Beim Auswärtsspiel von Inter Mailand bei Cagliari Calcio am vergangenen Wochenende kam es erneut zu unsäglichen rassistischen Entgleisungen seitens der Sizilianer. Lukaku beschwerte sich daraufhin in den sozialen Netzwerken - und erhielt von den eigenen Fans eine Antwort, die sich wie eine Ohrfeige anfühlen muss.


Es läuft die 73. Spielminute. Der Schiri hat Momente zuvor auf Elfmeter für Inter entschieden und Romelu Lukaku, der 65-Millionen-Rekordeinkauf der Norditaliener, steht bereit, um den Strafstoß auszuführen. Dann stimmen die Ultras von Cagliari ihre Affenlaute an. "Uh, uh, uh" hallt es durchs weite Rund. Kaum zu überhören. "Uh, uh, uh". Der Belgier lässt sich davon aber nicht aus der Ruhe bringen und verwandelt souverän. Am Ende gewinnt Inter und fährt den nächsten Dreier ein. 


Also alles gut? Wohl kaum. Die rassistischen Schmähungen und Beleidigungen (nichts anderes stellen diese Laute dar) waren gut vernehmbar für alle im Stadion, selbst für die Fans vor den Fernsehbildschirmen. 


Inter Mailand: Fangruppe bezieht Stellung zu Rassismus-Vorfall gegen LKK


Klar, dass sich Lukaku darüber aufregte. Und klar ist auch, dass er sich zumindest von den eigenen Fans ein wenig Solidarität gewünscht hätte. Doch Pustekuchen: die Ultra-Gruppe "L´Urlo della Nord" hat jetzt auf Facebook dem guten Lukaku "erklärt", was es genau mit diesen Affenlauten auf sich habe. Im Worlaut heißt es da: "Wir bedauern, dass du dachtest, dass die Vorfälle in Cagliari etwas mit Rassismus zu tun gehabt hätten. Du musst verstehen, dass Italien nicht wie andere Länder im Norden Europas ist, wo der Rassismus ein reales Problem darstellt. Wir verstehen, dass es Dir wie Rassismus vorgekommen ist - aber es war kein Rassismus. In Italien benutzen wir verschiedene Wege, um unsere Mannschaften zu unterstützen und um unsere Gegner nervös zu machen." (Quelle:marca.com)


Das muss Lukaku entweder wie Verschaukelung (und Beleidigung seiner Intelligenz) vorkommen oder wie blanker Hohn. Doch das beste kommt noch. Etwas weiter im Text bitten die Ultras Lukaku zu verstehen, dass die Affenlaute eine Art von Respektbezeugung ihm gegenüber darstellen (!), weil die gegnerischen Fans Angst vor seinen Toren hätten. Aber auf keinen Fall stellen sie Hass oder gar Rassismus dar. Rassismus sei eine völlig andere Sache und das wüssten auch die italienischen Fans. 


Rassismus in Italien: Ancelotti setzte bereits klares Statement


Wie Lukaku auf dieses zum fremdschämen geeignete Statement sogenannter Fans reagiert hat, wissen wir nicht. Aber er könnte durchaus ins Zweifeln kommen, ob seine Entscheidung, nach Italien zu gehen, tatsächlich die Richtige war. Italien ist in den letzten Jahren immer wieder zum Opfer rassistischer oder homophober Auswüchse von Teilen der Fan-Lager geworden. 


​​Im Dezember vergangenen Jahres verordnete Carlo Ancelotti (SSC Neapel) seiner Mannschaft, beim Auswärtsspiel in Mailand (bei Inter!) das Spielfeld vorzeitig zu verlassen. Vorangegangen waren üble rassistische Schmähgesänge gegen Napolis Kalidou Koulibaly. 


Doch sicherlich waren auch diese Gesänge, in den Augen der Interisti, nur der Versuch, ihre Mannschaft anzufeuern und den Gegner etwas einzuschüchtern. Man kommt aus dem Kopfschütteln nicht mehr raus.