Seitdem der FC Bayern auf die Altmeister um Franck Ribéry und Arjen Robben verzichtet, rückt Kingsley Coman verstärkt in den Vordergrund. Sofern Bayern erneut ein Titelkandidat sein will, muss der Franzose mehr Verantwortung übernehmen. Für ihn ist es die Chance, endlich Führungsspieler zu sein.


Betrachtet man den Karriereverlauf von Kingsley Coman, könnte der Stationen zufolge auch von einem absoluten Weltstar die Rede sein: In der Jugend von Paris Saint-Germain ausgebildet, zog es ihn kurz nach seinem 18. Geburtstag nach Italien zu ​Juventus Turin. Im Jahr später wurde er für zwei Jahre an die ​Bayern verliehen, die ihn später fest verpflichteten.


Zu den Besten der Welt zählt der 23-Jährige aber (noch) nicht. Weder in Paris, noch in Turin erkannte man sein Potential wirklich. Obwohl die Bayern seine dritte international hochkarätige Station sind, spielte er bislang Transfererlöse von unter 30 Millionen Euro ein. Seitdem er bei den Bayern ist, lässt er seine unbestreitbaren Fähigkeiten aber immer wieder aufblitzen.


In seinen bisherigen 87 Bundesligaspielen brachte er es auf 16 Tore. Vielmehr besticht er aber durch seine Explosivität im Antritt und seine blitzschnellen, bärenstarken Dribblings. Warum er nach vier Jahren Bundesliga aber noch immer keine 100 Spiele absolvierte, lässt sich durch zwei mehr oder minder simple Fakten begründen:

Kingsley Coman

Durch seine enorme Schnelligkeit ist Coman nur schwer zu bremsen



Coman sucht, typisch für einen technisch versierten Flügelspieler, immer wieder das 1-gegen-1-Duell mit dem Gegner. Dabei ist er in der Tat schwer zu stoppen und wird deshalb oft rüde zu Fall gebracht. Nicht nur deshalb ist seine Verletzungsanfälligkeit um ein Vielfaches höher, als bei anderen seines Fachs: Auch im Training oder im Spiel ohne Ball verletzte sich Coman häufig, oft am Knöchel, und fiel längerfristig aus.


Des Weiteren kam der Franzose in den vergangenen Jahren nicht endgültig über seine Rolle als Ergänzungsspieler hinaus. Im Schatten von Arjen Robben und Frack Ribéry sollte er reifen. Doch mit der Zeit schien es, als würde er sich in ihm verlaufen. Zu selten setzte er nennenswerte Akzente, die es lohnen würde, ihn den beiden Routiniers vor die Nase zu setzen.


Noch kein Trainer war hundertprozentig überzeugt von ihm

Weder Pep Guardiola oder Carlo Ancelotti, noch Jupp Heynckes oder nun Niko Kovac konnte er wirklich von einer Stammposition überzeugen. Nachdem zudem mit Serge Gnabry im vergangenen Sommer ein weiterer Flügelspieler nach München wechselte, wurde Kingsley Coman nach und nach der Rang abgelaufen.


In der aktuellen Spielzeit soll sich das aber ändern: Auf einen Schlag sind weder Franck Ribéry, noch Arjen Robben mehr bei den Bayern und Coman steht plötzlich als Führungsspieler da. Vier Jahre nach seiner Ankunft an der Säbener Straße soll nun also seine Zeit kommen.

Alphonso Davies,Kingsley Coman

Für Coman ist es an der Zeit, Führungsspieler zu werden



Es ist keine Zeit mehr, in der er wichtig sein kann. Es ist eine Zeit, in der er wichtig sein muss. Denn jetzt sind lediglich Serge Gnabry, er und Alphonso Davies gelernte Flügelspieler im Bayernkader. Sicherlich könnten auch Neuzugang Jann-Fiete Arp, Leihgabe Philippe Coutinho oder Ur-Bayer Thomas Müller auf dem Flügel aushelfen, ihre Stammposition ist aber eine andere.


Letzterer hat Coman laut der L‘Équipe zudem auch in der Mannschaft mehr Verantwortung zugesprochen, ganz zur Freude des Franzosen: "Ich mag es Verantwortung zu übernehmen. Ich habe das Gefühl, dass mich meine Teamkollegen mehr einbinden als im letzten Jahr." 


Von einer großartigen Änderung im Standing an der Säbener Straße, spricht der Coman allerdings noch nicht. "Man hat auch im letzten Jahr viel von mir erwartet", führt er weiter aus. Spannend zu sehen wird es trotzdem sein, ob Kingsley Coman den Schritt vom ​prügelnden Jungspund zum gestandenen Leistungsträger schaffen wird.