Der FC Barcelona hat in diesem Sommer nichts unversucht gelassen, um Neymar Jr. zurück nach Katalonien zu lotsen und den Traum einer Offensive der Superlative zu realisieren. Paris Saint-Germain blieb in den Verhandlungen jedoch hart - und der Transferpoker droht als Bumerang zurückzukommen. 


Es gab mal eine Zeit - eine wunderbare Zeit -, zu der der FC Barcelona das Maß aller Dinge war. Nicht nur, weil sie den besten Fußball spielten; obwohl sie das taten. Nein, das Fantastische war, dass diese Super-Mannschaft von innen aufgebaut wurde. Es waren die Zeiten von La Masia, von Pep Guardiola, von Tiki-Taka-Fußball - von Legenden wie Andres Iniesta und Xavi.


Seitdem schweigt die wohl berühmteste Jugendakademie aller Zeiten. Barcelona investiert lieber in teure Spieler aus dem Ausland; das alleine ist schon schade. Was die Katalanen aber in diesem Sommer fabrizierten, führt die goldenen Zeiten ad absurdum. Als ob der moralisch (und finanziell) fragwürdige Transfer von Antoine Griezmann nicht schon besudelnd genug für das Image der Blaugrana gewesen wäre, gingen die Katalanen danach auch noch bei Neymar Jr. in die Offensive.


Barca: Neymar oder nichts


Dabei hatte man sich nicht gerade im Guten vom Brasilianer getrennt: bei seinem Wechsel nach Paris hatte Neymar dem Club, dem er so viel zu verdanken hatte, noch schnell eine Klage angehängt. Trotzdem war man in diesem Sommer - nur zwei Jahre später - bereit, die halbe Mannschaft einzutauschen, um den verlorenen Sohn zurück ins Camp Nou zu lotsen. Um eine Offensive der Superlative zu kreieren. Was macht es da schon, die hoch gelebten Werte des Vereins über den Haufen zu werfen?


Aber nun gut, das sind die Zeiten, in denen wir leben und in denen der Fußball kaum noch Romantik kennt. Und auf dem Papier machte der Transfer zunächst sogar Sinn: Neymar wollte Paris gen Barcelona verlassen, Barca hätte Ladenhüter Philippe Coutinho loswerden und Paris Saint-Germain einen adäquaten Ersatz an Land ziehen können. Doch der Deal scheiterte; offenbar wollte Coutinho nicht nach Paris wechseln. An diesem Punkt hätte Schluss sein müssen - doch Barca hatte die Finger bereits zu weit in der Keksdose.


Um PSG irgendwie zu überzeugen, bot Barca, nachdem das mit Coutinho nicht klappte, nach und nach die halbe Mannschaft an. Nelson Semedo wurde gehandelt, okay. Ousmane Dembele wurde zum Tausch angeboten. ​Und schließlich warf Barca sogar Veteran Ivan Rakitic in den Ring. Aus dem Transfer wurde dann aber doch nichts - PSG pochte dem Vernehmen nach auf Ousmane Dembele, der Franzose wollte Barca aber - genauso wie Rakitic - überhaupt nicht verlassen! Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen.


Neymar bleibt in Paris - und das Anthony-Davis-Dilemma macht in Barcelona die Runde


Vor zwei Jahren ließ sich Barca Dembele noch 125 Millionen Euro kosten und deckte dem jungen Franzosen nach anfänglichen Schwierigkeiten stets den Rücken. Bis zu dem Zeitpunkt, an dem Loyalität weniger wertvoll wurde, als sein Tauschwert. Gleiches gilt für Ivan Rakitic: einen der verdientesten Spieler im Kader der Blaugrana. Und das alles für wen? Einen Spieler, der auf Verträge pfeift und sich seinen Weg zurück nach Barcelona motzen will, weil es in Paris halt doch nicht so gut läuft. Wo ist die Loyalität? Wo sind die goldenen Zeiten, Barcelona?

Ousmane Dembele

In Barcelona endgültig im Abseits: Ousmane Dembele



Das Transferdrama ist nun (endlich) vorüber. Zumindest steht fest, dass Neymar in Paris bleiben wird. Und jetzt steckt Barca in einem Dilemma, das an einen ähnlichen Fall aus der NBA erinnert. Im Winter wollten die Los Angeles Lakers mit Anthony Davis einen weiteren Superstar nach Hollywood lotsen. Nur machte Davis' Verein dicht, unter anderem auch, weil der Spieler seinen Wechsel öffentlich forcierte. So ganz anders lief das mit Neymar und dem FC Barcelona auch nicht ab.


Und auch die Los Angeles Lakers verpassten den Moment, an dem hätte Schluss sein müssen. Das Team rund um Superstar LeBron James warf ebenfalls die halbe Mannschaft in den Ring, als Tauschwert für Davis. Der Trade kam trotzdem nicht zu Stande und für die Lakers ging es bergab: In der Kabine herrschte ein raues Klima; immerhin wurden die Spieler, von denen erwartet wird, für Gold und Lila zu bluten, noch vor wenigen Wochen als Ramschobjekte auf dem Tauschmarkt angeboten. Klar, dass das nichts werden kann.


Barca verliert das Gesicht: Ain't no Loyalty in this Game


Und eben dieses Dilemma droht nun dem FC Barcelona. Wer geht bitte jetzt noch für den Verein durchs Feuer? Ousmane Dembele und Ivan Rakitic sicher nicht. Und auch einem Luis Suarez dürfte das Transferdrama aus der Ferne nicht gefallen haben; immerhin wäre sein verdienter Stammplatz weg gewesen, wenn Neymar zurück nach Katalonien gewechselt wäre. Nein, der FC Barcelona hat den Moment verpasst, sich schützend vor die eigene Mannschaft, die eigenen Spieler zu stellen. Stattdessen setzte die Blaugrana alles auf eine Karte - und verlor. Das kann sich - vor allem in K.O.-Spielen in der Champions League - noch bitter rächen. Denn bluten wird manch ein Spieler für Blau und Rot nun nicht mehr. 


Übrigens: Die Lakers stürzten nach dem Trade-Wahnsinn um Anthony Davis nach dem Winter ab und erreichten nicht einmal die Playoffs. Und Davis? Vollzog seinen Wechsel zu den Lakers dann halt in diesem Sommer. Im Tausch gegen die halbe Mannschaft.