Nun, da Anastasios Donis vom VfB Stuttgart auf den letzten Drücker an den französischen Erstligisten Stade Reims verliehen wurde und alles daraufhin deutet, dass der griechische Angreifer nie wieder das Trikot mit dem roten Brustring überstreifen wird, ist die Zeit gekommen, um die letzen Jahre Revue passieren zu lassen. Anspruch und Wirklichkeit sowie verpasste Chancen können dabei als passende Schlagworte herhalten.


Als der heute 23-Jährige im Sommer 2017 vom italienischen Serienmeister Juventus Turin an den Neckar gelotst werden konnte, ernteten die Kaderplaner der Stuttgarter viel Anerkennung. Vier Millionen Euro Ablöse für einen flinken Angreifer, der zudem weiß wo das gegnerische Gehäuse steht, sind angesichts der häufig gehandelten Mondpreise auf dem Transfermarkt schließlich ein echtes Schnäppchen.

Anastasios Donis

In Sachen Tempo machte Donis ligaweit kaum jemand etwas vor



Eine gewisse Eingewöhnungsphase wurde dem Stürmer dabei natürlich gestattet. Da der Rechtsfuß vor seinem Engagement in Deutschland von der Alten Dame bereits an Klub aus England und Frankreich ausgeliehen worden war, machte man sich aber berechtigte Hoffnungen, dass dem Youngster die Integration im Ländle ziemlich rasch gelingen würde.


Die erste Saison im Stuttgarter Dress verlief für den Offensivspieler unterm Strich aber ernüchternd. So kam er zwar in der Liga auf immerhin 18 Einsätze, wirklich Fuß fassen konnte er sowohl unter dem damaligen VfB-Coach Hannes Wolf, als auch unter dessen Nachfolger Tayfun Korkut nicht. Welch enormes Potenzial in dem gebürtigen Engländer steckt, konnte er nur phasenweise andeuten. 


Donis beim VfB: Wenn schon, denn schon 


Dabei erweckte Donis allzu häufig den Eindruck, dass er die Vorstellungen seiner Trainer, insbesondere im konzentrierten Spiel gegen den Ball, entweder nicht verstand oder willentlich ignorierte. 


Dass Alleinunterhalter, die nur durch ihre Offensivaktionen versuchen zu glänzen, in den heutigen Zeiten in der Bundesliga nicht mehr gefragt sind, hätte dem Griechen aber spätestens dann klar sein müssen, als so ziemlich jeder Übungsleiter unter dem er beim VfB spielen oder eben nicht spielen durfte, durch die Blume oder offen heraus die ​fehlende Disziplin und taktische Cleverness des Angreifers monierte.

Anastasios Donis,Nicolas Gonzalez

Die Donis-Gala gegen die Bayern bleibt unvergesslich



Nun könnte man sich als Fan über einen Spieler mit dieser Herangehensweise eigentlich herrlich aufregen. Selbst die Bruddler vom Neckar - und zu denen zähle auch ich mich - erkannten aber schnell, was für ein Rohdiamant in diesem Burschen steckt. 


Umso begeisterter waren die VfB-Fans daher als Donis zum Ausklang der Saison 2017/18 dieses überragende Spiel gegen den FC Bayern München hinlegte, bei dem er die hochgelobte Hintermannschaft der Münchner düpierte und Trainerlegende Jupp Heynckes seinen Abschied von der Bundesliga kräftig versalzte. Die Hoffnung auf einen Donis 2.0 elektrisierte das gesamte Umfeld.


Lieber ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende


Anstatt an diese überragende Leistung anzuknüpfen, kam Donis aber auch in der Folge-Saison nicht über den Status eines Edeljokers hinaus.Auch wenn er im Hinspiel der Releagation bei seiner Torvorlage wieder einmal sein ganzes Können aufblitzen lassen konnte sind ​gerade einmal fünf Treffer bei 955 Einsatzminuten in der regulären Saison für einen Spieler mit seinem Anspruch unterm Strich einfach wieder einmal viel zu wenig gewesen


Seit Monaten kursierten daher hartnäckige Gerüchte, die sich mit einem Abschied des einstigen Hoffnungsträgers beschäftigten. Schon allein um den Seelenfrieden des Vereins durch einen immer unzufriedener werdenden Donis nicht in Gefahr zu bringen, war eine Trennung im jetzigen Moment die einzig sinnvolle Entscheidung.


Die VfB-Leistungsdaten von Donis:

Spiele​​ToreVorlagen​
​1. Bundesliga​42​7​4
​2. Bundesliga​1​-​-
​Relegation​2​-​1
​DFB-Pokal​2​-​-
​Insgesamt​47​7​5

Auch Donis selbst, hat dies längst erkannt und wünschte dem VfB bei einem emotionalen Statement auf seinem Instagram-Profil für die Zukunft nur das Beste. Dabei bedankte er sich ausdrücklich bei seinen Mitspielern und den Fans des VfB. Bleibt zu hoffen, dass es bei diesen warmen Worten bleibt und nicht im Nachklapp noch der ein oder andere Giftpfeil von Klub- oder Spielerseite abgefeuert wird. 


Gute Perspektiven für beide Seiten


Rein sportlich gibt es für den VfB wohl kaum einen Grund Donis hinterherzutrauern. Die Geschwindigkeit des jungen Stürmers wird dem Aufstiegsapiranten zwar abgehen, Trainer Tim Walter stehen ​insbesondere mit Silas Wamangituka aber neue, hungrige Spieler zur Verfügung.


Auch Donis dürfte unterm Strich von der Trennung profitieren, kann er in Frankreich doch wieder von ganz vorne anfangen und hat sich schon für so manchen sensiblen Stürmer eine Luftveränderung schnell ausgezahlt. Sollte der Ex-Stuttgarter bei seinem neuen Klub deutlich bessere Statistiken vorweisen, sollte man sich als Anhänger der Schwaben aber nicht grämen. Manchmal passen zwei einzeln betrachtet schöne Dinge schließlich einfach nicht zusammen.