Wenn man als Verein oder Mannschaft glaubt, dass es jetzt läuft und man sich ausruhen kann, dann geht es im Fußball extrem schnell, dass man überholt wird", warnt der Sportdirektor, "deshalb ist es auch eine unserer Kernaufgaben, die Jungs in der Kabine wach zu halten." Hecking mache dies "ohnehin", doch auch die sportliche Führung wolle ihren Teil dazu beitragen, indem beispielsweise der Markt stetig nach neuen Verstärkungen sondiert wird. 


Der bisherige Erfolg gibt Mutzel recht, allerdings wird sich erst im Laufe der Saison zeigen, wie viele richtige Entscheidungen wirklich getroffen wurden. Dass Youngsters wie Xavier Amaechi, der für 2,5 Millionen Euro aus der U23 von Arsenal London verpflichtet wurde, sich den Schritt nach Hamburg zutrauen, zeigt jedenfalls, dass der Klub auch im Jahr 2019 noch immer eine gewisse Begeisterung versprühen kann.