Der DFB-Pokal. ​Ja, der hat bekanntlich seine ganz eigenen Gesetze. Zum Beispiel das der Unwiederbringlichkeit. Wer am Pokaltag seine Leistung nicht abruft - ist raus! Und zwar für den gesamten restlichen Wettbewerb. Auch in diesem Jahr lebte die erste Runde des nationalen Cup-Wettbewerbs von den Überraschungen. 


Herthas neuer Trainer Ante Covic hatte es vor ein paar Tagen benannt: das Spiel, das alljährlich Millionen von Fußballfans in seinen Bann zieht. DFB-Pokal heißt es schnöde für die einen. Wettbewerb der Überraschungen (und Sensationen) nennen ihn die anderen. Covic fand innerhalb eines Vergleiches mit einer bekannten Talentspäher-Show im Kommerz-TV noch einen neuen Titel: "Deutschland sucht... - den Doofen!" 


Denn als solcher wird bislang noch jeder Bundes-oder Zweitligist betitelt, der gegen den vermeintlichen Underdog die Segel streichen muss. Ungeachtet der Tatsache, dass auch im Bereich der Dritten Liga (und darunter) schon richtig guter Fußball gespielt wird. 

Doch mit den vermeintlich ungleich verteilten Kräften ist das so eine Sache. Denn die unterklassigen Gegner, die in der ersten Hauptrunde des Pokals auf die Großkopferten der Branche warten, haben im Gegensatz zu ihren Rivalen schon ein paar Liga-Spiele auf dem Buckel, sind also schon mehr im Rhythmus. 


Hertha erfüllt Aufgabe - Augsburg und Mainz fallen durch


Dazu kommt, dass in einem jeden Drittliga-Kader mittlerweile eine ganze Reihe von Spielern stehen, die bereits in höheren Ligen Erfahrungen sammeln konnten bzw. dort jahrelang gespielt haben. Die augenscheinlich unüberwindbare Distanz zwischen Bundesliga und dritthöchster Spielklasse (oder darunter) relativiert sich somit beträchtlich. Das Ergebnis ist (fast) jedes Jahr dasselbe. 


Covic' Hertha übrigens entledigte sich, gar nicht doof, ihrer Pflichtaufgabe mit einem humorlosen und über neunzig Minuten seriös vorgetragenen Aufttritt beim Regionalligisten Eichstätt (1:5). 

Vor dem letzten der vier Spieltage, über die sich die erste Pokal-Runde mittlerweile erstreckt, ist der Doofe dennoch schon gefunden. Es sind sogar deren zwei: Der ​FC Augsburg und der ​FSV Mainz 05. Der Regionalligist  SC Verl und der 1.FC Kaiserslautern (Dritte Liga) waren jeweils zu stark für die beiden Bundesligisten. 

Martin Schmidt: "Trotzdem reingefallen"

Doofheit? Lässt sich zumindest aus dem knappen Fazit von FCA-Trainer Martin Schmidt herausfiltern: "Wir haben alles angesprochen und sind trotzdem reingefallen." Weil man eben auch Grundtugenden wie Einsatzbereitschaft und Kampfeswillen vermissen ließ. Und wenn man ohne diese Basics heutzutage meint, mal eben ein Pokalspiel bestreiten zu können, ist das tatsächlich nur doof. 


Diesen Schuh müssen sich auch Sandro Schwarz und seine Männer anziehen. Zwar war ihr Spiel auf einem endlich mal wieder vollen Betzenberg anders gelagert, hätte bei günstigerem Verlauf und anderer Auslegung der Regeln auch in ihre Richtung laufen können, doch am Ende steht wie für die Fuggerstädter die Erkenntnis, einer von bislang zwei Vereinen des Oberhauses zu sein, der die alljährlich wiederkommende Preisfrage "Wie schlage ich einen unterklassigen Gegner im Pokal?" nicht zufriedenstellend beantworten konnte. 

Sandro Schwarz

Konnte mit seiner Truppe gestern nicht zufrieden sein: 05-Trainer Sandro Schwarz



Viermal wird die Frage heute noch gestellt werden: nämlich bei den Spielen Hallescher FC - VfL Wolfsburg, Karlsruher SC - Hannover 96, Hansa Rostock - VfB Stuttgart (alle um 18.30 Uhr) und Energie Cottbus - Bayern München (20.45 Uhr). In Cottbus und Halle ist eher nicht von einer Sensation (denn dies wäre ein Ausscheiden der Wölfe und der Bayern ohne jeden Zweifel) auszugehen. Die Spiele in Karlsruhe und Rostock jedoch riechen schon jetzt nach Überraschung. Oder nach Doofheit.