​Der ​FC Erzgebirge Aue steht nach dem dritten Spieltag der Zweiten Bundesliga mit sechs Punkten auf Platz vier. Dazu kamen die Erzgebirgler auch im DFB-Pokal (4:1 bei Wacker Nordhausen) eine Runde weiter. Trotzdem wurden jetzt Cheftrainer ​Daniel Meyer und dessen Assistenten "vorerst beurlaubt". 


Das ist dann wohl wieder ein Kapitel aus der Serie: Muss man nicht unbedingt verstehen. Der Maulkorb, den Präsident Helge Leonhardt seinem Verein gegenüber der Presse verpasst hat, 

sorgt natürlich auch nicht unbedingt für mehr Klarheit. "Im beiderseitigen Einvernehmen wurde vereinbart, dass dazu keine weiteren Stellungnahmen abgegeben werden", heißt es lapidar in einer Pressemitteilung vonseiten des Klubs. 

Der FC Leonhardt macht also wieder von sich reden. Seit 1992 leiten die Brüder Uwe und Helge Leonhardt die Geschicke des Vereins. Damals, drei Jahre nach dem Mauerfall, zog sich das Bergbauunternehmen Wismut als Sponsor zurück - der Verein drohte zu verschwinden. Die Brüder Leonhardt übernahmen. Uwe wurde Präsident des Klubs und führte ihn fünfzehn Jahre lang. Nicht immer zur Freude der Fans. So wurde aus Wismut Aue in dieser Zeit der FC Erzgebirge Aue. Die Traditionalisten im Klub wandten sich mit Schrecken ab. 

2014 wurde Uwes Bruder Helge zum Präsidenten des Vereins. 


Im Jahr 2016 machte Helge Leonhardt von sich reden, als er den bei der Basis sehr beliebten Sportdirektor Steffen Ziffert ohne Angabe von Gründen von heute auf morgen feuerte. Bei der Mitgliederversammlung im November desselben Jahres flog ihm dieses Thema dann auch um die Ohren. Jens Haustein trat damals als einer der Redner an die Mikrophone: "So einen verdienstvollen Manager vom Hof zu jagen, das gehört sich nicht." 


Haustein war nicht der einzige, der mit Leonhardts Vorgehen Probleme hatte. Doch Leonhardt selbst sah in den Kritikern nur eine "Minderheit", der man "im Nachhinein keine Bedeutung schenken" sollte. 


Den Verein, sagte Leonhardt einmal dem Fußball-Magazin 11freunde, führe er "wie ein Unternehmen. Im Fußballverein bist du der Öffentlichkeit und den Medien ausgesetzt. Eine Firma kannst du abschotten. Die Öffentlichkeit hat in einer Firma gar nichts zu suchen." 


Dieses Statement lässt tief blicken. Denn natürlich ist ein Fußballverein eine im öffentlichen Leben stehende Körperschaft. Er ist eben nicht so privat wie eine Firma. Wenn dem so wäre, kämen nicht alle zwei Wochen durchschnittlich knapp 10.000 Zuschauer in das Erzgebirgs-Stadion. Mit Abschottung kommt man da irgendwie nicht auf einen grünen Zweig. Doch "erklärt" diese damalige Aussage Leonhardts auf eine gewisse Art und Weise die aktuellen Ereignisse. Keiner weiß, warum und weshalb genau zu diesem Zeitpunkt die sportlich Verantwortlichen des Klubs gehen müssen. Ein Alleingang des allmächtigen Klubchefs? 


Klärungsbedarf besteht, auch wenn Herr Leonhardt das anders sehen mag, auf jeden Fall. Die Bild will mittlerweile erfahren haben, dass persönliche Gründe (ein Trauerfall in Meyers Familie) ausschlaggebend waren. Doch warum trifft der Vorstand dann diese Personalentscheidung, wie es heißt? Vorerst wird die mysteriöse Pressemitteilung des Klubs wohl für weitere Spekulationen in die unterschiedlichsten Richtungen sorgen.