​Mit dem Transfer von Ömer Toprak hat sich der ​SV Werder Bremen sehr überraschend verstärkt. Für die kommende Spielzeit sieht man sich deswegen bestens gerüstet, ist mit viel Erfahrung und Qualität abgesichert. Doch für die Zukunft macht ein Fakt momentan große Sorgen: das Durchschnittsalter in der Defensive beträgt mehr als 28 Jahre. Der Umbruch in der Verteidigung stockt noch gewaltig.


Fast sieben Millionen Euro wird der SV Werder Bremen innerhalb des nächsten Jahres an ​Borussia Dortmund überweisen. Im Gegenzug wird sich Werder die Dienste von Ömer Toprak sichern, der mit viel Erfahrung und großer Qualität punkten kann. Kurzfristig wird der türkische Nationalspieler optimal helfen können. Auf Dauer gibt es in der Bremer Hintermannschaft allerdings ein Problem.


Denn Toprak ist mit seinen 30 Jahren bald an einer Grenze angekommen, an der sich seine Leistungen nicht mehr steigern können. Im Bremer Kader geht es einigen Verteidigern so, denn bereits vier Spieler sind über 30 Jahre alt. Das Problem für den SVW ist dabei vor allem, dass von diesen Akteuren gleich drei die Positionen in der Startelf besetzen.

Oemer Toprak

Mit Toprak kommt ein erfahrener Verteidiger, aber eben nicht die Zukunft



An Theodor Gebre Selassie, Niklas Moisander und eben Ömer Toprak wird es nämlich kaum ein Vorbeikommen geben. Die erfahrenen Defensiv-Leute können die jüngere Konkurrenz immer wieder ausstechen und zeigen weiterhin konstante Leistungen. In wenigen Jahren werden diese Profis allerdings immer weiter abbauen und die nächste Generation muss eingegliedert werden. Genau diese ist bei den Grün-Weißen allerdings extrem unbeständig.


Der Serbe Milos Veljkovic galt lange als großes Innenverteidiger-Talent, konnte die hohen Erwartungen aber nicht bestätigen. Der 21-jährige Marco Friedl versucht alles, um immer wieder in die erste Elf zu stoßen. Doch mit der Verpflichtung von Toprak sind seine Chancen dafür wieder rasant gesunken. Dass Friedl trotz einer guten Vorbereitung die Bank droht, beeinträchtigt seine Entwicklung deutlich.

Bei einer Pressekonferenz sprach Friedl über die aktuelle Situation. Er betonte, dass er in der kommenden Saison auf Spiele kommen muss, um sich weiter zu empfehlen. „Ich will so viel wie möglich spielen in dieser Saison und mich auch offensiv noch mehr einschalten. Ich will im Spiel noch erwachsener, reifer und abgezockter werden.“ Immerhin investierte Werder ganze 3,5 Millionen Euro in Friedl, doch ohne Spielpraxis scheint sein Potential verschwendet zu sein.


Selbiges gilt für Veljkovic, der nach seiner aktuellen Verletzung kaum noch Chancen auf einen Stammplatz haben. Doch genau diese Generation sollte in Bremen nun gefördert werden, um in absehbarer Zeit einen nahtlosen Übergang zu schaffen. Da die Werderaner nicht zu den kaufkräftigsten Teams in der Bundesliga zählen, muss ein Großteil der nächsten Verteidiger aus dem eigenen Kader stammen.

Niklas Moisander

Einen ähnlichen Anführer wie Moisander gibt es im Bremer Kader nicht



Vor allem an Führungsstärke mangelt es den wenigen Youngstern in der Defensive. Den führungsstarken Moisander zu ersetzen, könnte sich deshalb als echte Mammut-Aufgabe herausstellen. Denn Spieler wie Friedl oder Veljkovic brauchen Spielerfahrung, um zu solch erfahrenen Stars zu werden, wie es Moisander oder Toprak wurden. In den nächsten Jahren darf Werder diesen Umbruch nicht verpassen.


Für die nächste Saison ist der SVW also gewappnet, doch für die weiteren Jahre stehen die Werderaner vor einer großen Herausforderung. Dabei darf nicht unterschätzt werden, welche große Bedeutung gestandene Verteidiger haben. Doch die Verantwortung liegt auch bei den jungen Profis, die die Erfahrung der älteren Defensiv-Leute nutzen, um selbst weiter zu wachsen. Schon bald muss der Umbruch also erste Früchte zeigen.