Der FC Bayern München hat wieder eine 'Granate' verpflichtet. Nach der zweijährigen Leihe von James Rodriguez soll nun Philippe Coutinho mindestens in dieser Saison die Fans des Rekordmeisters verzücken. Der Brasilianer bringt enorme Qualitäten mit und ist die Verstärkung, nach der sich auch Teile der Mannschaft gesehnt haben. Doch nach dem sportlichen Abstieg von James stellt sich die Frage: Wo findet Niko Kovac einen Platz für den neuen Feingeist?


Dass Philippe Coutinho dem FC Liverpool stolze 145 Millionen Euro bescherte, lag auch an Jürgen Klopp. Der Trainer der Reds ​trieb den 27-Jährigen zu Bestleistungen, in 89 Partien unter seiner Leitung erzielte Coutinho 37 seiner 54 Tore und steuerte 22 seiner 45 Torvorlagen aus insgesamt 201 Pflichtspielen bei.


Philippe Coutinho: Leistungsdaten beim FC Liverpool und FC Barcelona im Vergleich

​VereinSpiele​Tore​Vorlagen​
​FC Liverpool201​54​45​
​FC Barcelona76​21​11​

Doch nur anderthalb Jahre, nachdem er sich seinen Traum vom FC Barcelona erfüllen konnte, heuert Coutinho beim FC Bayern an. Ernesto Valverde fand keine passende Position für den torgefährlichen Offensivspieler, der ursprünglich als Nachfolger von Vereinsikone Andres Iniesta im zentralen Mittelfeld geplant war. Nachdem Niko Kovac in seiner ersten Saison an der Säbener Straße keine wirkliche Verwendung für James Rodriguez fand, machte sich bei einigen Teilen der Fans in den sozialen Medien die Sorge breit, dass auch der nächste namhafte Neuzugang unter dem Kroaten untergeht. Denn berechtigterweise stellt sich die Frage: Wo gibt es denn bei den Bayern einen Platz für Coutinho?


Kein reiner Flügelspieler: Allzweckwaffe Coutinho


Blind geraten wäre eine Nominierung auf dem linken Flügel vorstellbar. Die Bayern wollten in Leroy Sané einen klaren Flügelspieler verpflichten, mussten den Nationalspieler nach dessen Kreuzbandverletzung aber vorerst von der Wunschliste streichen. Nominell kann Coutinho die Flügel bekleiden, aber anders als Sané oder die bereits vorhandenen Serge Gnabry und Kingsley Coman ist er eben kein reiner Außenbahnspieler, besitzt seine Stärken stattdessen in einer zentraleren Rolle. Genauer gesagt im halblinken offensiven Mittelfeld.

Philippe Coutinho

  Philippe Coutinho steht für Torgefahr - wenn man ihn richtig einsetzt und ihm Freiheiten gewährt.


Wer das Pokalspiel gegen Energie Cottbus gesehen hat, dem wird aufgefallen sein, dass Renato Sanches und Corentin Tolisso, die am vergangenen Montagabend auf den Achter-Positionen begannen, in eine sehr offensive Rolle geschlüpft sind. Sanches zeigte sich variabel, wich für Coman immer wieder auf den linken Flügel aus, hielt sich aber auch auf einer halblinken Position an der Strafraumgrenze auf. Ähnlich machte es Tolisso, der sich stark am Strafraum orientierte.


In diesen Räumen ist Coutinho, der immer wieder den Abschluss aus der zweiten Reihe sucht, gefährlich. Als Flügelhalter, wie Thomas Müller seine Rolle in Cottbus interpretierte, ist sein Potenzial stattdessen verschwendet. Dort funktioniert er besser, wenn man ihn variabler spielen lässt.


Stellt Kovac sein System wieder um?


In dem bisherigen 4-3-3 Konstrukt würde er wohl am besten funktionieren, wenn er als Hybrid zwischen Achter und Zehner fungiert, sich dabei halblinks orientiert und mit Kingsley Coman und David Alaba kombiniert. So könnte Coman immer wieder Räume für Coutinho öffnen, der dann an der Strafraumgrenze den Abschluss sucht, die Abwehr durch das Aufziehen mehrerer Gegenspieler aufreißt oder das Spiel auf den rechten Flügel verlagert.

Niko Kovac

     Kann Niko Kovac doch mit Stars umgehen oder wird Coutinho genauso scheitern wie James Rodriguez?


Denkbar wäre auch eine erneute Systemumstellung. In einem 4-1-4-1 wären die beiden Achter noch einmal weiter vorne angesiedelt, der Weg zum gefährlichen Raum wäre daher kürzer. Auch in einem 4-2-3-1 wäre Coutinho im offensiven Mittelfeld eine gern gesehene Lösung. Denn Freiheiten besitzen die Spieler unter Kovac alle Male. Das Problem: Bislang macht die Mannschaft zu wenig daraus, ein klares Konzept ist selten zu erkennen - Coutinho könnte nun das entscheidende Element sein.


Ist die Zeit von Müller abgelaufen?


Im letzten Drittel entscheiden derzeit wieder Einzelaktionen über Freud oder Leid. Das Spiel wird auf die Flügel verlagert, Coman und Gnabry füttern das Zentrum mit Flanken. Diese wirken nicht mehr so ziellos wie in der vergangenen Saison, blieben gegen Hertha BSC aber genau so ineffizient. Wahrlich funktioniert hat dieses Konstrukt nur in der 24. Spielminute, als Robert Lewandowski frei in den Strafraum eindringen konnte und die flache Hereingabe von Gnabry im Tor von Rune Jarstein unterbrachte. 

Thomas Mueller

  Wird wohl auf die Bank weichen müssen: Thomas Müller.


Unabhängig davon, ob es sich um einen Paniktransfer handelt oder ob Coutinho sich zu einer langfristigen Lösung etabliert - die Zeit von Thomas Müller dürfte vorerst abgelaufen sein. Der 29-Jährige ist weit von seiner Bestform entfernt, wirkte in den vergangenen beiden Partien behäbig und nahm das Tempo ein ums andere Mal aus dem Spiel. Mit Coutinho erhält Kovac einen Spieler, der im letzten Drittel für spielerische Lösungen steht, kaum vom Ball zu trennen ist und viele Torbeteiligungen liefern wird - vorausgesetzt, er kann an seine alte Form anknüpfen.