​Es gibt Vereine, die ticken irgendwie anders. Der Hamburger SV ist so einer. Dessen Stadtrivale FC St. Pauli sicherlich auch. Und auch beim ​FC Schalke 04 laufen die Uhren anders als bei den meisten anderen Klubs. 


Euphorie - aber warum eigentlich?


Wie sonst sollte man es interpretieren, wenn sich nach einer bislang unspektakulären Sommervorbereitung und dem ersten erfolgreich absolvierten Pflichtspiel der Saison (wohlgemerkt im Pokal und bei einem Viertligisten) schon wieder so etwas wie Euphorie im Verein breit macht? 


Ja, richtig gelesen: Euphorie! Weshalb genau, lässt sich wohl auch bei eingehender Untersuchung der königsblauen Seele nicht abschließend bestimmen. Vielleicht ist es ja nur die allgemein um sich greifende Vorfreude auf die kommende Spielzeit. So gesehen, warten 18 Klubs "euphorisch" darauf, dass es endlich losgeht. 


Bei Schalke 04 gab es in der vergangenen Saison ein mittleres Beben. Der von vielen (nicht nur in Gelsenkirchen) als neuer Trainer-Guru gepriesene Domenico Tedesco - schon im Winter gefeuert. In der Vorsaison war Tedesco noch Zweiter geworden.

 

Die Serie zu Ende brachte der zum zweiten Mal reaktivierte Knurrer aus Kerkrade, Huub Stevens. Vielleicht ist es gerade diese Konstellation des permanent ausgerufenen Neustarts. Man kennt es ja von anderen Klubs wie dem HSV. Alles hinter sich zu lassen, was in der jüngsten, weniger schönen Vergangenheit war - daraus an sich schöpfen Verein und Fans offenbar schon die nötige Kraft, um Euphorie auszustrahlen. 


Eine zwar schöne Erscheinung, aber deshalb auch so gefährlich: denn so schnell (weil irrational) sie auftaucht, so jäh kann sie sich auch wieder hinter Fan-Frust und dem Verpassen der gesteckten Ziele verflüchtigen. Und nicht nur dies: sie kann umschlagen in lähmenden Fatalismus. Wird ja eh nichts mehr, mit diesem Klub...


Schneider bremst die Gefühle - und fordert die Basics!


Das weiß natürlich auch Schalkes Sportdirektor ​Jochen Schneider. Im Interview mit dem kicker warnte der ehemalige Leipziger vor dieser Aufwallung der Gefühle: "Es sind viele wichtige Posten neu besetzt. Das ist anders. Aber die vergangene Saison steckt natürlich noch in den Köpfen der Fans. Deshalb können wir aktuell im Hinblick auf die neue Saison nicht von Euphorie sprechen." 


Das soll er mal den Fans erklären. Die wähnen sich nämlich mit Neu-Trainer David Wagner nun auf der Sieger-Straße. Wagner ist immerhin intimer Buddy vom Über-Trainer Jürgen Klopp. Dessen erfolgreiche Arbeit mussten die Königsblauen über Jahre hinweg in unmittelbarer Nachbarschaft ertragen. Jetzt hat Schalke also seinen Klopp 2.0 und wähnt sich womöglich schon wieder in der Elite Europas. Doch da bremst Schneider, naturgegeben. Auf irgendwelche konkreten Saison-Ziele ließ er sich nicht festlegen. 


"Unser Ziel ist es, vernünftig zu arbeiten, vernünftig Fußball zu spielen. Da wäre es fehl am Platz, dies an irgendwelchen Tabellenplätzen oder Punkten festzumachen. Wir müssen zurück zu den Basics und sind diesbezüglich ganz klar in der Bringschuld", sagte Schneider im Gespräch mit dem Fachblatt. Wenn das gelingt, ist der nächste Schritt in Gelsenkirchen auch nicht weit. Dann nämlich schlägt die anfängliche Euphorie in schlichte Begeisterung um. Selbst wenn nur die ersten fünf Saisonspiele gewonnen werden. Eben kein Klub wie jeder andere.