​Die Kaderplaner des ​VfB Stuttgart scheuten in diesem Sommer nicht vor drastischen Entscheidungen zurück und setzten mehrere arrivierte Kräfte, wie etwa Kapitän Christian Gentner, vor die Türe. ​Mario Gomez indes, überlebte den radikalen Kahlschlag. Nimmt man die letzten Spiele der Stuttgarter als Grundlage, wird aber auch für den ehemaligen Nationalspieler die Luft immer dünner.


Dass sich der hochdekorierte Angreifer überhaupt der Herausforderung der Mission direkter Wiederaufstieg stellt und sich nicht im reifen Fußballeralter von 34-Jahren entspannteren und wohl auch finanziell lukrativeren Alternativen im Ausland zugewendet hat, ist dem Mittelstürmer mit Sicherheit hoch anzurechnen. Rein sportlich, scheint der einstige Torjäger aber sukzessive an Bedeutung zu verlieren.

Mario Gomez

Zum Auftakt konnte der Torrero noch zu seinem berühmten Jubel ansetzen


Dabei war der Saisonauftakt für den gebürtigen Riedlinger noch äußerst verheißungsvoll verlaufen. So stand Gomez beim wichtigen Duell gegen den Mitabsteiger Hannover 96 nicht nur in der Startelf, sondern konnte durch seinen Treffer zum zwischenzeitlichen 1:0 sein Team auf die Siegerstraße führen. 


Verletzung zur absoluten Unzeit


Umso bitterer für Gomez, dass ihm in der Folge sein Körper einen Strich durch die Rechnung machte und er aufgrund von muskulären Problemen gegen Heidenheim und gegen Aue gar nicht erst zum Einsatz kam. Auch beim 2:1-Heimsieg gegen den VfL Bochum durfte der Ex-Nationalspieler nur in den Schlussminuten mitwirken. 


​Coach Tim Walter ist dafür bekannt, vor prominenten Namen keine Rücksicht zu nehmen und betonte daher jüngst gegenüber der BILD, dass sich bei ihm jeder Spieler "dem Leistungsprinzip unterordnen" müsse. Hoffnung machte er seinem Routinier aber dennoch. "Im ersten Spiel hat er überragend gespielt, dann war er verletzt. Wenn er gut trainiert und die Dinge macht, die ich von ihm erwarte, muss es keine Joker-Rolle sein", so der 43-Jährige.


Andere Stürmer überzeugen


Wirklich problematisch wird es für Gomez aber, wenn seine Vertreter im Sturm ihren Job so gut machen wie zuletzt gegen den VfL Bochum. Hervorzuheben ist dabei mit Sicherheit Silas Wamangituka. Der junger Franzose legte bei seinem Heimdebüt einen ​bemerkenswerten Auftritt hin und wirkte trotz seiner stattlichen Statur sehr geschmeidig und handlungsschnell. Beides Attribute die ideal ins Walter-System passen und beides Qualitäten, die sich im Repertoire von Gomez nicht wirklich finden lassen.

Wamangituka Silas

Wamangituka konnte das Stuttgarter Publikum rasch für sich begeistern


Sportdirektor Sven Mislintat versuchte nach der Silas-Gala zwar die Erwartungen an den Youngster etwas zu dämpfen, räumte aber doch auch ein, dass der Neuzugang ein Ausrufezeichen gesetzt hatte. "Man hat gesehen, was er kann. Mit seiner Geschwindigkeit, seiner Physis, wie er mit dem Rücken zum Gegner den Ball behauptet", so der Kaderplaner. Auch Walter zeigte sich "sehr zufrieden" und lobte die Einstellung und Bereitschaft des Stürmers.


Einstellung und Bereitschaft brachte Nicolas Gonzalez bereits in der letzten Saison mit. Der junge Argentinier zeigte sich aber auch in wichtigen Abschlusssituationen extrem fahrig und ließ viele Hunderprozentige liegen. Beim Spiel gegen den Revierklub wirkte der Gaucho nun aber nach seiner Einwechslung wie nach einem tiefgreifenden Update und schlenzte mit einer seiner ersten Ballberührung das Leder unhaltbar ins lange Eck. In Sachen Geschwindigkeit ist auch der 21-Jährige dem Altmeister Mario Gomez ohnehin haushoch überlegen.


Al-Ghaddioui in der Luft überlegen


Nun könnte man meinen, dass Gomez dann eben in eben jenen Spielen gebraucht wird, bei denen man mit flinken Gegenstößen und gepflegtem Kurzpassspiel nicht weiter kommt und eher auf einen wuchtigen Angreifer mit einem guten Kopfballspiel setzen will. Auch in dieser Disziplin scheint Gomez in seinem neuen Teamkollegen Hamadi Al-Ghaddioui aber seinen Meister gefunden zu haben.


Der Deutsch-Marokkaner zeigte beim Spiel gegen den VfL zwar im technischen Bereich eklatante Schwächen auf und wurde zum Stolperstein im Kurzpassspiel der Schwaben, bei hohen Bällen ist der ehemalige Regensburger insbesondere nach Standars aber eine echte Waffe. 


Die Mittelstürmer des VfB Stuttgart:


Spieler​​Alter​MarktwertProfitore​
​Gonzalez​21​6,5 Mio. €​15
​Wamangituka​19​3 Mio. €​11
​Kalajdzic​22​2,5 Mio. €​32
​Gomez​34​2 Mio. €​299
​Al Ghaddioui​28​0,85 Mio. €​91


(Marktwerte laut transfermarkt.de)


Bleibt also festzuhalten, dass Gomez sich schon extrem strecken muss, um sich wieder in Richtung Startelf bugsieren zu können. Vor allem wenn man nicht aus den Augen verliert, dass mit dem derzeit wegen einem Kreuzbandriss noch nicht zur Verfügung stehenden Sasa Kalajdzic ein weiterer Mittelstürmer im Saisonverlauf seinen Hut in den Ring werfen wird. 


Das größte Faustpfand eines Mario Gomez, nämlich seine Erfahrung, kann ihm dabei aber zugegebenermaßen keiner seiner Konkurrenten streitig machen und auch die Wirkung die allein sein prominenter Name bei gegnerischen Hintermannschaften noch immer zuweilen auslösen kann, sollte nicht unterschätzt werden.