Mit hausgemachter Euphorie startete der ​VfB Stuttgart unlängst in die Mission Wiederaufstieg. Unter neuer Führungsriege sollte alles besser werden. So gewann man jüngst im DFB-Pokal zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte gegen den Drittligisten Hansa Rostock. Bei den aktuellen sportlichen Leistungen der Schwaben würde es den Akteuren trotzdem guttun, wenn sie von einem sofortigen Wiederaufstieg verschont blieben.


Knapp 19 Minuten hatte es gedauert, bis die Schwaben den Kopfballtreffer ihres neuen Stürmers Hamadi Al Ghaddioui feiern konnten. An diesem sonnigen Abend im Rostocker Ostseestadion sollte es für beide Teams der einzige Grund sein um zu jubeln. Wobei: Zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte gewannen die Stuttgarter gegen die Hansa aus Rostock. Im vergangenen Jahr war man mit insgeheimen Europa-Ambitionen noch sang-und klanglos aus dem Ostseestadion gefegt worden. Am gestrigen Montag folgte vor mehr als 25.000 Zuschauern nun also die Revanche.


Gezwungene Rotation auf der Torhüterposition

Das Spiel lief dabei aber in einer eher tristen Art und Weise ab. Begonnen damit, dass der neu auserkorene Stammtorhüter Gregor Kobel verletzt fehlte. Ihn ersetzte der zweite Neuzugang auf der Torhüterposition, Fabian Bredlow. Dieser wechselte zwei Jahre zuvor aus Halle nach Nürnberg. Aus seiner Zeit an der Saale kannte er die Hanseaten bereits, denn vor seinem Aufstieg zum zwischenzeitlichen Erstligatorwart gehörten diese zur Ligakonkurrenz. Seine Sache machte er in seinem Pflichtspieldebüt für die Canstatter ordentlich. Seine fehlende Spielpraxis machte sich zwar an der einen oder anderen Stelle bemerkbar. Mit seiner Identifikation und Leidenschaft machte er aber auch diese wett.

Fabian Bredlow

Debütierte in ordentlicher Manier: Neuzugang Fabian Bredlow.



Anders wirkten die Routiniers um Daniel Didavi und Gonzalo Castro. ​Nachdem man Mittelfeldmotor Orel Mangala nach nur zwölf Minuten verletzt auswechseln musste, rückte Didavi auf seine Position. Doch sowohl bei ihm als auch bei Gonzalo Castro war trotz einiger Ballkontakte keinerlei Präzision im Abspiel zu erkennen. Fehlpässe über Fehlpässe häuften sich bei den beiden Mittelfeldakteuren, wodurch der Zug zum gegnerischen Tor oftmals schon im Anfahren gebremst wurde.


Doch selbst wenn der Ball mal vor das Tor der Hansa rutschte, wurde es nicht wirklich brenzlig. Offensivaktionen vom Mittelfeldkollegen Santiago Ascacibar und auch der Fallrückzieher von Stoßstürmer Mario Gomez wirkten derweil eher verzweifelt als hilfreich. Letzterer konnte durch seine Präsenz zwar den einen oder anderen Ball festmachen, ein gefährliches Abspiel zum Mitspieler blieb aber dennoch aus.


Fahrige Klärungsversuche der Stuttgarter Abwehr

Auf der anderen Seite wirkte man aber eher etwas orientierungslos. Ohne große Entschlossenheit versuchten die Schwaben die dynamischen Angriffe der Rostocker zu blocken. Nachdem Routinier Holger Badstuber ebenfalls verletzt ausgewechselt wurde, musste man sich auf die verbleibenden Defensivspezialisten verlassen, vor allem da der knappe Vorsprung hätte jederzeit egalisiert werden können. Profitiert hat man dabei aber neben dem Rostocker Unvermögen im Abschluss entweder vom Stellungsspiel des Debütanten Nathaniel Philipps, dem galligen Zweikampfverhalten von Borna Sosa oder Marc Oliver Kempf oder von Paraden von Fabian Bredlow.

Tim Walter

Die Stuttgarter sind im neuen Spielsystem auf ihre mannschaftliche Geschlossenheit angewiesen.



Schlüssig wirkte das Gesamtkonstrukt aber noch nicht. Veränderungen sind zu spüren und auch Tim Walters Ansatz rotierender Spielerpositionen mag in Zukunft noch fruchten. Derzeit ist davon aber eher die Verwirrung der Stuttgarter Spieler selbst zu spüren, als der erwartet freche Offensivdrang. 


Sicherlich: die Saison ist noch jung, die wichtigsten Spiele stehen noch bevor. Der Elf von Tim Walter würde es aber dennoch gut zu Gesicht stehen, ihre mannschaftliche Geschlossenheit schleunigst auf den Platz zu bringen. Denn legt man die fußballerischen Fähigkeiten beiseite, ist genau diese das Ticket zurück in die Bundesliga.