Am zweiten Spieltag musste sich ​Schalke 04 dem ​FC Bayern mit 0:3 im ersten Heimspiel der Saison geschlagen geben. Auch wenn das Endresultat nicht unbedingt das Spiel widerspiegelt, war es ein ​verdienter Sieg der Münchener - doch auch der S04 kann aus diesem Spiel lernen.


Mit dem Lewandowski-Triple gelingt Bayern am zweiten Spieltag der erste Sieg der Saison. Auswärts auf Schalke waren sie zwar größtenteils fast ungefährlich, doch hatten die Königsblauen keine klaren bzw. großen Torchancen, die das Spiel hätten drehen können. Zweimal hätte es jedoch Elfmeter geben müssen, zumindest eine erneute Betrachtung der Szene wäre ein Muss gewesen. Schalke und David Wagner werden aus dem Spiel ihre Lehren ziehen.


Die Moral stimmt - Aufwind trotz 0:2-Rückstand

FBL-GER-BUNDESLIGA-SCHALKE-BAYERN MUNICH


Einer der größten Schwachpunkte in der letzten Saison war die sehr schwache Moral und das geringe Selbstbewusstsein der Mannschaft. Durch den komplett misslungenen Saisonstart war man immer nervös und nach Gegentoren massiv verunsichert. Das hat die Mannschaft, die zum großen Teil gleich geblieben ist, unter David Wagner wieder ablegen können. Nach dem zweiten Tor der Bayern kamen Philippe Coutinho und Ivan Perisic in die Partie, und doch waren es die Schalker, die dann aufdrehten und die letzten 30 Minuten beherrschten. 


Ahmed Kutucu brachte frischen Wind in die Partie und empfahl sich für einen Startelfeinsatz für das nächste Spiel gegen ​Hertha BSC. Die Mannschaft ließ nicht nach und setze immer wieder zu kleineren Stafetten rund um den Sechzehner der Bayern an, die in der zweiten Halbzeit - bis auf die beiden Tore - sehr ungefährlich wirkten. Dass man nach einem solch unglücklichen Doppel-Rückstand auch gegen den deutschen Rekordmeister nicht aufgibt, zeigt, dass die Einstellung und die Moral wieder stimmen. Darauf lässt sich aufbauen.


Guido Burgstaller ist in der Liga ein anderer Spieler, als in den Testspielen

Guido Burgstaller


In den Testspielen während der Sommervorbereitung und auch im ersten Pflichtspiel im Pokal war Guido Burgstaller gut drauf. Er traf häufig und war zudem an einigen starken Offensivaktionen beteiligt - vermutlich auch ein Grund, weshalb er in den ersten beiden Liga-Spielen den Vorzug erhalten hat. Sowohl gegen Gladbach, als auch gegen Bayern, konnte er das jedoch nicht ansatzweise reproduzieren. Zu häufiges Ungeschick, fehlendes Tempo und die fehlende technische Finesse sind Aspekte, die auch gestern wieder auffielen. 


Wenn Wagner wirklich seinen schnellen Umschaltfußball spielen lassen will, was man in den nächsten Spielen gegen Berlin und den ​SC Paderborn zeigen muss, wird es sich kaum vermeiden lassen, dass er entweder den mittlerweile genesenen Mark Uth oder das immer motivierte Eigengewächs Ahmed Kutucu in die erste Elf stellt. Auch wenn "Burgi", wie sein Spitzname lautet, sich vor keinem in Puncto Willen und Kampfgeist verstecken muss (Jochen Schneider sinngemäß): Das reicht leider nicht für den (modernen) erfolgreichen Fußball.


Die Fans haben ein sehr gutes Gespür für die Stimmung im Team

FBL-GER-BUNDESLIGA-SCHALKE-BAYERN MUNICH


Nach dem Spiel und der am Ende deutlichen Niederlage gab es weder Pfiffe noch Unmut bei den Fans, und das völlig zu Recht. Auch wenn es nach einer 0:3-Heimniederlage blöd klingen mag, aber man konnte den Spielern auf dem Platz als gesamte Einheit betrachtet nur wenig Vorwürfe machen. Zwei Standard-Tore und das dritte Tor quasi nach einem Konter, effizient bestraft von Weltklasse-Stürmer Lewandowski. Der Wille war da, und über weite Strecken in der zweiten Halbzeit war man auch spielerisch die bessere Mannschaft. Dennoch: Durch zu viele individuelle, eigene Fehler verbaute man sich die Chance auf gute Gelegenheiten.

Dass das Schiedsrichter-Team keine Lust hatte, die beiden Handsituationen nochmals am Bildschirm zu bewerten, kam erschwerend hinzu. Die Fans wissen, dass die aktuelle Umstellung kein Prozess ist, der von heute auf morgen funktionieren kann - schon gar nicht gegen eine mit Qualitätsspielern bestückte FCB-Mannschaft. So konnten sich die Spieler vor der Nordkurve aufbauen und für die nächsten Spiele motivieren lassen, denn genau das ist es, was es braucht: Eine Einheit zwischen Mannschaft und Fans.

Das Konzept des VAR ist nicht per se das Problem: Es sind die Menschen dahinter


Um es vorher deutlich zu machen: Ja, es gibt genug zu kritisieren, wenn man sich das Spiel als solches anguckt. Von zu vielen Fehlern im Spielaufbau, zu Stellungsfehlern, Missverständnissen in der Absprache, bis hin zu schlicht unglücklichen Fehlern. Nichtsdestotrotz muss man die gestrige Leistung des Schiedsrichter-Teams erwähnen und in aller Deutlichkeit kritisieren. Zu häufig vermisste man Maß und Mitte. Der Elfmeter für Bayern bat keinen Diskussionsbedarf. Jonjoe Kenny stolpert, kommt zu spät und fällt in Kingsley Coman - kein Problem.

Bei den möglichen drei Elfmetersituationen (erst Pavard, dann zweimal Perisic) für S04 lieferten alle Beteiligten jedoch das schlecht möglichste Bild ab. Keine eindeutige Kommunikation, keine klare Linie gemessen an den Regeln. Mindestens einen Elfer hätte es geben müssen, und auch bei zwei hätte sich kaum einer beschweren dürfen. Dass man das Spiel, die Spieler und die Arena nicht beruhigt und auf "Nummer Sicher" geht, indem man sich zwei Minuten nimmt, um die technische Möglichkeit an der Seitenlinie zu nutzen, die man ja hat, erschließt sich nicht. Auch das Stellungsspiel des Unparteiischen war oft grenzwertig, zu oft stand er inmitten einer Offensiv-Aktion, auf beiden Seiten. 

Im Nachhinein hätte er es anders gesehen, so Schiedsrichter Marco Fritz. Auch Schiedsrichter-Chef Lutz Michael Fröhlich äußerte im Sport1-Doppelpass seine Kritik, sämtliche Experten sahen die beiden Handspiele als regelwidrig an. Nur bringt das Schalke nichts. Vielleicht hätte sich das Spiel verändert, vielleicht nicht. Doch wenn vom VAR-Raum aus im Bezug auf Fritz auf dem Platz solche Situationen so unprofessionell gelöst werden, erscheinen eher die handelnden Personen als problematischer, als das Konzept des Video-Schiris.