Daniel Didavi

VfB Stuttgart: 8 Erkenntnisse aus dem Heimsieg gegen Bochum

Am Montagabend konnte sich der VfB Stuttgart vor heimischen Publikum erneut schadlos halten und kletterte durch den 2:1-Erfolg gegen den VfL Bochum auf den zweiten Tabellenplatz. Wie in so ziemlich jedem Spiel unter Coach Tim Walter, zeigte das Team dabei starke Ansätze, offenbarte aber in anderen Aspekten auch noch viel Luft nach oben.

1. Ansehnliche Passstafetten

Der VfB wurde seiner Favoritenrolle gerecht und hatte über weite Strecken der Partie deutlich mehr Spielanteile. Schlussendlich spielten die Schwaben fast 300 Pässe mehr als der Gegner und konnten mit einigen schönen Kombinationen aufwarten. Obwohl dabei die Geschwindigkeit der Aktionen im Vergleich zum letzten Ligaspiel gegen Aue deutlich nach oben korrigiert werden konnten, brachte die Walter-Elf dabei 83 Prozent ihrer Zuspiele an die richtige Adresse.

2. Al Ghaddioui spielerisch arg limitiert

Bei Angreifer Al Ghaddioui bestätigte sich der Eindruck der letzten Wochen. In Luftduellen ist der wuchtige 28-Jährige eine echte Waffe und konnte auch die Hintermannschaft der Bochumer in dieser Disziplin vor Probleme stellen. Sobald der Deutsch-Marokkaner von seinen quirligen Mitspielern aber ins Kurzpassspiel eingebunden wird, zeigt sich die fehlende Technik des Stürmers. 


Gegen Bochum wurde der Neuzugang daher folgerichtig zur Pause ausgewechselt. Bei einem anderen Matchplan dürfte Al Ghaddioui aber im Saisonverlauf noch wichtig werden.

3. Gonzalez setzt Ausrufezeichen

Nach seiner Einwechslung für Al Ghaddioui führte sich Nicolas Gonzalez prompt mit einem sehenswerten Schuss ins lange Eck ein und brachte den VfB wieder auf die Siegerstraße. Im Anschluss agierte der junge Argentinier in einigen aussichtsreichen Situationen zwar wieder gewohnt überhastet, dennoch kam mit dem 21-Jährigen mächtig Schwung in die Offensive. Umso wichtiger, dass die Stuttgarter sich auf dem Transfermarkt allen Abwerbungsversuchen erfolgreich erwehrt haben.

4. Defensive wackelt bedenklich

Auch gegen die Bochumer ließ die Defensive der Stuttgarter viel zu viele glasklare Tormöglichkeiten zu. Die von Walter angeordnete Spielweise hat eine äußerst geringe Fehlertoleranz und noch wirkt der Abwehrverbund eigentlich nicht im Ansatz sattelfest genug, um derart ins Risiko zu gehen. Auch in Sachen Abstimmung ist zwischen Nathaniel Phillips und Holger Badstuber noch viel Luft nach oben. 

5. Ascacibar sollte tunlichst rasch eingenordet werden

Gerade bei einer so löchrigen Hintermannschaft, hätte dem VfB ein veritabler Lückenstopfer wie Santiago Ascacibar gut zu Gesicht gestanden. Der Argentinier stand aus disziplinarischen Gründen aber gar nicht erst im Kader. Nach der Nationalmannschaftspause sollten sich alle Beteiligten an einen Tisch setzten und versuchen an einem Strang zu ziehen. Rein sportlich, müsste für den 22-Jährigen eigentlich ein Platz in der Startelf zu finden sein. 

6. Gregor Kobel als sicherer Rückhalt

Dass die Schwaben auch in Abwesenheit von Ascacibar am Ende die drei Zähler verbuchen konnten, lag in nicht geringem Maße auch an Gregor Kobel. Der Leihtorwart der TSG 1899 Hoffenheim zeigte seine beste Leistung im VfB-Dress und behielt bei Eins-gegen-Eins-Situationen einen kühlen Kopf. Im Spielaufbau konnte er zudem seine fußballerischen Qualitäten unterstreichen

7. Wamangituka macht Lust auf mehr

Apropos fußballerische Qualitäten: Was für feine Fußballer der VfB in diesem Sommer an den Neckar lotsen konnte, unterstrich am Montagabend vor allem Silas Wamangituka. Trotz seiner stattlichen Körperlänge wirkte der 19-Jährige in seinen Aktionen extrem geschmeidig und konnte mit einigen sehenswerten Dribblings, inklusive Zidane-Trick, glänzen. In wirklich gefährliche Abschlusssituationen konnten seine Mitspieler ihn dabei zwar nicht bringen, nicht von ungefähr erhoben sich bei seiner Einwechslung aber eine Vielzahl der Fans in der Mercedes-Benz Arena.

8. Didavi haut einen raus

Natürlich darf auch Daniel Didavi nicht unerwähnt bleiben. Der gebürtige Nürtinger streifte in Abwesenheit des verletzten Kapitäns Marc Oliver Kempf die Binde über und machte seinem Amt alle Ehre. Vor allem sein sehenswerter Treffer zum zwischenzeitlichen 1:0 war auf technisch höchstem Niveau. Bleibt der 29-Jährige von Verletzungen verschont, dürfte er dem VfB in dieser Saison noch viel Freude machen.


Bei Didavis Treffer glänzte Philipp Klement mit einem überragenden Steilpass, auch sonst zeigt der Ex-Paderborner im Passspiel der Schwaben einige gute Ansätze. Mit Namensvetter Philipp Förster konnte Sportdirektor Sven Mislintat am Deadline-Day zudem eine weiteren Spieler mit viel kreativem Potenzial verpflichten. Tim Walter darf sich daher wohl in Bälde mit dem Luxusproblem eines Überangebots im offensiven Mittelfeld auseinandersetzen.

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