Wenn Fußballspieler früher einen Treffer erzielten, rissen sie einen Arm hoch (oder auch alle beide) und liefen zu ihren Fans. Meist folgte ihnen ein Pulk von Mitspielern und gemeinsam feierte man vor der eigenen Anhängerschaft den Torerfolg. Danach ging es dann auch schon gleich wieder zum Anstoßpunkt.


Bei heutigen Fußballspielen bekommt man es, je nach Spiel und Spieler, mit einer ganzen Palette von Jubelchoreographien zu tun. Vom kollektiven Babyschaukeln wie anno 1994, als die Brasilianer jedes ihrer Tore bei der Weltmeisterschaft in den USA mit dieser mehr oder weniger subtilen Botschaft an die werdenden Mütter im Dunstkreis der Seleçao zelebrierten, bis zur Prise Pfeffer, die ein ​Serge Gnabry über den - metaphorisch gesprochen - gerade kredenzten Tor-Teller rieseln lässt  - so gut wie jeder erdenkliche Bezug zu menschlichen Leidenschaften und Handlungsweisen ist denkbar, wenn es im Tornetz einschlägt. 


Manche Jubelarien haben für Skandale gesorgt. Wie z.B. Robby Fowlers Darstellung eines Koksschniefenden, wofür er symbolisch die Kreide der Außenlinie nahm, oder die Hund-lässt-Wasser-Pantomime eines Leandro - damals in Diensten des FC Valencia - , die vor zwanzig Jahren das gegnerische Publikum im Madrider Vicente Calderón-Stadion auf die Palme brachte. 


Andere Formen des Torjubels sind sogar kollektiv einstudiert, wie der zappelnde Riesenfisch, der von den Mitspielern eines isländischen Klubs geangelt wurde. 


In Zeiten, in denen sich die Extravaganz der immer besser verdienenden Spieler irgendwie Bahn brechen muss (Frisuren haben ja den dummen Nebeneffekt von zeitlicher Dauerhaftigkeit, was im volatilen Fußball-Geschäft nicht immer ein Vorteil sein muss), haben viele Spieler jetzt einen perfekten Kultivierungsort ihrer persönlichen Vorlieben und Präferenzen ausgemacht. 

So wie ​Antoine Griezmann


Griezmann jubelt mit Konfetti


Der 120-Millionen-Mann des FC Barcelona hat sich vielleicht schon den ganzen Sommer über Gedanken darüber gemacht, wie er denn wohl sein erstes Tor vor seinen neuen Fans feiern sollte. Da trifft es sich ganz gut, dass er auch Fan vom Basketball und der US-amerikanischen NBA ist. In dieser Liga sollen ja tatsächlich noch mehr Ego-Shooter rumlaufen, als in den europäischen Fußballligen. Wäre doch gelacht, wenn man sich dort, auf der anderen Seite des Atlantiks, nicht inspirieren könnte. 

FBL-ESP-LIGA-BARCELONA-REAL BETIS

Gleich lässt sich Griezmann von einem Ordner etwas Konfetti reichen...



Gesagt - getan: am gestrigen Sonntag erzielte Griezmann gegen Betis Sevilla (5:2) seine ersten offiziellen Tore für Barça und lief nach seinem zweiten Treffer zu einem offensichtlich abgesprochenen Ort nahe der Eckfahne, wo er irgendetwas in Empfang nahm.


Es war Glitzerkonfetti, das er anschließend in die Luft warf, um dann im selbst produzierten Glanz-Regen zu verharren. Mitspieler waren bei diesem Jubel keine zugegen, aber das interessiert eine Ich-AG sicherlich herzlich wenig. Abgeguckt hat sich der Franzose diese Art ein Tor (oder sich selbst) zu feiern übrigens von NBA-Legende Lebron James, der aber das Konfetti durch Kreidestaub ersetzte. 

"Ich mag LeBrons Ritual und wollte ihn imitieren. Ich wollte das kopieren. Das Konfetti habe ich mit meiner Familie im Internet gekauft", erklärte Griezmann. Verstehen muss es man es trotzdem nicht. Aber - im Gegensatz zu anderen Umtrieben, die man heutzutage in manchem Stadion beobachten kann - tut es ja auch keinem weh.