Seit diesem Sommer spielt Frenkie de Jongbei seinem Herzensclub, dem ​FC Barcelona. Im letzten Jahr war er Teil der Überraschungs-Mannschaft von Ajax Amsterdam, und gleich der 75 Millionen Euro Ablöse wird er vor allem in Deutschland wenig beachtet. Trotz seiner Klasse wird er unterschätzt - in ihm schlummert der nächste, ganz große Star. Ein Spielerportrait.


Das, was Ajax Amsterdam in der Saison 2018/2019 geschafft hat, war für den Verein selbst ein riesiger Erfolg, doch es sorgte auch europaweit für viele Sympathien und Aufmerksamkeit. Eine so junge Truppe, die sich durch Spielfreude auszeichnete und sich vor niemandem fürchtete. Neben bekannten Namen wie Matthijs De Ligt, Donny van de Beek, Hakim Zyiech und unzähligen mehr war Frenkie de Jong ein enorm wichtiger Teil.


Aus dem kleinen Dorf in die stärkste Liga


De Jong wurde in Arkel, einem kleinen Dorf in mittleren Süden der Niederlande geboren. Die nächsten großen Städte waren Rotterdam und Utrecht. Beim ASV Arkel begann er auch das Fußballspielen und früh sollte sich zeigen, dass er ein Junge mit besonderem Potenzial ist. Sein erster größerer Klub war Willem II, wo er einige Jugendmannschaften durchlief.

Bereits im Sommer 2015 sicherte sich Ajax dann die Dienste des damals 18-Jährigen, bevor sie ihn für noch eine Saison an Willem II zurück liehen. Nur ein Jahr später, im Sommer 2016, rückte de Jong in die Profimannschaft von Amsterdam auf, wo er die größten Schritte in seiner Entwicklung machen sollte - unter Peter Bosz und Erik ten Hag. 


Frenkie de Jong: Sechser, Achter, Zehner - der Inbegriff des Allrounders


Der Mittelfeld-Allrounder zeigte schnell, wie wichtig er für das Team sein kann. Schon früh zeichnete er sich durch seine Ruhe und Gelassenheit am Ball aus, seine Bälle spielte er so abgeklärt wie 30-jährige Profis auf Top-Niveau. Dazu gilt er schlichtweg als "pressing-resistent" - was etwas verwirrend klingen mag, jedoch wahr ist: kaum ein Spieler ist so wenig anfällig gegen hohes und/oder intensives Pressing auf ihn als Ballführenden. Durch seine Übersicht und seine Flexibilität am Ball und mit der Bewegung kann er auch schwierige Pässe ohne Probleme spielen. Hat er nicht den Ball, ist sein Spiel ohne Ball ebenfalls bemerkenswert stark.

In der letzten Saison war er die Allzweckwaffe im Mittelfeld. Defensiv robust und auch zweikampfstark, wodurch er sich auch mal zwischen die Innenverteidiger fallen lassen konnte - sowohl für die Verteidigung, als auch für den Spielaufbau, der für ihn so normal und alltäglich ist, wie für andere Menschen das Zähneputzen. Andererseits kann er auch die Verbindung zwischen Mittelfeld und Sturm sein, der Spieler, der den finalen, tödlichen Pass spielt, den man vor dem Fernseher nichtmal hätte erwarten können. 


Nun wird er für Barcelona spielen. Barca ist der Verein, bei dem de Jong eigenen Aussagen nach schon immer spielen wollte. Johan Cruyff, Ajax-, Niederlande- und Barcelona-Legende hat es ihm vorgemacht. Was Frenkie de Jong aber auch als Spieler und als Person ausmacht, ist sein Charakter. Er ist eher der bodenständige, lockere und ruhigere Typ. Er posiert nicht mit den fetten Autos, sondern postet lieber Bilder aus dem Urlaub mit seiner Freundin, mit der er schon zu Zeiten von Willem II zusammen war. 

Außerdem ist er nie wirklich mit sich zufrieden, er will sich immer verbessern. Dazu äußerte er sich auch im Interview mit ESPN: "Ich habe hohe Ansprüche an mich selbst und auch an mein Team, aber ich bin nicht der Chef des Teams, also muss ich nichts dazu sagen wie wir spielen sollten [Bezug auf Ernesto Valverde]. Ich fordere sehr viel von mir und ich denke, dass man sich immer die Dinge ansehen muss, die man verbessern an, ansonsten wird man als Spieler nicht besser. Ich bin noch jung und muss mich stark verbessern."


Verspielt sein zahlt sich aus - am liebsten mit dem Ball am Fuß


Als Spieler ist er zufrieden, wenn er den Ball hat. "Was mir am meisten gefällt ist, wenn wir in Ballbesitz sind. Aber ich denke, dass alle Teile des Spiels sehr wichtig sind. Heutzutage kann man im Fußball nicht sagen, dass man selbst nur spielt, wenn man den Ball hat, und wenn der Gegner den Ball hat, dass man dann nichts macht. Mir gefällt es sehr den Ball zu haben, ihn zu verschieben, auf Ballbesitz mit dem Team zu spielen. 


Passenderweise spricht ein Zitat von Johan Cruyff am besten über seine Art Fußball zu spielen: "Fußball spielen ist sehr einfach, aber einfachen Fußball zu spielen ist das Schwerste, was es gibt." De Jong fällt nicht durch besondere Tricks auf, nicht durch spektakuläre Fallrückzieher oder durch sonstige außergewöhnliche Dinge. Er beherrscht seinen Stil aber bereits mit nur 22 Jahren so sicher und gut, dass er mit Finten ganze Reihen an Gegnern überwinden kann. Spätestens nach der kurzen Finte gegen Luka Modric, die den Kroaten zu Boden schickte, sollte das jeder wissen und ihn jeder kennen. 



Und trotzdem ist er trotz seiner großen Klasse in ganz Europa noch sehr unterschätzt, vergleichsmäßig wenig wird über ihn gesprochen und geschrieben. Noch ist er, trotz seiner enormen Klasse, einer von vielen Namen bei Barcelona. Doch hat er das Potenzial, bereits in ein bis zwei Jahren zu den besten Mittelfeldspielern weltweit zu zählen, wenn er sich weiterhin so stark und schnell entwickelt. Dass man ihn für "nur" 75 Millionen Euro bekommen konnte, wird sich bald als großes Schnäppchen herausstellen.