Das letzte Jahr war für Amine Harit alles andere als einfach. Ein schwerer Autounfall, negative Schlagzeilen, Formkrise im Verein. Daraus hat er gelernt, sagt er, und will ab sofort nur noch positives über sich lesen. Er sagt: "Ich sehe meine Zukunft auf ​Schalke".


Während der Saisonvorbereitung war ​Amine Harit quasi der Gewinner der ersten Wochen unter dem neuen Trainer David Wagner. Nicht nur im Training zog er stets voll motiviert mit, auch in den Spielen wirkt er wie ausgewechselt - positiv, motiviert und mit Lust auf Fußball.


Im ersten Teil des Interviews mit Bild spricht der 22-Jährige über sein letztes Jahr, was er daraus gelernt hat, und woran er nun arbeiten wird. 


"Ich habe im letzten Jahr viele Fehler gemacht"


Harit hatte über die letzte Saison den Stempel eines jungen "Problem-Profis" auf sich, nachdem er zuvor durch Casino-Besuche und nicht absolvierte Sprachkurse aufgefallen war. "Ich bereue viele Dinge", gab er zu. "Ich bin ein junger Spieler. Manchmal denkt man nicht über die Folgen nach, wenn man etwas Dummes macht. Wenn es auf dem Platz läuft, werden solche Dinge nicht so sehr beachtet. Wenn nicht, ist natürlich das Gegenteil der Fall." Weiter: "Ich habe im letzten Jahr viele Fehler gemacht. [...] Aber ich mache lieber mal einen Fehler und lerne dann daraus."


Er habe sich selbst geschworen, solche Fehler nicht zu wiederholen: "Das ist schlecht für mich und meine Familie." Der schwere Autounfall habe ihn sehr mitgenommen, gab er zu. "Es war schwer", gestand er ein. "Das war der schlimmste Moment in meinem Leben. Mir tut es leid für meine Familie, aber vor allem für die Hinterbliebenden des Opfers. Auch wenn ich das alles am liebsten vergessen will, denke ich jeden Tag daran. Das wird für den Rest meines Lebens in meinem Kopf sein."


Steven Skrzybski,Amine Harit

In der Vorbereitung gab es vor allem für Harit viel zu jubeln und zu lachen



Geholfen, die Geschehnisse zu verarbeiten, hat ihm seine Familie. Der Verein habe während der Zeit nichts Falsches gemacht, wie er betonte: "Aber der Klub konnte nichts für meine Situation, weil ich selbst daran schuld war."


Auch im Winter keine Wechselgedanken: "Ich sehe meine Zukunft auf Schalke"


Während der Winterpause stand zwischenzeitlich sogar ein potenzieller S04-Abschied im Raum, doch er suchte den erneuten Anschluss. Dass man sich Gedanken über die Situation macht, "wenn alles sehr schwierig ist und man sich ein bisschen verloren fühlt", sei ja nur menschlich. Doch er betonte eindeutig, "Ich sehe meine Zukunft auf Schalke", und gab an, dass er sich auf Schalke wohlfühlt. An einen tatsächlichen Abschied habe er nicht gedacht, auch wenn das zweite Jahr sehr schwierig für ihn war. 


Unter Wagner greift er nun wieder voll an und bekommt vom Coach viel Lob. Harit erfülle momentan alle Kriterien, sagte Wagner letztens. Durch die starke Vorbereitung wird es sehr schwer sein, an ihm vorbeizukommen. Auch im Pokal gegen den SV Drochtersen/Assel zeigte er erneut seine Spielfreude, während er immer wieder für Kreativität und Tempo sorgte. 


Dass er sich ändern will, wie er sagte, sieht man. "Ich gebe aber jeden Tag alles, um der beste Spieler und der beste Profi sein zu können." Viel verändert habe die Geburt seiner Tochter: "Ihre Geburt war der schönste Moment in meinem Leben. Ich hatte nicht erwartet, dass ich so jung Vater werde. Aber das war das Beste, was mir jetzt passieren konnte. Ich brauche das jetzt um mich wohl zu fühlen."