​Die Büffelherde als solche ist bei der Frankfurter Eintracht Geschichte. Der letzte verbliebene Büffel, ​Ante Rebic, stampfte und schnaufte gestern durch die Commerzbank-Arena und schien das Spiel seiner ​SG Eintracht Frankfurt gegen Racing Straßburg alleine entscheiden zu wollen. Bis der Schiri ihn vorzeitig in die Kabine schickte.


Die Szene war geradezu symbolisch für seinen kämpferischen Einsatz am Donnerstagabend. Einen etwas zu lang geratenen Ball in die Spitze verfolgte Ante Rebic, als würde von ihm Wohl und Wehe seiner künftigen Karriere abhängen. Er drückte sich, schon im Strafraum, am Verteidiger vorbei und versuchte dann mit einem langen Bein noch an den Ball zu kommen. Dabei rauschte er in den Straßburger Keeper Sels rein, der die Szene für sich zu nutzen wusste und mit schwerzverzerrter Miene aufschrie.

Rebic, Rebic, immer wieder Rebic


Der israelische Schiedsrichter Orel Grinfeld, nicht immer auf der Höhe dieses intensiven Spiels, entscheidet nach kurzer Bedenkzeit auf glatt rot. Nach Studium der Zeitlupen muss man zu dem Schluss kommen, dass diese Bestrafung zu hart war. 


Zu diesem Zeitpunkt führten die Hessen bereits mit 1:0. Rebic (wer sonst?) war in der 27. Minute auf dem linken Flügel in den Strafraum der Elsässer eingedrungen und seine scharfe Hereingabe vom Straßburger Verteidiger Mitrovic ins eigene Netz gelenkt worden. Rebic, Rebic, immer wieder Rebic. Nichts zu sehen von der Lustlosigkeit, ja beinahe Apathie, mit der der Kroate noch vergangene Woche das Hinspiel bei den Franzosen absolviert hatte. 


Adi Hütter hatte es vor dem Spiel schon angekündigt: "Er kann uns unglaublich helfen." 

Das tat Rebic dann auch. Immer wieder presste er hoch die Strasburger Verteidiger, war ein ständiger Unruheherd - bis zur ominösen 44. Spielminute, als sein energisches Nachsetzen vom Unparteiischen überzogen drakonisch sanktioniert wurde. 


Hitzige Atmosphäre in der Commerzbank-Arena


Für Momente drohte das Spiel auf eine ganz hässliche Seite zu kippen. Das Publikum heizte die auf dem Platz immer aggressiver werdende Stimmung noch an. Auch während des Ganges in die Kabinen beruhigten sich die Gemüter nicht. 


Im Spielertunnel kam es zu Tummeleien und Handgreiflichkeiten, in die sogar der Gäste-Trainer Thierry Laurait, laut SGE-Sportchef Bruno Hübner, involviert gewesen sein soll. "Der Trainer von Straßburg hat auch zugeschlagen", sagte Hübner gegenüber RTL Nitro während der Halbzeitpause. Er selbst musste die zweite Halbzeit auf Anweisung des Referees von der Tribüne aus verfolgen.

Und auch Ante Rebic konnte nach dem Seitenwechsel das seine zum Einzug in die Gruppenphase der Europa League nicht mehr beitragen. Vom Spielfeldrand aus sah er den wunderschönen Freistoßtreffer seines serbischen Kollegen Filip Kostic (60.) und die endgültige Entscheidung durch Danny da Costa, der nach einer schönen Kombination der Hessen über links einen Rückpass von Kamada an den Fünfmeterraum nur noch ins Netz zu drücken brauchte. 


Und nach neunzig dramatischen Minuten konnte dann endlich auch Rebic jubeln. Für ein paar Augenblicke waren alle schwierigen Momente der letzten Zeit vergessen: Die Kritik an seiner laschen Einstellung im Hinspiel, die Spekulationen, ob er angesichts des Verlustes seiner kongenialen Sturmpartner die Motivation verloren haben könnte, weiter für die SGE auf Torejagd zu gehen, die tagtäglichen Wasserstandsmeldungen bezüglich seiner weiteren sportlichen Zukunft - all das ging gestern unter im orkanartigen Jubel der Commerzbank-Arena, als Grinfeld schließlich abpfiff. 


SGE-Fans erneut "zwölfter Mann" ihres Teams


Überhaupt - die Fans. Gestern waren sie wieder einmal der vielzitierte "zwölfte Mann" der SGE. 

"Es gibt in ganz Europa kein Stadion, das eine solche Wucht entfesseln kann wie unsere Arena. Man merkt, dass in diesem Klub eine besondere Europa-Leidenschaft herrscht", jubilierte ein sichtlich erleichterter Vorstand Axel Hellmann. 


Auf diese Stimmung müsste Ante Rebic in Zukunft verzichten, wenn er denn den Sirenengesängen potenter Arbeitgeber aus Italien oder England oder Spanien (oder gar München) nachgibt. Stand heute ist noch keine endgültige Tendenz in dieser Personalie auszumachen. In der Form von gestern Abend, das ist klar, ist Rebic für die Eintracht nahezu unverzichtbar. 


Aber eben auch hochattraktiv für die europäische Konkurrenz. Sein Preisschild (50 Millionen Euro) ist zwar recht üppig, angesichts der heutzutage zirkulierenden Summen jedoch auch kein unüberwindliches Hindernis. Schon gar nicht für die ganz Großen der Branche.


Wobei Karl-Heinz Rummenigge seinerseits unlängst die Tür eines Rebic-Transfers zugeworfen zu haben scheint. Von der Bild auf einen potentiellen Transfer des Kroaten angesprochen, antwortete der Vorstandsvorsitzende des FC Bayern relativ deutlich: "Quatsch, ihr dürft nicht alles glauben, was aus anderen Klubs kommt." Taktisches Geplänkel kurz vor Transferschluss oder ehrliche Rückzugsbekundung? Vier Tage werden wir uns noch gedulden müssen - dann wird endlich Klarheit auf dem Transfermarkt herrschen. Zumindest bis zum Winter.