So unterschiedlich die Fußball-Geschmäcker auch sind, in einer Sache vereinen sie sich: Die Champions League ist das bedeutendste Turnier, das man im europäischen Vereinsfußball gewinnen kann. Der Henkelpott ist quasi ein Schutzschild gegen alle Kritiker. Außer man heißt Jürgen Klopp, dann ist man selbst nach dem Königsklassen-Sieg mit Liverpool nicht frei von Misstrauen.


Eigentlich hatten es die Fans an der Merseyside schon abgeschrieben: Wenn der FC Barcelona die Champions League drei Jahre lang nicht gewinnt und dann das Halbfinalhinspiel mit 3:0 dominiert, kann diesen Vorsprung keine Mannschaft der Welt mehr aufholen. 


Aber dann kam das Rückspiel, dann kam der ​FC Liverpool, mit seiner aktuellen Mannschaft. In atemberaubender Manier fertigten sie zunächst Messi und Konsorten mit 4:0 ab, ehe auch Überraschungsfinalist Tottenham Hotspur später das Nachsehen hatte.


Bemerkenswerte Entwicklung der Reds

Die Moral der Reds war dabei bis auf die Ränge zu spüren, auf denen die Fußballfans den Liverpool-Hype zelebrierten. Hinter den Feierlichkeiten verbarg sich aber genau ein Name: Jürgen Klopp. Als er die Mannschaft 2015 von Brendan Rodgers übernahm, stand diese auf Rang zehn in der Premier League. Vier Jahre und rund 443 investierte Millionen Euro später, baute er eine Mannschaft auf, die über Europa triumphierte.

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Der FC Liverpool gewann die Champions League in diesem Jahr in beeindruckender Gangart.



Obwohl sie erst kurz zuvor den englischen Meisterschaftskampf knapp verloren hatte und im Jahr davor im Champions-League-Finale gescheitert war. Aber Klopp ließ nicht locker. Die Außenverteidiger um Andrew Robertson und Trent Alexander-Arnold formte er zur Marke Weltklasse. Spieler wie Joel Matip und Xherdan Shaqiri erleben ihren zweiten Karriere-Frühling. Und Klopp selbst ist zufrieden mit seinen Jungs, wie er sie liebevoll nennt. Für die kommende Saison hat er demnach bislang auch keine namhaften Neuzugänge vermeldet. Dafür erntet er aber zunehmend Kritik.


Laut des Mirror soll Klopp in der kommenden Spielzeit auf Anweisung der Vereinsbosse das Double aus Meisterschaft und Champions League gewinnen. Wohlwissend, dass die letzte Meisterschaft der Reds 29 Jahre in der Vergangenheit liegt. Zudem sind die anderen Mannschaften der Premier League nicht zu unterschätzen. Mit ​Manchester United, dem ​FC Arsenal und Tottenham haben sich gleich mehrere Traditionsvereine hochkarätig verstärkt. Auch Manchester City wird weiterhin ein Titelkandidat sein. In den Fanlagern der Anfield Road ist man derweil allerdings skeptisch, ob Titel ohne namhafte Neuzugänge möglich sind.


Braucht man namhafte Transfers für den Erfolg?

In Sachen Transfers sollte man dahingehend aber das Hauptaugenmerk auf Teams wie zum Beispiel ​Real Madrid legen. Zu Zeiten von Zidane und Cristiano Ronaldo haben die Königlichen im Jahre 2016, außer Alvaro Morata per Rückkaufoption, ebenfalls keinen externen Neuzugang vorgestellt. Später gewann man aber die Champions League - zum zweiten Mal in Folge. Als erstes Team überhaupt.

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Gewannen die Königsklasse ohne hochkarätige Transfers: Cristiano Ronaldo und Zinedine Zidane.



Jüngst hat auch Tottenham Hotspur bewiesen, dass man auch mit einer vollen Transferkasse weit kommen kann. Die Spurs haben vor der vergangenen Saison ebenfalls keinen einzigen Spieler transferiert. Später schaffte man es ins Finale der Königsklasse, was gleichzeitig auch der größte Erfolg der Vereinsgeschichte war.


Wie sehr brauchen die Reds Verstärkungen?

Zudem darf bei Neuzugängen nicht außer Acht gelassen werden, dass ein Transfer nur Sinn macht, wenn er das Team auch verstärkt. Warum sollte Klopp also Millionensummen ausgeben, um neue Spieler vorzustellen, die er gar nicht braucht? Es scheint, als würde das "Gesamtgefüge Anfield Road" derzeit passen. Die Weichen für eine weitere Erfolgsgeschichte hat Jürgen Klopp bereits gelegt: Zum einen vertrauen sich die Spieler und die Trainer gegenseitig. Zum anderen aber sind beide Parteien dazu bereit, für Titel zu kämpfen und dabei das Wohl der Mannschaft über die eigenen Interessen zu stellen.


Genauso wie Kloppo seinen Spielern vertraut, womit er übrigens das Maximum aus ihnen herauskitzelt, genauso muss man auch ihm vertrauen, wenn man Titel sehen will. Natürlich wird nach diesen abgerechnet. Denkt man aber zurück, wohin er die Mannschaft bereits geführt hat, so sollte die kommende Spielzeit weniger von Misstrauen, als von Vorfreude bestimmt sein. Mit oder ohne Transfers.