​Als die Führungsspitze von ​Borussia Dortmund in diesem Sommer dem FC Bayern eine offene Kampfansage um die Meisterschaft vor den Kopf warf, ernteten die Borussen für diesen Mut, nicht zu Unrecht, viel Anerkennung. Die ​Niederlage gegen Union Berlin zeigte jüngst aber auf, dass dieses Selbstbewusstsein schnell in Selbstüberschätzung umschlagen kann. Einer der sich dabei zuletzt besonders negativ hervorgetan hat, ist der zweifelsohne hoch veranlagte Innenverteidiger Manuel Akanji.


Im Spiel gegen die Eisernen wirkte der 24-jährige Schweizer, wie zuvor in dieser Saison bereits häufiger beobachtet, in manchen Situationen nicht komplett bei der Sache und verschuldete mit einem völlig unnötigen Ballverlust den Treffer zum 2:1 durch den Hauptstadtklub. Dabei hatte der Eidgenosse auch bei dieser Partie phasenweise aufzeigen können, dass er definitiv das Zeug dazu hat, gemeinsam mit Mats Hummels ein kaum zu überwindendes Defensivduo zu bilden.

Manuel Akanji

Akanji läuft seiner Form aus der Vor-Saison noch hinterher


Von den Anlagen her, bringt der Innenverteidiger schließlich alles mit. So ist er eigentlich einer der passsichersten Spieler der gesamten Liga und belegt in diesem Ranking aktuell hinter seinem Mannschaftskollegen Axel Witsel und dem Gladbacher Nico Elvedi mit einer bockstarken Passquote von 93,4 Prozent den dritten Rang. Bringt nur leider herzlich wenig, wenn in den entscheidenden Situationen die nötige Spannung fehlt.


Akanjis Tanz auf der Rasierklinge


Wie auch sein ​Nebenmann Mats Hummels, hat Akanji den Anspruch selbst die kniffligste Spielsituation spielerisch zu lösen und verfolgt mit dieser Herangehensweise auch den Matchplan von Cheftrainer Lucien Favre. Dabei geht er willentlich das Risiko ein, im Erfolgsfall zwar für seine starke Technik und Übersicht gefeiert zu werden, im Misserfolg aber um so bedröppelter dreinschauen zu müssen.


Nun sind manche Unzuänglickeiten des Schweizers in dieser frühen Saisonphase mit Sicherheit auch damit zu erklären, dass die Abstimmung mit seinen neuen Nebenleuten noch nicht optimal ist. Manch eine Aktion des 15-fachen schweizerischen Nationalspielers erweckte zuletzt aber durchaus den Eindruck, dass dem Youngster sein Erfolg aus dem letzten Jahr womöglich etwas zu Kopf gestiegen ist.


Rückbesinnung aufs Wesentliche nötig


So hatte Akanji etwa seinen ​Rücktritt aus dem Mannschaftsrat erklärt, angeblich weil er etwas verschnupft darauf reagiert hatte, dass Hummels ihm das Amt des dritten Kapitäns auf Geheiß von Favre entrissen hatte. Eigentlich hätte sich Favre erhofft, dass Akanji dennoch Teil des Mannschaftsrates bleiben und dabei die Interessen der jüngeren Spieler vertreten würde. Der Rechtsfuß stand hierfür aber nicht zur Verfügung.

Manuel Akanji

Von Akanji wird nach der Länderspielpause eine Reaktion erwartet


Am Ende des Tages gilt für Akanji, wie für jeden anderen Bundesligaprofi auch, aber ohnehin die Leistung auf dem Platz. Klammert man dabei seine Passquote aus, überzeugen die Werte des Defensivankers in dieser Spielzeit noch nicht. So konnte er bislang nur 56,5 Prozent aller Eins-gegen-Eins-Duelle für sich entscheiden. Zum Vergleich: 2018 hatte Akanji noch knapp 66 Prozent seiner Zweikämpfe für sich entscheiden können.


Akanji wird genau beobachtet

In der Luft ist der Schweizer ohnehin keine echte Waffe und belegt im Bundesliga-Ranking mit gerade einmal 36,4 Prozent gewonnener Luftduelle Platz 122. Nun sind all diese Werte nach gerade einmal drei Spieltagen mit Sicherheit noch kein Grund zur Panik, dennoch zeigen die Zahlenspiele einen Tendenz auf, der es entschieden entgegenzutreten gilt. 


Das Spielerprofil von Manuel Akanji:

​PositionIV​
​Alter​24
​Marktwert​40 Mio. Euro
​Vertragslaufzeit​30.06.2022
​BVB-Spiele​47


(Marktwert laut transfermarkt.de)


Wer Akanjis Ehrgeiz kennt, weiß aber, dass der Abwehrspieler alles daran setzten wird, in Zukunft wieder für positive Schlagzeilen zu sorgen. Einen andauernden Höhenflug trotz ausbaufähiger Leistung lässt die Flugkontrolle beim BVB, namentlich Lucien Favre und die Führungsspitze rund um Sportdirektor Michael Zorc und Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke, bekanntlich sowieso nicht zu.


So wollte Zorc nach der Niederlage gegen Union in Akanji keinen Alleinschuldigen für die Schlappe festmachen, im gleichen Atemzug unterstrich aber auch der 57-Jährige gegenüber dem kicker, dass der Verteidiger es eigentlich besser kann. Bleibt aus BVB-Sicht nur zu hoffen, dass Akanji seine Zeit bei der Nationalmannschaft nutzen wird, um sich danach wieder mit klarem Kopf in die bevorstehenden Spiele stürzen zu können.