Umbruch, Neustart oder Übergangsjahr. Das sind Begriffe, die man im Fußball - und im letzten Jahrzehnt besonders auf Schalke - häufig hört. Grob ähnlich ist die aktuell Situation bei S04. Nach der letzten Saison will man nicht erneut enttäuschen, man möchte herausfinden wo man steht, und muss die ersten Schritte für langfristige Stabilität gehen...


Ja, keiner möchte mehr etwas über die letzte Saison hören. Zum einen weil sie schlichtweg beschissen war, und zwar in sämtlichen Belangen. Zum anderen, weil man eben nicht mehr in dieser Saison steckt. Neuer Sportvorstand, neues Scouting, neuer Trainer, neue Philosophie - fast gleicher Kader.


Schritte gehen, um danach wieder das Laufen zu erlernen


Doch was kann man von ​Schalke 04 in dieser Saison erwarten? Die mehrheitlich positive und mit Verständnis befüllte Resonanz auf das torlose Remis gegen Borussia Mönchengladbach hat schon einen guten Eindruck vermittelt, wie es aktuell steht. Grob formuliert: Nicht zu viel erwarten und nachdem man letztes Jahr voll auf die Schna... Nase gefallen ist, zunächst einmal wieder die ersten Schritte gehen - denn nur so kann man wieder Laufen lernen.


Die Fans haben über die letzte Saison enorm gelitten. Die einzige gute Konstante war der Support der S04-Anhänger, die weit besseres verdient haben, als das, was sie in der Saison 2018/2019 - nur ein Jahr nach der umjubelten Vizemeisterschaft - über sich haben ergehen lassen müssen. Deshalb ist diese Spielzeit auch als eine Art Wiedergutmachung zu verstehen. Man erwartet nicht viel, aber man ist dann halt doch der große Klub "aus'm Pott". 

David Wagner

David Wagner soll der Trainer sein, der endlich über Jahre den S04 prägen kann


Der Fokus der Verantwortlichen und des Teams muss darauf gerichtet sein, nun für langfristige Stabilität zu sorgen. Einen derart krassen Abrutscher darf es nicht erneut geben. Aus Stabilität und Kontinuität lassen sich größere Dinge aufbauen, doch dahin muss man erstmal kommen. Dafür hat man sich David Wagner ausgesucht, der attraktiven, schnellen und mitreißenden Fußball spielen lassen will. Das passt zum emotionalen Umfeld, das er selbst als ehemaliger Spieler von S04 kennt. 


Was bedeutet das eigentlich konkret für die Tabelle? Nun ja, das ist äußerst schwierig zu sagen. Man weiß noch nicht genau, "wo man steht". Wie gut ist der Kader wirklich? Wie schnell bekommt man das geplante Spiel auf den Platz? Das Potenzial zumindest besteht darin, bis zu den Europa-League-Plätzen zu kommen. Aber: Dafür muss sehr viel passen in dieser Saison. Neben schwächelnden Konkurrenten, die aus deutlich angenehmeren Ausgangslagen kommen, braucht man auch eine konstant gut performende Truppe, die bereits im ersten Jahr die neuen Ideen passend umsetzt. Ob das realistisch ist, lässt sich zurzeit natürlich nur schwer sagen.


Eine stabile Saison wäre zunächst erforderlich. Eine Spielzeit, in der man nichts mit dem Abstieg zu tun hat, zu keiner Zeit, aber in der man auch nicht zu früh durch mögliche "Überraschungs-Siege" zu schnell den Blick für das Wesentliche verliert. Dazu die ruhige Atmosphäre, in der nach und nach der Kader noch verbessert und auf den Matchplan angepasst wird. So kann über einen längeren Zeitraum etwas festes zusammenwachsen, und aus einer stabilen Lage lässt sich dann auch wieder oben angreifen. Und "oben" sind in dem Fall die internationalen Plätze. 


Verständnis von allen Beteiligten - Als Einheit mit den Fans in eine bessere Zukunft?


Es ist sozusagen eine Art Spagat, für die man rund um den Verein in dieser Saison Verständnis haben muss. Natürlich ist der Kader nicht so schlecht, wie alle sagen. Natürlich ist der Verein nicht grundsätzlich finanziell am Ende, wie man ab und zu hört. In dieser Saison wird es Spiele geben, in denen es läuft, in denen man starke Entwicklungen sieht, genauso wie Spiele, durch die man erneut zweifeln wird. Doch da muss man durch. Für Schalke ist einiges möglich, besonders jedoch auf die nächsten Jahre gesehen. 


Somit lässt sich für dieses Jahr sagen, dass es am wichtigsten sein wird, wieder eine Einheit zusammen mit den Fans zu werden, und auch zusammen die Entwicklung im Sinne der angestrebten Philosophie, die zu S04 gut passen kann, zu starten. Eine konkrete Einschätzung zu geben ist kaum realisierbar - auch intern weiß man natürlich noch nicht, wo genau man steht und wie weit man ist. Das werden vor allem die nächsten fünf bis sechs Spiele in der Liga zeigen.