Anders als in den restlichen europäischen Top-Ligen hat der Transferwahn in England bereits vor wenigen Tagen aufgehört. Vor dem ersten Spieltag muss die Kaderplanung abgeschlossen sein, Neuzugänge dürfen nicht mehr verpflichtet werden. Daher wird es Zeit, einen Blick darauf zu werfen, welche Klubs aus der Premier League als Gewinner aus der frisch abgelaufenen Transferperiode gehen - oder als Verlierer.


Gewinner: Tottenham Hotspur

Harry Kane

Wie schon in den Vorjahren ist es Tottenham Hotspur gelungen, die Mannschaft zusammenzuhalten. Der einzig namhafte Abgang ist Rechtsverteidiger Kieran Trippier, der für 22 Millionen Euro zu Atlético Madrid gewechselt ist. 

​Das Offensiv-Trio Harry Kane, Heung-Min Son und Christian Eriksen, dessen Vertrag im kommenden Sommer ausläuft, ist geblieben, ein Wechsel von Eriksen zu Real Madrid ist scheinbar aber nicht gänzlich vom Tisch. Verstärkt haben sich die Spurs mit Rekord-Transfer Tanguy Ndombélé (kam für 60 Mio. Euro von Olympique Lyon), dem englischen U21-Talent Ryan Sessegnon, Giovani Lo Celso und dem 18-jährigen Jack Clarke.


Auch wenn die Offensive noch immer unersetzlich ist, haben die Spurs die dringend benötigten Verstärkungen für die Breite gefunden. Der Kader misst 25 Spieler, gerade im Mittelfeld bieten sich für Mauricio Pochettino nun genügend Möglichkeiten, um zu rotieren oder auf Verletzungen zu reagieren.


Gewinner: Wolverhampton Wanderers

Diogo Jota

Bei den Wolverhampton Wanderers, in der abgelaufenen Saison überraschender Siebter, weht ein portugiesischer Wind. Neben Trainer Nuno Espírito Santo befinden sich gleich acht Spieler aus dem Nachbarland Spaniens innerhalb des Kaders. Grund dafür sind die Beziehungen des chinesischen Investoren-Konglomerats Fosun zu Star-Berater Jorge Mendes.


In diesem Sommer haben die Wolves Raul Jimenez nach einem Leihjahr für 38 Millionen Euro fest verpflichtet, zudem sicherte sich der Klub die Dienste von Pedro Neto, Patrick Cutrone, Leander Dendoncker, Bruno Jordao und Flavio Cristovao. Namhafte Abgänge gibt es nicht zu verzeichnen, ein Großteil davon wurde lediglich verliehen.


Gewinner: FC Everton

Marco Silva

Obwohl Crystal Palace Wilfried Zaha nicht zum FC Everton ziehen lassen wollte, erlebten die Toffees einen erfolgreichen Sommer. Mit Alex Iwobi und dem 19 Jahre jungen Moise Kean von Juventus Turin verstärkte sich der Klub aus Liverpool besonders in der Offensive, mit Jean-Philippe Gbamin, Fabian Delph und André Gomes wurde zudem das zentrale Mittelfeld aufgefrischt, nachdem Idrissa Gueye für 30 Millionen Euro zu Paris St. Germain wechselte.

​16 Spieler haben den Klub verlassen, der Kader wurde innerhalb weniger Wochen umgekrempelt. Auch wenn mit Ademola Lookman und Nikola Vlasic zwei Spieler mit viel Potenzial abgegeben wurden, haben sich die Toffees sehr gut verstärkt und zählen daher zu den klaren Gewinnern.


Gewinner: FC Arsenal

David Luiz,Lucas Torreira,Gabriel Martinelli,Nicolas Pepe

Beim FC ​Arsenal musste man geduldig auf Neuzugänge warten, doch zum Ende des Transferfensters schlugen die Gunners teuer zu. Nach der Leihe von Dani Ceballos stieg Nicolas Pépé mit einer Ablösesumme von 80 Millionen Euro zum neuen Rekord-Transfer auf, zudem wurden kurz vor Transferschluss die Verpflichtungen von Kieran Tierney und David Luiz bekanntgegeben.


Während William Saliba direkt wieder an AS Saint-Etienne verliehen wurde, sind Aaron Ramsey und Alex Iwobi die beiden namhaftesten Abgänge neben Laurent Koscielny. Doch Unai Emery besitzt genügend Möglichkeiten und findet einen Kader vor, der sich keineswegs verschlechtert hat.


Gewinner: Aston Villa

Jack Grealish,Davinson Sanchez

Nach drei Jahren in der Championship feierte Aston Villa im Mai die Rückkehr in die Premier League. Der Klub aus Birmingham trennte sich zwar von 15 Spielern, erhielt allerdings keinen einzigen Cent. Dem entgegen stehen Ausgaben in Höhe von sage und schreibe 148,6 Millionen Euro.

​Teuerster Neuzugang ist Torjäger Wesley, der für 25 Millionen Euro vom FC Brügge verpflichtet wurde. Zusätzlich wurde die Mannschaft von Dean Smith mit Tyrone Mings vom AFC Bournemouth, Douglas Luiz - zuletzt von Manchester City an den FC Girona verliehen - oder Matt Target verstärkt.


Villa setzt überwiegend auf junge Spieler mit viel Potenzial, benötigt aber noch einige Zeit, wie das 1:3 bei Tottenham Hotspur zeigte.


Verlierer: Manchester United

Ole Gunnar Solskjaer

​Manchester United zählt zu den Verlierern der Transferperiode. Der Umbruch fiel letztlich nicht allzu groß aus, mit Daniel James, Aaron Wan-Bissaka und Harry Maguire sicherten sich die Red Devils für teure 159 Millionen Euro gerade einmal drei Neuzugänge.

​Neben dem ablösefreien Transfer von Ander Herrera zu Paris Saint-Germain war auch der Verkauf von Romelu Lukaku zu Inter Mailand fraglich. Ole Gunnar Solskjaer setzt in der Offensive zwar auf Anthony Martial, Marcus Rashford, Jesse Lingard sowie Neuzugang Daniel James und Mason Greenwood, aber ein Lukaku in Top-Form ist immer für einen Treffer gut. Noch schwerer wiegt allerdings die Tatsache, dass kein Ersatz verpflichtet wurde.  


Verlierer: FC Chelsea

Christian Pulisic

Aufgrund der Transfersperre zählt der ​FC Chelsea automatisch zu den Verlierern. Die Blues verzichteten auf einen Transfer von Gonzalo Higuain, kassierten 100 Millionen Euro von Real Madrid für Eden Hazard und trennten sich unter anderem von Gary Cahill, Danny Drinkwater und David Luiz.

​Das alles wäre nicht so schlimm, hätten die Verantwortlichen reagieren können. Diese Gelegenheit blieb ihnen allerdings verwehrt. Neben Christian Pulisic, der bereits im Januar verpflichtet wurde und erst im Sommer zur Mannschaft stieß, sowie Mateo Kovacic, der aufgrund des Leihgeschäfts mit Real Madrid fest verpflichtet werden konnte, blieben Neuzugänge Mangelware. 


Verlierer: Norwich City

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Trotz des Aufstiegs in die Premier League verfügt Norwich City nicht über die nötigen finanziellen Mittel, um sich so tatkräftig wie beispielsweise Aston Villa zu verstärken. Die Canaries investierten gerade einmal rund 4,2 Millionen Euro in den Kader, der namhafteste Neuzugang ist Torhüter Ralf Fährmann vom FC Schalke 04. Die Leihgebühr des 30-Jährigen allein kostete drei Millionen Euro. Norwich hat weder Fort- noch Rückschritte gemacht und gilt als wohl größter Abstiegskandidat.


Verlierer: Newcastle United

Steve Bruce

Die Fans von Newcastle United sind seit Jahren mit Eigentümer Mike Ashley unzufrieden, und auch Rafael Benitez wurde mit dem Milliardär offenbar nicht warm. Laut einem Bericht des kicker scheiterte die Verlängerung des Ende Juni ausgelaufenen Vertrags an den fehlenden Zugeständnissen Ashleys, weshalb nun Steve Bruce an der Seitenlinie steht.

​Der Trainer ist der größte Verlust neben Ayoze Pérez, der für 33,4 Millionen Euro zu Leicester City wechselte. Mit den Verpflichtungen von Joelinton, Allan Saint-Maximin, Emil Krafth und Jetro Willems haben sich die Magpies zwar verstärkt - aber ob damit Ruhe einkehren wird, ist fraglich. Ohne Benitez wird der Klassenerhalt schwerer zu erreichen sein, der Druck auf Ashley dürfte weiter steigen.