​Elf (in Zahlen: 11) Neuzugänge konnten die ​HSV-Fans in diesem Sommer im Volkspark begrüßen. Der Vollständigkeit halber sei natürlich auch erwähnt, dass auch 16 (in Worten: sechzehn) Spieler den Traditionsklub im selben Zeitraum verließen. Hohe Fluktuation also beim Dino. Wir stellen den elf Neuen heute mal ein (frühes) Zwischenzeugnis aus. 


Tor:

Die neue Nummer Eins zwischen den Pfosten, Daniel Heuer Fernandes (26), kam für 1,3 Millionen Euro aus Darmstadt zu den Rothosen. Seine Verpflichtung war gleichzeitig auch als Wink mit dem Zaunpfahl gegenüber dem bisherigen Stammtorwart Julian Pollersbeck gedacht. Doch der blieb am Ende - und Heuer Fernandes startete mit einem Patzer (ausgerechnet gegen die alten Kollegen) in die Saison. Mittlerweile hat er sich stabilisiert - insofern man das überhaupt beurteilen kann. Denn: all zu viel hat Heuer Fernandes in den bisherigen Spielen noch nicht auf seinen Kasten bekommen. 


Mit dem Ball am Fuß wirkt er etwas unsicherer als Pollersbeck, auch sein gesamtes Auftreten (Stichwort: Strafraumbeherrschung) muss noch energischer werden. Dennoch sicherlich kein rausgeworfenes Geld, das die Hamburger für ihn auf den Tisch gelegt haben. 

Daniel Heuer Fernandes

Daniel Heuer Fernandes ist Heckings klare Nummer eins


Abwehr:

Auf den beiden defensiven Außenbahnen vor seinem Tor stehen mit Jan Gyamerah (24) und Tim Leibold (25) zwei weitere Neuzugänge. Beide haben sich in kurzer Zeit in die Stammformation trainiert und gespielt und bestätigen schon in diesen ersten Wochen die auf sie gestimmten Lobeshymnen (Hecking über Gyamerah: "Der Junge weiß gar nicht, wie gut er ist."). Vor allem der ehemalige "Clubberer" Tim Leibold befindet sich zur Zeit in einer überragenden Form. 


Einen Vorgänger wie Olympiasieger und Publikumsliebling Douglas Santos binnen eines Monats vergessen zu machen, ist eine bärenstarke Leistung. Leibold gelangen bislang schon drei Assists in ebenso vielen Liga-Spielen. Die 1,8 Millionen Euro entpuppen sich mittlerweile als echtes Schnäppchen, zumal wenn man allgemein die Preise für linksfüßige Außenverteidiger berücksichtigt. 


Gyamerahs und Leibolds neue Kollegen in der Innenverteidigung konnten bislang noch nicht ihr Können unter Beweis stellen: sowohl der brasilianische Abräumer Ewerton (30, kam ebenfalls aus Nürnberg) als auch der niederländische Defensivspezialist Timo Letschert (26, kam von der US Sassuolo) befinden sich bislang noch mehr im Lazarett der Norddeutschen als auf dem Platz. Angesichts eines überschaubaren Kostenvolumens für die beiden kann man auch hier dem HSV nur gratulieren. Beide werden ihre Wertigkeit für ihren neuen Klub noch beweisen. 


Mittelfeld:

Im Mittelfeld des Dinos agieren derzeit drei Neuverpflichtungen: Adrian Fein (20, Leihe vom FC Bayern München), David Kinsombi (23, Holstein Kiel) und Jeremy Dudziak (23, FC St.Pauli). Nur für Kinsombi mussten die Hamburger Geld auf den Tisch legen - dafür aber auch gleich richtig. Kolportierte 3,5 Millionen Euro überwies man nach Kiel. Ein Zehntel des Betrages soll der Spieler selbst beigesteuert haben, weil er unbedingt und nur zum HSV wollte. Kurios: der  teuerste Einkauf der Rothosen ist bislang noch nicht richtig in die Puschen gekommen, wie man hier oben sagt. 


Doch angesichts seiner schon nachgewiesenen Klasse (vor allem der HSV kann da aus eigener leidvoller Erfahrung ein Lied von singen) ist es nur eine Frage der Zeit bis Kinsombi auch in Hamburg die Leistungen zeigt, die ihn in Kiel zum absoluten Führungsspieler werden ließen. 

Das Gegenmodell zu Kinsombi bietet Adrian Fein. Kaum einer in Hamburg hatte den Bayern-Spieler (letztes Jahr an Jahn Regensburg ausgeliehen) auf dem Zettel. Mittlerweile ist der elegante Techniker nicht mehr aus der ersten Elf des HSV wegzudenken. 

Adrian Fein

Die größte Positiv-Überraschung unter den Neuzugängen: Adrian Fein


Doch weg-denken muss man ihn sich. Zwangsläufig, denn zum einen hat der Spieler selbst schon angekündigt, nächstes Jahr wieder zurück zum FC Bayern gehen zu wollen. Und zum anderen wird der FC Bayern seinen verlorenen Sohn auch wiederhaben wollen, wenn der weiter so performt wie bisher. Eine Parallele zu Orel Mangala in der vergangenen Saison. 


Jeremy Dudziak kam ablösefrei vom Stadtrivalen FC St.Pauli, was einige Fans der "Braunen" zu einem geschmacklosen Banner anlässlich des Derbys Mitte März veranlasste. 

Auch Dudziak war bislang in allen vier Pflichtspielen dabei, traf sogar beim 4:0-Sieg in Nürnberg. Auch hier kann man sagen: kaum Fehler gemacht bei der Personalwahl, HSV!


Sturm:

Im Sturm schließlich sollen Sonny Kittel (26, FC Ingolstadt), Lukas Hinterseer (28, VfL Bochum) und Xavier Amaechi (18, Arsenal London), zusammen mit dem schon vorhandenen Personal (Bobby Wood, Manuel Wintzheimer) das letztes Jahr doch sehr schwachbrüstige Offensivspiel der Hamburger verstärken und die durch Pierre-Michel Lasogga gerissene Lücke (PLM brachte es in 31 Liga-und Pokalspielen auf immerhin 19 Treffer) schließen. 


Sowohl Kittel (kam ablösefrei) als auch Hinterseer (ebenfalls zum Null-Tarif nach Hamburg gekommen) konnten auch schon Tore erzielen. Hinterseer jüngst gar den Sieg-Treffer gegen seine alten Kollegen. 


2,5 Millionen Euro hingegen ließ sich der HSV die Dienste des englischen Top-Talents Xavier Amaechi kosten. Der kam bei Arsenal London nur in der zweiten Mannschaft zum Zug. Die ersten Eindrücke sind allesamt sehr positiv. Amaechi soll behutsam an die erste Mannschaft herangeführt werden. 


Fazit: 

Der HSV hat mit viel Umsicht und relativ wenig Geld eine ganze Reihe hochinteressanter und entwicklungsfähiger Spieler geholt, die alle der Ehrgeiz eint, in ihren jeweiligen Karrieren noch was zu erreichen. Vielleicht wird man diese Sommer-Transferperiode 2019/20 in ein paar Jahren als eine der besten der jüngsten Vergangenheit bewerten.