​Christian Gentner ist mit seinem Herzensverein ​VfB Stuttgart in der vergangenen Saison zwar abgestiegen, dank seines ​Wechsel zum siegreichen Relegationsgegner Union Berlin spielt der Mittelfeldspieler aber weiter erstklassig. In einem Gespräch mit der SZ erläuterte der Routinier nun die Umstände des Transfers und kritisierte dabei die Herangehensweise der VfB-Verantwortlichen.


Nach dem zweiten Abstieg in nur drei Jahren machten die Kaderplaner der Stuttgarter rund um Sportvorstand Thomas Hitzlsperger und Sportdirektor Sven Mislintat in diesem Sommer​ tabula rasa und scheuten dabei auch nicht vor unbequemen Entscheidungen zurück. So entschied sich das Duo gegen eine weitere Zusammenarbeit mit Gentner, dessen Vertrag ausgelaufen war. Statt erneut die Mission sofortiger Wiederaufstieg in Angriff zu nehmen, stand der 33-Jährige plötzlich ohne Verein da.

Christian Gentner

Christian Gentner zog es vom Ländle in die Hauptstadt



Lange musste der gebürtige Nürtinger aber nicht warten, bis ein lukratives Angebot ins Haus flatterte. Dass am Ende ausgerechnet ​Union Berlin und damit der Gegner aus den Relegationsspielen den Zuschlag bekam, ist wohl eine dieser Geschichte, wie sie nur der Fußball schreiben kann. Wie Gentner gegenüber der Süddeutschen Zeitung erklärte, setzen die Bundesliganeulinge auf die große Erfahrung des zentralen Mittelfeldspielers, der seinen jungen Kollegen mit Rat und Tat zur Seite stehen soll.


Trennung auf enttäuschende Art


Da Gentner bereits im fortgeschrittenen Alter ist, kam die Tatsache, dass die Stuttgarter ihm keinen neuen Arbeitsvertrag vorlegen wollten, keineswegs überraschend. "Dass die Verantwortlichen nicht mehr mit einem fast 34-Jährigen planen, dessen Vertrag ausläuft, das kann man aus meiner Sicht nachvollziehen", so die VfB-Legende.


Wenig Verständnis zeigte Gentner hingegen für den späten Entschluss der Kaderplaner, schließlich habe er persönlich bereits im März gespürt, dass es wohl auf eine Trennung hinauslaufen werde. "Ich hätte mir schon gewünscht, dass sie mir das früher offen sagen​", so der enttäuschte Mittelfeldmotor, der so oder so bis zu letzten Sekunde für den VfB Vollgas gegeben hätte.


Gentners Leistungsdaten für den VfB

​SpieleTore​Vorlagen​
​1. BL​280​33​32
​2. BL​34​6​4
​DFB-Pokal​26​4​4
​Europa League19​5​3

Dass ihm dann erst eine Woche nach dem Abstieg die Trennung offenbart wurde, bezeichnete Genter als "wirklich schlecht" und versicherte, dass die Verantwortlichen des Traditionsvereins dies auch bereits vor dem Gespräch mit der Presse wussten. Durch die späte Faktenlage habe man ihm auch andere Optionen ein Stück weit verbaut: "Es gab auch die Möglichkeit, nach Australien oder in die USA zu wechseln, aber weil ich in Stuttgart so spät Klarheit hatte, war die Vorlaufzeit zu kurz. Mit Familie hätte so ein Abenteuer besser vorbereitet werden müssen."


Gentner nicht nachtragend


Obwohl sich Gentner nun voll und ganz auf seine neue Aufgabe in der Bundeshauptstadt konzentrieren möchte, ​spielt der VfB in seiner langfristigen Planung weiterhin eine Rolle. Eine Rückkehr nach seiner aktiven Karriere wollte er daher trotz der Querelen mit der Führungsriege keineswegs ausschließen, schließlich sei er "kein nachtragender Mensch".


Da Abmachungen mit den früheren VfB-Bossen Michael Reschke und Wolfgang Dietrich nach deren Abgängen vom VfB null und nichtig sind, will der Mittelfeldspieler aber in Zukunft nicht mehr so leichtgläubig sein und sich nicht auf Lippenbekenntnisse verlassen. "Ich hätte das schriftlich fixieren lassen sollen. Das ist die Lehre, die ich daraus gezogen habe. Für mündliche Zusagen ist die Fluktuation einfach zu hoch."