​Seit Anfang dieser Woche ist die Causa​ Bakery Jatta offiziell ad acta gelegt. Doch einfach zur Tagesordnung übergehen ist in diesem Fall schwierig. Zumal Stefan Kuntz, Trainer der deutschen U21-Nationalmannschaft, mit seinem Werben um den HSV-Spieler schon gleich das nächste Fass aufgemacht hat. Für HSV-Trainer ​Dieter Hecking kommt dieser Vorstoß seines Kollegen etwas voreilig. Gleichzeitig kritisiert er die Print-Medien für ihre Rolle in der Angelegenheit aufs Schärfste.


Bisweilen wie im falschen Film


Bakery Jatta muss sich bisweilen im falschen Film wähnen. Über Wochen wird er verdächtigt, falsche Angaben zu seiner Person und Alter gemacht zu haben. Das Ganze artet aus in eine Art Spießrutenlauf, bis hin zur öffentlichen Vorverurteilung in einem Fußballstadion, das jeden seiner Ballbesitze mit einem gellenden Pfeifkonzert begleitet. 


Und als die Affäre dann per Beschluss einer staatlichen Behörde von einem Tag auf den anderen vom Tisch gewischt ist, schlägt ein Jugend-Nationaltrainer vor, Jatta so schnell wie möglich einzubürgern, um ihn in der U21 Deutschlands auflaufen lassen zu können. 


Vom Volksfeind Nummer 1, der er anscheinend für viele Karlsruher Fans vor zwei Wochen war, zum nationalen Hoffnungsträger. Muss man nicht verstehen. So wenig, wie Jatta seinerzeit die Pfiffe und Schmähungen im Wildparkstadion verstanden hat. 


Entsprechend will Hecking auf die prospektive Einbürgerung gar nicht weiter eingehen. "Es ist letztendlich Bakas Entscheidung. Im Moment halte ich das noch für weit weg", sagte Hecking gegenüber dem kicker


Kuntz-Vorschlag richtig, aber im falschen Moment


Doch mehr als die Überlegung an sich, einen talentierten Flüchtling über ein sogenanntes "nationales Interesse" (welches vom DFB propagiert werden müsste) auf beschleunigten Wegen einzubürgern, ist es wohl der Zeitpunkt, der für Hecking "im Moment nicht in die Situation rein" passt. 


Womit er in meinen Augen nicht Unrecht hat. Lasst den guten Jungen jetzt erstmal wieder etwas zur Ruhe kommen. Dem wochenlangen Medientheater um gefälschte Pässe, falsche Angaben, verschwundene Spieler, dubiose Zeugen und vermeintliche Beweisfotos würde eine weitere, wohl nicht weniger lange Debatte um Sinn und Unsinn von Einbürgerungen zwecks Anreicherung der Qualität im deutschen Fußball folgen. 


Und was ein von Medien platziertes Thema und die Rezeption desselben in Teilen der Gesellschaft anrichten können, haben wir gerade exemplarisch vorexerziert bekommen.


"Da ist gar nichts gekommen bis jetzt!"


Deshalb wollte Hecking auch die Gelegenheit nicht verstreichen lassen, nochmals eindrücklich daran zu erinnern - und die gezeigten Handlungsweisen in deutlicher Form zu kritisieren. "Ich finde es unmöglich, was da passiert ist", echauffierte sich Hecking, als wäre die Affäre immer noch virulent. 


Man sieht: Emotional ist das Ganze auch an ihm nicht vorbeigegangen. "Ich habe noch nirgendwo gelesen, dass sich irgendeiner bei ihm entschuldigt hat. Da ist gar nichts gekommen bis jetzt", kritisierte Hecking, völlig zu Recht, die etwas rückgratlose Haltung, vor allem der Sport Bild (auch wenn er die nicht namentlich benennt). 


"Wenn man Fehler gemacht hat, kann man auch dazu stehen und nicht noch dumme Kommentare schreiben", beschloss Hecking schließlich seine Generalkritik in Richtung schreibender Zunft. Ob es für die Zukunft was bringen mag, ist eher zu bezweifeln. Leider.