​​Der FC Bayern München hat mit Philippe Coutinho endlich seinen Topstar verpflichtet. Dann kann ja jetzt wieder Ruhe an der Säbener Straße einkehren - Denkste! Der Transfersommer - nein, das Transferjahr - des ​FC Bayern, es ist und bleibt eine Farce; daran kann auch Phil Coutinho nichts ändern.


Hätten sie doch einfach nur die Klappe halten können, was wäre es für ein Transfersommer für die Bayern gewesen! Philippe Coutinho, Lucas Hernandez, Ivan Perisic, Benjamin Pavard, Mickael Cuisance, Fiete Arp - das zergeht auf der Zunge! Doch an der Isar spielten sie ihre Machtspielchen. Von 'Wenn Sie wüssten, was wir schon alles sicher haben', bis zu 'Mit Transfers unter 30 Millionen Euro beschäftige ich mich gar nicht' waren ganz, ganz viele mediale Highlights dabei.


Hasan Salihamidzic: Praktikant bis zum Schluss


In deren Zentrum mit Hasan Salihamidzic ein Sportdirektor stand, der in der öffentlichen Wahrnehmung als hilfloser Praktikant im großen Business gezeichnet wurde. Dass es ihm zu keinem Zeitpunkt gelang, diese Karikatur von sich selbst zu korrigieren, zeigt, dass die Öffentlichkeit gar nicht mal so daneben lag. Dass der Mann absolut sprunghaft auftrat - mal transparent und Gerüchte kommentierend, mal aufbrausend und die Medien für ihre Fragen scharf kritisierend - verbessert seinen Standort und seine Reputation nicht. ​In Transferverhandlungen soll Brazzo ebenfalls nicht die beste Figur abgegeben haben.


Spätestens nach der Verletzung (und dem geplatzten Wechsel) von Leroy Sane, intensivierte sich der Druck auf Salihamidzic und den FC Bayern München. Mit Mickael Cuisance und Philippe Coutinho hat man nun hübsche Namen verpflichtet; und Brazzo, der Praktikant, konnte seine Freude nicht zurückhalten und plapperte die Transfers - vor Vollzug! - an den TV-Mikrofonen beim Bundesligaauftakt am Freitagabend aus. Dass Transfers am Medizincheck oder letzten Details scheitern, ist selten, kann aber durchaus vorkommen. Transfers zu bestätigen, die noch nicht spruchreif sind, ist unprofessionell und potenziell respektlos der gegnerischen Mannschaft gegenüber (in dem Fall Borussia Mönchengladbach). 


Coutinho-Transfer: Ein Horror-Deal für die Bayern


Um fair zu sein: Seine Freude ist ja irgendwie verständlich. Immerhin konnte er, der Praktikant, der doch immer alles falsch gemacht hat, endlich mal ein gutes Resultat abliefern. Indem er all seine Blaupausen vom Tisch fegt und stattdessen zum Vorschlaghammer greift. Dass die Transfers dabei nicht so gut sind, wie sie auf dem Papier klingen, interessiert ja bestimmt keinen. Denn während Mickael Cuisance in Gladbach schon nur Reservist war und deswegen auf einen Wechsel pochte (wie soll das dann beim FC Bayern werden?!), ist der Deal für Philippe Coutinho einfach nur schlecht!


Zwanzig Millionen Euro soll die Leihgebühr für Coutinho betragen. Im kommenden Sommer müssten die Bayern weitere 120 Millionen Euro zahlen, um den Brasilianer langfristig an die Isar zu holen. Beim Gehalt dürfte sich der Deutsche Meister ordentlich vergriffen haben. Kolportierte 20 Millionen Euro soll Coutinho im Jahr verdienen - laut Sky nahm das zahlungskräftige PSG gerade deswegen Abstand von einem Coutinho-Transfer. Wie hoch das Gehalt tatsächlich ist (und wie viel davon die Bayern im Leihjahr zahlen) ist allerdings noch nicht bekannt.


Gehalt hin oder her - ob es denn 15 oder 20 Millionen Euro sind: Die Bayern zahlen alleine an Ablöse entweder 140 Millionen Euro für einen Spieler, der in den letzten anderthalb Jahren auf der Bank saß, weil er seine Leistungen nicht brachte, oder 20 Millionen Euro für ein Jahr - eben weil dieser Spieler seine Leistungen nicht bringen kann. Die Vereinsführung des Deutschen Meisters betonte immer wieder, nicht mehr als 100 Millionen Euro für einen Spieler bezahlen zu wollen und verurteilte den Transferwahnsinn in England und Spanien immer auf das Schärfste. Nach dem Coutinho-Deal muss man konstatieren: Willkommen im Irrenhaus, Bayern München.