​Das muss man sich mal vorstellen: eine absolute Legende wie ​Zinédine Zidane wird in Frage gestellt! Schon als Spieler über jeden Zweifel erhaben und jahrelang der beste Fußballer auf diesem Planeten, schaffte Zizou das Undenkbare: seine Meriten als Spieler noch zu toppen, und seine eigene Legende, nunmehr als Trainer, noch zu vergrößern. Mit ihm als Coach holten die Königlichen dreimal in Folge (!) den Champions-League-Titel nach Madrid. Doch der Fußball hat ein schlechtes Gedächtnis - und vor allem in Madrid laufen die Uhren anders als im Rest des Fußball-Universums.


Das bekommt auch der Weltmeister von 1998 und Europameister von 2000 gerade zu spüren. Als Retter war er im letzten Drittel der vergangenen Saison geholt worden. Nach den missglückten Experimenten mit Julen Lopetegui und Santiago Solari sollte allein die Aura des Unantastbaren für eine neue, erfolgreiche Dynamik im Real-Kader sorgen. 


Dass die Saison auch unter seiner Ägide ähnlich desaströs endete wie sie zuvor verlaufen war, interessierte die Macher an der Avenida Concha Espina, allen voran Klub-Chef Florentino Pérez, erstmal wenig. 


Real mit Rekrod-Ausgaben in diesem Sommer


Mit der Großoffensive auf dem Transfermarkt würde man Zidane schon einen Kader zur Verfügung stellen, mit dem er sämtliche gesteckten Ziele erreichen sollte. Doch schon die Vorbereitung geriet zur Katastrophe. Ein 3:7 gegen den Stadtrivalen Atlético ist selbst bei einem Vorbereitungskick, zehntausende Kilometer westlich von Europa ausgetragen, für einen Klub wie ​Real Madrid schlichtweg inakzeptabel. Doch rund um das Bernabéu-Stadion flüchtete man sich weiterhin in Durchhalteparolen. Wenn die Saison erstmal beginnt...


Nun hat sie begonnen. Und einem glanzlosen 3:1 in Vigo folgte am vergangenen Samstag der erste Heimauftritt gegen Real Valladolid (wo übrigens der Ex-Real-Star Ronaldo als Investor fungiert). 


Die Vallisoletanos gelten in dieser Saison (wie eigentlich in allen Spielzeiten) nicht zu den Kandidaten auf einen der vorderen sechs Plätze. Mehr als das: wenn der Klub ohne Drama die Klasse hält, wäre man in Valladolid eigentlich schon zufrieden. 


Entsprechend ernüchternd für den spanischen Rekordmeister kommt das 1:1-Unentschieden daher, mit dem sich beide Mannschaften am Ende leistungsgerecht trennten. 

Für die Real-nahe Marca, die ihm in in der heutigen Ausgabe schon den Status des "Unantastbaren" abspricht, bedeutet der kommende Monat September die ultimative Bestandsaufnahme für Zidane. Villarreal, Levante, Sevilla, Osasuna und Atlético sind die Gegner bis Anfang Oktober. Weniger als zehn Punkte aus diesen Spielen könnten für Zidane das Ende seiner Tätigkeit bei Real Madrid bedeuten. So unglaublich es auch scheinen mag.