David Alaba hat es erst auf Nachfrage eines Reporters gemerkt und korrigierte sich schnell im Interview nach der Partie: Nicht das erste, sondern bereits das zweite Pflichtspiel der Saison hat der FC Bayern München hinter sich gebracht. Grund genug, einen Blick auf die Spielanlage der Bayern zu werfen und den Sieg gegen Energie Cottbus näher zu betrachten.


Nach der 0:2 Niederlage im Supercup gegen Borussia Dortmund ging es für den FC Bayern München im Stadion der Freundschaft darum, einen Sieg einzufahren und positiv in den DFB-Pokal einzusteigen. Niko Kovac formierte seine Mannschaft erneut im präferierten 4-3-3, setzte auf eine Innenverteidigung aus Pavard und Süle sowie eine Flügelzange mit Coman und Müller. Thiago spielte im zentralen Mittelfeld, flankiert von den offensiv ausgerichteten Tolisso und Sanches. Das extrem junge Cottbuser Team stand erwartungsgemäß sehr tief und versuchte über eine stabile Defensivleistung und Umschaltmomente das Spiel so lange wie möglich offen zu halten. Trainer Claus-Dieter Wollitz trieb sein Team von der Seitenlinie sehr emotional und lautstark an und schnell entwickelte sich ein stimmungsvolles Pokalspiel.


Bayern schaukelt Cottbus hin und her


München hatte einen starken Flügelfokus und baute die Angriffe vermehrt über die Außenbahnen auf. Durch schnelle und genaue (diagonale) Spielverlagerungen wurde Cottbus immer wieder zum Verschieben gebracht, so lange bis auf den Flügeln zumeist Coman über links oder Müller über rechts frei standen. Bayern suchte dann entweder den Weg durch Hereingaben vor das Tor oder hinter die Abwehr, häufig waren jedoch auch Kombinationen über die Halbräume mit den aufgerückten Achtern Sanches (bzw. später Goretzka) oder Tolisso zu beobachten. 


Cottbus stand somit vor der schwierigen Aufgabe, die Außenbahnen zu decken und im Idealfall zu doppeln, dabei aber nie das Zentrum aus den Augen zu verlieren und dort parallel für die dringend benötigte Kompaktheit und Verdichtung zu sorgen.

Gerade Coman und Alaba, der sich wie Kimmich häufig zum Überlaufen in die Offensive einschaltete, kreierten viel Torgefahr und kennzeichneten stets Gefahrenherde für Cottbus.


FBL-GER-CUP-COTTBUS-BAYERN MUNICH

Coman zeigte eine starke Leistung auf dem Flügel


Flügelspieler werden dringend benötigt


Durch die guten Freispielmomente auf den Flügeln ergeben sich viele Gelegenheiten für die Bayern. Daher ist es sehr wichtig, dass die Bayern auf den Positionen qualitativ hochwertig (gute Ballkontrolle, Schnelligkeit, Fähigkeiten im Eins-gegen-Eins) und zahlenmäßig ausreichend besetzt sind. Müller fühlte sich auf der Position nicht besonders wohl, der eingewechselte Gnabry zeigte später, dass er die 1a-Besetzung für diese Position ist. Eine extrem offensive, aber charmante Variante wäre es vielleicht, Müller auf die Acht zu ziehen und dort mit seinem Zug zum Tor und seiner oft unkonventionellen Art für Furore zu sorgen. Der andere Achter in diesem System müsste dann jedoch deutlich defensiver spielen, sodass sich eine Art asymmetrisches 4-2-3-1 ergeben würde.


Im Ergebnis zeigt sich, dass die aktuelle Taktik der Bayern im 4-3-3 der richtige Weg ist, um insbesondere gegen tief stehende Gegner erfolgreich zu sein. Fraglich ist jedoch, ob das System auch genug Defensivstärke besitzt, um gegen spielerisch stärkere Gegner zu bestehen. Kovac folgt jedoch seiner eigenen Spielidee und ist weiterhin gut beraten, diesem Weg konsequent zu folgen.