Zugegeben: es gab schon heißere Deadline Days mit mehr Wow-Faktoren. Aber: Trotzdem ging noch gut Spielermaterial über die Ladentheke - oder eben auch nicht. Die großen Verlierer und Gewinner des letzten Transfertages.


Gewinner: Paris Saint-Germain

Der französische Serienmeister ist im Transferpoker um Neymar hart geblieben und hat nicht nur Standfestigkeit bewiesen, sondern kann auch weiterhin - von seinen Kapriolen abgesehen - mit einem der weltbesten Fußballspieler planen. Und nicht nur das: Mit Mauro Icardi angelte sich PSG einen neuen Stoßstürmer der Extraklasse; der Argentinier soll die verletzten Cavani und Mbappe ersetzen und kam zum Nulltarif auf Leihbasis von Inter Mailand. Sollte Icardi überzeugen, kann PSG ihn im kommenden Sommer per Kaufoption (rund 70 Millionen Euro) fest verpflichten - besser geht's nicht!


Das i-Tüpfelchen dazu: Der Spielertausch zwischen Keylor Navas und Alphonse Areola ging auch noch über die Bühne. Thomas Tuchel kann nach dem Deadline Day also mit einer neuen (alten) Offensive und einer neuen Nummer Eins planen. 


Verlierer: Schalke 04

Der vielleicht größte Verlierer am Deadline Day. Die Knappen verpassten es, den dringend benötigten Stürmer zu verpflichten und müssen nun mit Guido Burgstaller als einzige nominelle Sturmspitze planen. Außerdem bleiben die Königsblauen auf Nabil Bentaleb sitzen, der der Mannschaft nicht mal helfen kann, da er vorerst verletzt ausfällt. Das hätte sich Schalke, die eigentlich einen starken Transfersommer durchlebten, sicher anders vorgestellt. Immerhin konnte mit Yevhen Konoplyanka ein weiterer Ladenhüter auf den letzten Drücker abgegeben werden.


Gewinner: Eintracht Frankfurt

Ante Rebic abgeben - und trotzdem als Gewinner dastehen? Gut gemacht, Eintracht! Die SGE hat bis zum Schluss gewartet und für ihren letzten Büffel einen wirklich ansehnlichen Deal eingefädelt: per Spielertausch wechselt Andre Silva von Milan in die Bankenmetropole und hat das Potenzial (anders als die anderen Neuzugänge) das tödliche Duo aus Sebastien Haller ​und Luka Jovic zumindest im Ansatz zu ersetzen. Außerdem konnte man mit Ante Rebic einen offensichtlich wechselwilligen Spieler und möglichen Brandherd abgeben, ohne das Gesicht zu verlieren. Einmal mehr haben Fredi Bobic und Co. da gute Arbeit geleistet.


Verlierer: Real Madrid

​Anders als Real Madrid. Was Zinedine Zidane da wohl geritten hat, als er für den Deadline Day ein oder zwei "Transferbomben" ankündigte? Alphonse Areola kann er damit kaum gemeint haben; immerhin kriegt er in dem Franzosen lediglich eine neue Nummer Zwei, die Keylor Navas adäquat ersetzen soll. Die Transferbombe, das war eigentlich ein neuer Mittelfeldspieler. Christian Eriksen, Paul Pogba, Bruno Fernandes - doch es kam: niemand. Mit Blick auf die aktuelle Personallage (Verletzungen, wohin das Auge blickt) und den schwachen Saisonstart, muss man Real Madrid als einen der Verlierer des Deadline Days ausmachen.


Gewinner: Galatasaray Istanbul

Ob das alles Hand und Fuß hat, sei dahingestellt. Aber Galatasaray Istanbul ist der eigenen Linie aus dem Sommer treu geblieben und hat auch am Deadline Day fröhlich eingekauft. Neben Königstransfer Falcao, der ablösefrei aus Monaco kam, sicherten sich die Löwen vom Bosporus auch noch Mario Lemina (vom FC Southampton) und Florin Andone (von Brighton). Ganz viel Qualität für den Hauptstadtclub - und alleine deswegen ein Gewinner am letzten Transfertag.

Verlierer: AS Rom

Qualität hat auch die AS Rom eingekauft. Allerdings sehr fragwürdig. Die Römer, die in dieser Saison ohnehin im Hintertreffen zu stehen scheinen, sicherten sich am Deadline Day Nikola Kalinic und Henrikh Mkhitaryan. Zwei schöne Namen, zugegeben. Beide konnten in den vergangenen Monaten allerdings nicht dem gerecht werden, was eigentlich von ihnen zu erwarten ist. Damit gesellt sich das Duo zu anderen Verpflichtungen dieser Art, wie Chris Smallig oder Davide Zappacosta. Komischer Transfersommer der Roma: dieser Eindruck bestätigte sich nochmal am Deadline Day.


Gewinner: RB Leipzig

Apropos AS Rom: Patrik Schick hat am Deadline Day doch noch seinen Weg in die Bundesliga gefunden. Leipzig arbeitete lange an dem Deal und konnte auf der Zielgeraden sowohl noch Jean-Kevin Augustin loswerden und den Transfer von Patrik Schick unter Dach und Fach bringen. Billig wird der Tscheche zwar nicht (Kaufoption: 29 Millionen Euro), ist aber ein absoluter Wunschspieler von den Bullen gewesen.

Verlierer: Barca

Beim FC Barcelona ist am Deadline Day nichts nennenswertes passiert. Und deswegen sind die Katalanen ein absoluter Verlierer. Denn den Poker um Neymar hat die Blaugrana verloren - und steht jetzt mit runtergelassenen Hosen da. Wäre an sich ja halb so wild, immerhin hat man in der Offensive genug Qualität. Das Problem ist nur: Barca bot die halbe Mannschaft zum Tausch für Neymar an; Spieler wie Ousmane Dembele oder auch verdiente Veteranen Ivan Rakitic werden in dieser Saison sicher nicht das Barca-Wappen küssen. Das könnte zum Bumerang für Barca werden - und das wäre verdient.


Gewinner: VfB Stuttgart

Die Schwaben haben auch am Deadline Day ihre Hausaufgaben gemacht. Die wechselwilligen und begehrten Gonzalez und Ascacibar konnten gehalten werden (auch wenn vor allem Letztgenannter nicht so glücklich damit zu sein scheint). Außerdem wurde der VfB Ladenhüter Anastasios Donis noch los (wechselte nach Reims). Im Gegenzug sicherten sich die Schwaben mit Philipp Förster einen begehrten offensiven Mittelfeldspieler - mit VfB-Vergangenheit! Stuttgart ist sowas von gerüstet für die Mission Wiederaufstieg.

Verlierer: Bayer Leverkusen

In Klammern. Bayer Leverkusen ist, wenn überhaupt, ein kleiner Verlierer. Denn die Werkself liebäugelte in den letzten Tagen noch mit einem neuen Innenverteidiger und ließ durchblicken, dass da noch was kommen könnte. Heißeste Personalie, die gehandelt wurde: Jan Vertonghen! Zu vermelden hatte der Bundesligist am Deadline Day dann aber doch nichts. Schade, denn in dieser Saison scheint die Defensive die einzige wirkliche Schwachstelle bei der Werkself zu sein.


Gewinner: AC Florenz


Die Fiorentina ist ohnehin schon Gewinner der Herzen. Immerhin sicherte sich Florenz die Dienste von Kevin-Prince Boateng und Franck Ribery - Wahnsinn! In der Toskana legte man allerdings auch nochmal am Deadline Day los: Rachid Ghezzal, Pedro und Bobby Duncan fanden den Weg nach Florenz. Kurz und knapp: Für Ghezzal würden beim Ziehen der Kaufoption inklusive Leihgebühr zehn Millionen Euro (zu entrichten an Leicester City) fällig; dass er diese Summe wert ist, bewies er in Frankreich. Pedro, 22-jähriger Brasilianer, soll unfassbar talentiert sein und hat nun die Chance, sich in Europa einen Namen zu machen. Und an Bobby Duncan, 18-jähriges Talent vom FC Liverpool, soll auch der BVB interessiert gewesen sein. In Summe drei vielversprechende Transfers, die den Sommer in Florenz abrunden.