Mit Paulinho sicherte sich Bayer Leverkusen vor einem Jahr ein hochgradig veranlagtes Talent aus Brasilien. Der 19-Jährige ließ sein Potenzial in der diesjährigen Vorbereitung aufblitzen, droht jedoch wie schon im Vorjahr die meiste Zeit auf der Bank zu verbringen. Laut kicker könnte er bei Sporting Lissabon Spielpraxis sammeln, um in einem Jahr gestärkt in die Bundesliga zurückzukehren. Eine Leihe bietet für Spieler und Klub eine lukrative Gelegenheit.


21 Mal kam Paulinho in der abgelaufenen Saison zum Zug. In der Bundesliga erhielt das Offensivtalent fast ausschließlich Kurzeinsätze, durfte nur in den beiden Pokalwettbewerben vier Mal von Anfang an ran und sammelte magere 505 Einsatzminuten. Dass sich die Zahlen in dieser Saison gravierend ändern werden, ist äußerst zweifelhaft.


Der Konkurrenzkampf im Mittelfeld und Angriff ist groß, Peter Bosz stehen viele Optionen zur Verfügung. Auf den Außen kämpfen Leon Bailey, Karim Bellarabi und Moussa Diaby um ihre Plätze, im offensiven Mittelfeld, in dem Paulinho in der Vorbereitung mehrfach getestet wurde, haben Kerem Demirbay, Nadiem Amiri und Kai Havertz die Nase vorn. Selbst, wenn einer der Akteure ausfallen sollte, stehen Bosz im 24 Mann großen Kader genügend Alternativen zur Verfügung, schließlich ist die taktische Formation variabel.


Für Paulinhos Entwicklung ist eine Leihe sinnvoll


In Lissabon ist die Chance auf regelmäßige Spielpraxis deutlich größer. Im offensiven 4-3-3 könnte Paulinho beispielsweise im offensiven Mittelfeld neben Aushängeschild und Kapitän Bruno Fernandes auflaufen, auch auf den Flügeln sollte er sich gegen Landsmann Raphinha, Abdoulay Diaby oder dem verletzten Jovane Cabral behaupten können. 

Paulinho

  Auch in seinem zweiten Jahr ist Paulinho ein gutes Stück von einem Stammplatz entfernt. Eine Leihe würde Abhilfe schaffen.



Anpassungsprobleme hätte er auf der iberischen Halbinsel kaum. Die Integration würde in seiner Muttersprache bedeutend leichter fallen, ohnehin befinden sich bereits sieben Brasilianer im Aufgebot des Vorjahresdritten der Liga NOS. Bei Sporting würde er auf hohem Niveau spielen, auch international - der Verein qualifizierte sich auf direktem Wege für die Gruppenphase der Europa League.


Auch die Spielweise des Niederländers Marcel Keizer passt zum Brasilianer. Sporting läuft den Gegner früh an, spielt vorzugsweise über die Flügel. Die aufgerückten Achter bieten dem Mittelstürmer ballnahe Unterstützung,  das Kombinationsspiel erfolgt meist diagonal. Paulinho könnte seine Stärken im Dribbling und Passspiel einbringen, zudem aus der zweiten Reihe selbst für Torgefahr sorgen.


Bayer bestimmt, wohin die Reise geht


Eine Leihe ist Chance und Risiko zugleich. Was, wenn Paulinho auch in Lissabon nur auf der Bank sitzt? Oder was, wenn er die Verantwortlichen so sehr überzeugt, dass sie um jeden Preis um ihn kämpfen werden - und er sich selbst womöglich einen Verbleib vorstellen kann? 


Klar ist: Bayer hat das Heft des Handelns in der Hand. Paulinho besitzt einen Vertrag bis 2023, die Ausstiegsklausel liegt bei 80 Millionen Euro. Da die Leverkusener nicht daran interessiert sein dürften, den U23-Nationalspieler dauerhaft abzugeben, käme daher wohl nur ein Leihgeschäft ohne Kaufoption in Frage. 


Für Spieler und Klub wäre dies eine Win-win-Situation, vorausgesetzt, Paulinho kann bei Sporting überzeugen. Dann würde er gestärkt nach Leverkusen zurückkommen und stünde vor einem Neuanfang. Das jüngste Beispiel Daichi Kamada, der nach einem Jahr beim belgischen Erstligisten VV ST. Truiden einer der Hauptanwärter für einen Stammplatz im offensiven Mittelfeld der Frankfurter Eintracht ist, macht Mut.