​Im Profisport gibt es für einen Verein unendlich viele Bereiche, in denen eine gute Arbeit sehr viel verändern kann. Im Fußball gehört dabei neben der Entwicklung der Infrastruktur oder der Trainingsarbeit das Scouten von neuen Spielern. Bei ​Borussia Mönchengladbach hat dies einen ganz besonderen Stellenwert.


Bei der Borussia gibt man sich nur mit dem Besten zufrieden; dies ist zumindest die Einstellung, die die Fohlen aus Gladbach seit Jahren verfolgen. Der sportliche Erfolg ist für den Klub enorm wichtig und wird von allen Beteiligten wertgeschätzt. Doch neben vielen Erfolgen geht es ebenso um die kontinuierliche Arbeit, die die Mannschaft immer besser machen soll und auf Dauer ein großes Ziel verfolgt.


Dazu gehört die Scouting-Arbeit, die wie bei jedem Klub eine wichtige Rolle spielt. In der Bild sprach Gladbachs Manager Max Eberl über die Entwicklung der Spielersuche in den letzten Jahren. Denn eines fällt bei der Borussia extrem auf: Nach vielen Youngstern schauen die Scouts in ganz bestimmten Ländern. Waren es vor Jahrzehnten vor allem noch die skandinavischen Regionen, blickt Gladbach heute vermehrt auf Frankreich und die Schweiz.


Gladbach achtet besonders auf die Ausbildung der Talente


Im Kader der Borussia befinden sich gleich vier Schweizer, dazu drei französische Profis. Die Anzahl an eben diesen Spielerentdeckungen sticht in den letzten Jahren immer wieder heraus, für Eberl hat dies vor allem mit den Grundfähigkeiten der Nachwuchsspieler zu tun: "Die Ausbildung dort ist ausgezeichnet! In Frankreich war es früher so, dass viele junge Spieler den Weg nach England gesucht haben, jetzt ist auch die Bundesliga für sie interessant."


Durchaus konnte sich vor allem die französische Jugendabteilung als eine der besten der Welt etablieren, Gladbach nutzt die Gunst der Stunde und versucht so viele Talente wie möglich zu fördern. Im Gegensatz zu Profis aus Schweden oder Dänemark bringen diese Youngster bereits eine erstklassige Ausbildung auf höherem Niveau mit und bieten daher noch ein größeres Potential. Ein jüngstes Beispiel dafür ist der hochtalentierte Marcus Thuram.


Doch nicht nur den eigenen Kader sollen diese jungen Spieler nachhaltig verbessern. Einige dieser Nachwuchsspieler entwickelte die Borussia zu gestandenen Akteuren und verkaufte sie dann für wesentlich bessere Angebote weiter. Für Michaël Cuisance erzielten die Fohlen in diesem Sommer beispielsweise eine Ablöse von zwölf Millionen Euro und somit ein Transferplus von ganzen 11,75 Millionen.

Michael Cuisance

Cuisance brauchte nur zwei Jahre, um vom Talent zum Star zu werden



Die Einnahmen aus den Spielerverkäufen werden allerdings dringend benötigt. Denn die hohen Ansprüche und die exzellente Arbeit im Scouting-Bereich hat ihren Preis. Ganze fünf Millionen Euro steckt der Bundesligist jährlich in Gehälter, Reisekosten oder Spielerinformationen. Das Team rund um Direktor Steffen Korell und Abteilungsleiter Mario Vossen umfasst laut Bild noch 13 weitere hauptberufliche Scouts. Nie waren es bei der Borussia mehr.


Damit steht Gladbach im Vergleich zur ​Bundesliga hervorragend da. Denn nur selten legt ein Verein solch einen Fokus auf die Spielersuche und kann es sich zugleich noch leisten. Allerdings gibt es einen guten Grund, weshalb gleich 15 Kräfte für die Scouting-Abteilung benötigt werden. Denn die Anzahl an jungen Profis steigt von Jahr zu Jahr, damit wächst der Aufwand und der Zeiteinsatz der Scouts.


Live-Scouting bleibt der Fokus


Vossen erklärt, dass jeden Tag bis zu 20 Spielerangebote von anderen Teams eintreffen könnten. Natürlich ist nicht jedes für die Borussia interessant, doch jene, die das Interesse wecken, werden sehr intensiv verfolgt. So ist es üblich, bei jedem zu beobachtenden Spieler einige Spiele oder Trainingseinheiten vor Ort zu beobachten, um so viele Eindrücke wie möglich zu sammeln. Dazu gehört ebenso die Beobachtung von Nachwuchs-Länderspielen oder internationalen Turnieren.


Trotz der modernen Möglichkeiten im heutigen Scouting-Bereich bleiben die Methoden also bewährt. Denn nur so kann ein vollständiges Bild eines Spielers geschaffen werden. Ähnlich funktionierte dies bei den heutigen Fohlen Denis Zakaria und Alassane Plea, die sich allerdings vor Gladbacher Augen ins Blickfeld spielten. Denn vor allem diese beiden Akteure konnten die Scouts erst nach direkten Duellen mit der Borussia von sich überzeugen.

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Kramer war eher nur eine zufällige Entdeckung der Scouts



Doch noch ein Szenario spielte sich bereits häufiger ab. Denn immer wieder beobachtet der Verein einen Spieler eines Klubs, wird dann aber auf einen Teamkollegen aufmerksam. So ist es beispielsweise bei Bamba Anderson oder sogar Christoph Kramer passiert: "Ich weiß, dass Gladbach damals immer in Bochum zugeguckt hat, weil man meinen Kumpel Leon Goretzka auf dem Schirm hatte. Der war dann aber wohl zu teuer. Und ich habe neben ihm offenbar auch nicht ganz so schlecht gekickt…", so der Mittelfeldspieler in der Bild.


Die Borussia hat sich in den letzten Jahren also zu einer wahren Talentschmiede entwickelt. Die Entwicklung der Scouting-Arbeit ist dabei ein Zeichen für die fortlaufende Verbesserung und das anpassen der Ambitionen. Mit dieser Arbeit konnten bereits erste große Erfolge erzielt werden. Doch in Zukunft soll durch die vielen Talente noch mehr möglich sein. Dann soll nämlich um Titel gespielt werden, die sich allmählich ankündigen.