Huub Stevens, seines Zeichens Feuerwehrmann im Fußball, ehemaliger S04-Trainer, Vereins-Ikone und Aufsichtsratsmitglied, springt Clemens Tönnies in der Rassismus-Debatte zur Seite. Er hofft, dass Tönnies noch viele Jahre sein Amt fortsetzt.


Gefühlt haben sich mittlerweile alle Figuren rund um ​Schalke 04 in der "Causa Tönnies" geäußert. Während Gerald Asamoah und ​Hans Sarpei Kritik zu den geäußerten, ​laut dem S04-Ehrenrat "diskriminierenden", Worten brachten, gab Huub Stevens der Bild ebenfalls ein Interview zu dem Thema.


"Viele Leute haben sich angegriffen gefühlt"


In diesem Interview verurteilt er die getroffene Wortwahl, doch macht er auch klar, dass der Aufsichtsratsvorsitzende kein Rassist sei: "Nein! Für ihn zählt nicht die Hautfarbe eines Menschen, sondern sein Charakter. Er hat sich in meiner Gegenwart auch vorher nie so geäußert", betont Stevens, während er auch die Worte scharf kritisiert: "Sie sind einfach nicht akzeptabel. Viele Leute haben sich angegriffen gefühlt. Das hätte man nicht sagen sollen und dürfen."


Wie am Dienstagabend beschlossen, wird Tönnies sein Amt für drei Monate ruhen lassen. Auch der Vorstand des S04 äußerte sich zum Thema und machte deutlich, dass derartige Äußerungen, und daraus womöglich resultierende Denkmuster keinen Platz auf Schalke haben. Man müsse sich jedoch nun auch auf das Sportliche besinnen und das Team unterstützen, empfahl auch David Wagner gestern auf der Pressekonferenz.


FC Schalke 04 v VfB Stuttgart - Bundesliga

In der letzten Saison hatte Huub Stevens den S04 noch vor dem Abstieg bewahrt



Stevens sieht das ähnlich: "Über Urteile und Strafen kann man immer diskutieren." Auf die Frage, ob ein Rücktritt besser gewesen wäre, und ob er ihm die Reue abnehmen würde, antwortet der "Jahrhundert-Trainer": "Nein (zum Rücktritt). Natürlich hat er etwas gesagt, das so nicht geht. Er hat sich ehrlich entschuldigt, bereut seine Aussagen. Jeder verdient eine zweite Chance", so Stevens. Weiter: "Er hat sich im Nachhinein selbst erschrocken. Nicht umsonst hat er dem Ehrenrat vorgeschlagen, seine Ämter vorerst ruhen zu lassen. Er, als riesiger Schalke-Fan, darf drei Monate nichts mit dem Klub zu tun haben, wird nicht zu den Spielen kommen."


Des Weiteren hofft Stevens, dass der Rassismus-Skandal keinen weiteren Schaden für S04 bedeutet. "Auf Schalke darf es keinen Rassismus geben." Er hofft auch nach der abgesessenen Strafe auf eine fortführende Tätigkeit von Tönnies: "Was Clemens in der Vergangenheit für den Verein getan hat, war unglaublich. Ich hoffe auch, dass er das noch viele Jahre fortsetzt."


Fokus auf das Sportliche: "Unterstützt die Mannschaft, wenn der Ball rollt!"


Nun richtet sich der Fokus am Wochenende tatsächlich erstmal wieder auf das Sportliche. ​Am Samstag tritt der S04 gegen den SV Drochtersen/Assel an, ehe es am zweiten Spieltag - gegen den FC Bayern München - zum ersten Heimspiel der Saison kommt. Proteste werden von vielen Seiten erwartet. Stevens hofft, dass das keine Auswirkungen auf die Mannschaft hat, man müsse zusammenstehen: "Sobald die Saison losgeht, müssen wir uns auf das Sportliche konzentrieren. Wir hatten ein ganz schwieriges Jahr und haben den Klassenerhalt nur zusammen geschafft. [...] Deswegen appelliere ich an die Fans: Unterstützt die Mannschaft, wenn der Ball rollt!


Bis Clemens Tönnies voraussichtlich wieder in den Aufsichtsrat zurückkehrt, wird sein Stellvertreter Jens Buchta seine Position führen. Was in den drei Monaten passiert, sowohl vom Verein aus, als auch von den Fans, und ob es danach wie gehabt weitergeht - man wird abwarten müssen.