​Vom 30. Juli bis zum 4. August fand in Berlin zum neunten Mal das jährliche Frauen-Fußball-Kultur-Festival Discover Football statt. Ziel des Events ist es, nicht nur den ​Frauenfußball an sich zu stärken, sondern auch auf die internationalen Missstände im Bezug auf Frauenrechte hinzuweisen. Beide Themen sind in der Gesellschaft tief verwurzelt und wirken aufeinander ein.


Unbedarfte Mitmenschen könnten sich womöglich die Frage stellen, wieso die Begriffe Feminismus und Frauenfußball überhaupt in einem Atemzug genannt werden können, ja gar müssen. Wer aber um die enorme gesellschaftliche Strahlkraft der beliebtesten Teamsportart der Welt weiß, muss nicht viel Transferleistung aufbringen, um aus der schönsten Nebensache der Welt wichtige Rückschlüsse auf das tagtägliche Zusammenleben zu ziehen.


So kann der Fußball nahezu archetypisch als jenes Umfeld angesehen werden, in dem traditionell klare Gesellschaftsbilder zelebriert, schlimmer noch regelrecht propagiert wurden. So wurden lange Zeit lediglich Männer und selbst dort nur diejenigen, die entweder durch ihre Heterosexualität dem geltenden Weltbild entsprachen oder ihre Homosexualität zu verbergen wussten, bei der Ausübung des Fußballsports geduldet.

Frauen, so der patriarchalische Konsens damals, hatten in dieser verkrusteten Weltanschauung auf dem grünen Rasen nichts zu suchen. Und wenn sie sich doch aufs Feld wagten und dabei sogar durchaus Erfolge feiern konnten, wurden und werden sie teilweise immer noch als "Mannsweiber" verunglimpft, denen jegliche Weiblichkeit abgesprochen wird.


Positive Signale vor Weltmeisterschaft


In den vergangenen Jahren konnten sich insbesondere in Deutschland die fußballspielenden Damen von diesem Schubladendenken ein Stück weit freischwimmen. Auch im Vorfeld der diesjährigen Frauen-WM gingen die Spielerinnen der DFB-Elf erfrischend selbstbewusst mit der Thematik um und konnten sexistischen Tendenzen mit smarten Marketingkampagnen entschieden entgegentreten und mit authentischer Lockerheit punkten.


Dass manche Sportlerinnen und Frauen ganz allgemein im Sportumfeld häufig aber noch immer übermäßig sexualisiert werden, zeigt sich schon allein bei einem Blick auf die Beiträge vieler Medienhäuser zu eigentlich jedem Sportgroßereignis. Allzu häufig trifft man dabei immer noch auf Diashows mit Titeln wie etwa "die heißesten Sportlerinnen", "die schärfsten Spielerfrauen" oder die "attraktivsten Zuschauerinnen". Dabei müssen sich aber auch die Konsumenten an die eigene Nase fassen, sind diese Beiträge doch häufig echte Klickgaranten.


Kaffeeservice nur Spitze des Eisbergs


Bei einem Blick auf die Historie des ​Frauenfußballs in Deutschland muss man als Mensch mit der Gnade einer späten Geburt mit Erschrecken feststellen, dass Frauenfußball bis 1970 offiziell verboten war und auch nach der Aufhebung dieser unsäglichen Restriktion durch Maßnahmen wie etwa eine verringerte Spielzeit oder leichtere Bälle klar unter den Männerfußball gestellt und bewusst klein gehalten wurde.


Selbst 1989 wurden die deutschen Spielerinnen nach ihrem WM-Triumph noch mit einem Kaffeeservice abgespeist, der den Siegerinnen, um dem ganzen noch die Krone aufzusetzen, sogar lediglich mit der Post zugeschickt wurde.

Steffi Jones,Theo Zwanziger

Theo Zwanziger galt als großer Förderer des Frauenfußballs



Auch dank des ehemaligen DFB-Präsidenten Theo Zwanziger wurde der Frauenfußball in den Nullerjahren besser gefördert und konnte sich für einige Zuschauer als echte Alternative zum Männerfußball etablieren. Dabei legen Experten, wie etwa die Betreiber der Discover Football, Wert darauf zu betonen, dass es nicht darum geht, den Männer- und Frauenfußball gleichzusetzen.


Vielmehr sei es für den feministischen Ansatz elementar, herauszuarbeiten, welche Möglichkeiten dem Frauenfußball noch offen stehen, die für den professionellen Männerfußball mittlerweile utopisch erscheinen. So wünschen sich auch viele handelnde Personen im Frauenfußball, dass man sich eine gewisse Ehrlichkeit des Spiels erhalten kann und nicht auf den Kapitalismus-Zug des Männerfußballs aufspringt.


Abgrenzung und Ungerechtigkeiten


Im Vergleich zum Männerfußball fehlende Dynamik und aufgrund der kaum vorhandenen Medienpräsenz nicht derart aufgebauschte Brisanz einzelner Begegnungen, wird in der weitaus reineren Art und Weise des Fußball bei den Damen auch durch eine größere Solidarität wett gemacht. 


Auch dass Homosexualität im Frauenfußball absolut respektiert, ja zu Recht sogar komplett als das eingestuft wird, was es ist, nämlich für das Spiel beziehungsweise für die Spielerin komplett irrelevant, da nicht mit dem Fußball verknüpft sondern eine reine Privatsache, ist ein hohes Gut und sollte unbedingt bewahrt werden.


Keineswegs unerwähnt sollte dabei bleiben, dass der Frauenfußball zwar eine bewusste Abgrenzung vom Männerfußball beibehalten sollte, man dabei aber nicht den Fehler begehen darf, den Damen hierdurch zwingende Angleichungen zu verwehren. So plädieren die Spielerinnen völlig zurecht darauf, dass ihre Gehälter nach oben korrigiert werden müssen. In Sachen Professionalität müssen die Profi-Sportlerinnen den Vergleich zu ihren männlichen Kollegen schließlich nicht scheuen.


Angebot und Nachfrage


Dabei liegt auf der Hand, dass die Männer schon allein durch die schon vor Jahrzehnten eingeleiteten Entwicklungen wirtschaftlich auf einem ganz anderen Level agieren können und sich dieses Standing durch ihre erbrachten Leistungen zumindest teilweise auch verdient haben. Dass die beste Spielerin derzeit wegen dem überhaupt nicht vergleichbaren Medieninteresse und den damit einhergehenden Einnahmen ​nicht annähernd so viel verdienen kann wie etwa ein Lionel Messi, ist logisch.


Dennoch gilt es, dem Frauenfußball die Möglichkeit zu geben, sich dem Endkonsumenten, sprich dem Fußballfan, besser zu präsentieren. Hier sind insbesondere die öffentlichen Fernsehanstalten gefragt, nicht nur Highlights wie eine WM zu covern, sondern einen längeren Atem zu beweisen. Angebot und Nachfrage sind schließlich keine Einbahnstraße. Die Ansage der ARD, in Zukunft​ i​n der "Sportschau" vermehrt auch über Frauenfußball zu berichten, ist zumindest ein Teilerfolg.


Die 5 jeweils bestbezahlten Fußballerinnen und Fußballer der Welt:

DamenHerren
​1. Ada Hegerberg: 400.000 €​1. Lionel Messi: 130 Mio. €
​2. Amandine Henry: 360.000 €​2. Cristiano Ronaldo: 113 Mio. €
​3. Wendie Renard: 348.000 € ​3. Neymar: 91,5 Mio. €
​4. Cali Lloyd: 345.000 €​4. Antoine Griezmann: 44,5 Mio. €
​5. Martha: 350.000 €​5. Gareth Bale: 40,2 Mio. €

Alle Beträge setzen sich aus Gehalt, Prämien und allen sonstigen Einkünften zusammen


(Quelle: France Football, Stand April 2019) 


Die Bedeutung der Anstrengungen, die unternommen werden müssen, um den Frauenfußball weiter zu fördern, lassen sich dabei unmittelbar auf die allgemeinen Notwendigkeiten in der Gesellschaft übertragen. Auch im Jahre 2019 kann in Deutschland von einer echten Lohngleichheit und allgemeinen Chancengleichheit zwischen Mann und Frau noch längst keine Rede sein.


Versuche, etwa der FIFA, den Fußball aus politischen Diskussionen herauszuhalten, sind daher völlig fehl am Platze. Vielmehr muss sich der Fußball seiner gesellschaftspolitischen Stellung bewusst werden und aktiv gegen Diskriminierung jeglicher Art vorgehen. Statt zu spalten sollte der Fußball vielmehr alles daran setzen, zu verbinden und für eine verbesserte Diskussionskultur zu sorgen. Gelungene Events wie Discover Football sollten daher weltweit ihre Nachahmer finden.