Wie immer gibt es auch in diesem Jahr große Gewinner und Verlierer der Saisonvorbereitung. Beim ​FC Schalke haben sich vor allem drei Spieler präsentieren können, die besonders positiv aufgefallen sind. Dadurch könnten sie im Hinblick auf die Stammplätze einen Vorteil haben. So wusste beispielsweise Amine Harit zu begeistern.


Die Schalker sind zum 1. Juli - einen Tag nach der diesjährigen Mitgliederversammlung - in die Saisonvorbereitung gestartet. Zu Beginn fehlten jedoch noch einige Spieler: Alex Nübel, Suat Serdar​ und Jonjoe Kenny waren wegen der U21-EM noch im Urlaub, Weston McKennie war für die USA beim Gold-Cup im Einsatz, und Daniel Caligiuri, Alessandro Schöpf und Mark Uth konnten aufgrund ihrer Verletzungen maximal kleine Teile des Trainings absolvieren. 


Nun hat der neue Trainer David Wagner knapp fünf Wochen mit dem Team arbeiten können. Er will einen grundsätzlich anderen Fußball sehen, als es in den letzten Jahren der Fall war. Das scheint für einige Spieler ein Vorteil zu sein. Während der bisherigen Vorbereitung gab es auch ein paar große Gewinner.


Amine Harit: Spielfreude, Arbeit, Disziplin - er wirkt wie ausgewechselt

Amine Harit

Der größte Gewinner der Vorbereitung dürfte wohl Amine Harit sein. Der 22-Jährige schien noch kurz vor der Vorbereitung vor seinem Ende auf Schalke zu stehen. Er war einer der Kandidaten, die man loswerden wollen könnte - so wie nun Yevhen Konoplyanka, Hamza Mendyl und Nabil Bentaleb. Doch Wagner gab ihm in Absprache mit seinem Team eine Chance, und die wusste er bisher definitiv zu nutzen.


Viele Fans berichten von einer gänzlich anderen Mentalität Harits, angefangen beim Training. Wo er besonders in der letzten Saison noch durch Lustlosigkeit und fehlende Disziplin auffiel, hängt er sich nun in den Einheiten richtig rein. Dazu soll er sich mehr an Benjamin Stambouli orientieren, der durch Integration, die deutsche Sprache und seiner Einstellung mittlerweile zum Vorzeige-Schalker mutierte. ​Auch in den Testspielen war Harit regelmäßig der aktivste Spieler auf dem Feld, wo er seine Spielfreude wiederfinden konnte. 


"Amine ist ein gutes Beispiel, wenn ich von Mentalität und Bereitschaft spreche. Wir werden alles dafür tun, ihm zu helfen, wieder zu alter Stärke zu finden", lobt ihn David Wagner. "Er ist auf einem richtig guten Weg und hat die Bereitschaft, alles anzunehmen. Harit erfüllt seit Trainingstag eins dieses Kriterium." Dadurch dürfte er sich eine starke Stellung für die Besetzung der Zehner-Position erarbeitet haben, wo eventuell auch Mark Uth eingeplant sein könnte. Doch so wie es bisher aussieht, wird man an Harit kaum vorbeikommen. 


Ahmed Kutucu: Bestätigung seines Könnens - Konkurrent von Burgstaller

Ahmed Kutucu

Ein weiterer Gewinner der Vorbereitung ist Ahmed Kutucu. Allerdings nicht, weil er wie Harit das Ruder herumreißen konnte, sondern weil er seine in der Rückrunde gezeigten Leistungen bestätigen konnte. Der gebürtige Gelsenkirchener, der bereits seit 2011 mit dem S04-Logo auf der Brust spielt, wird sich eine wichtige Rolle in Wagners Stammelf erobern wollen. 


Auch wenn über die letzten Wochen ab und zu das Verletzungspech an ihm klebte, sodass er beispielsweise wegen Rückenschmerzen zeitweise ein paar Tage aussetzen musste, konnte er sich jedoch weiter präsentieren und gut vorspielen. Dabei übernahm er in den Testspielen verschiedene Rollen: Manchmal war er der klassische Stürmer im 4-2-3-1-System, der vorne im Pressing mitarbeitet und dann auch eiskalt die Tore schoss, manchmal spielte er als Teil der offensiven Dreierkette, wo ihn einige Fans eher zentral sehen, als auf dem Flügel. 


Dass er trotz seiner erst 19 Jahre schon ein Kandidat für regelmäßige Einsatzzeiten ist, und dabei auch den Konkurrenzkampf mit Guido Burgstaller und Mark Uth nicht fürchten muss, hat er erneut bewiesen. Vor allem seine Chancenverwertung und der direkte Zug zum Tor, was er auch in den Testspielen zeigte, könnten Aspekte sein, die ihn womöglich in eine gute Position rücken.


Daniel Caligiuri und Jonjoe Kenny - Der Routinier und sein möglicher Ersatz

Daniel Caligiuri

Nachdem Daniel Caligiuri nach seiner ausgereiften Verletzung an der Leiste wieder ins Training einstieg und auch die ersten Minuten in den Spielen sammeln konnte, merkte man schnell, wie wichtig er für die Mannschaft ist. Auch wenn er nicht mehr der junge Spieler ist, der überraschend mit starken Leistungen auftrumpft, ist es jedoch wichtig zu sehen, wie schnell er wieder an seine Leistungen anknüpfen konnte. In den ersten 20 Minuten des ersten Einsatzes konnte er direkt ein Tor vorbereiten, so auch im zweiten Spiel. Mit Guido Burgstaller wurde er dazu in den Mannschaftsrat gewählt.


Egal ob als Rechtsverteidiger oder als Teil der Offensive, wird er sicherlich wieder seine wichtige Stellung auf dem Platz auch unter Wagner einnehmen können. Sein Pendant könnte Leihspieler Jonjoe Kenny sein. Er war der erste Transfer, der für diesen Sommer angekündigt wurde. Da er "nur" ein Leihspieler war, der "nur" vom FC Everton kam, auch "erst" 22 Jahre alt

ist und zudem womöglich Caligiuri vor seiner Nase hat, waren die Erwartungen allgemein eher niedrig angesiedelt. Dass sich viele Fans im Vorfeld vertan haben, merkte man ziemlich schnell. 

Jonjoe Kenny,Leroy Sane

Jonjoe Kenny im Duell mit Leroy Sané



In den bisherigen Testspielen hat man bereits sehr gut erkennen können, was den jungen Engländer ausmacht. Auch wenn er eher als der "robuste Typ" rüberkommt, versuchte er schnell, spielerische Lösungen anzubieten - sowohl in der Defensive, als auch in der Offensive. Eine seiner Stärken sind die Flanken, was er dank des Plans von Wagner, dass die Außenverteidiger hoch stehen und auch offensiv agieren, gut umsetzen können wird. 


Auch gegen den FC Villarreal (2:0 Sieg) zeigte er, dass er auch vorne wichtige Pässe spielen und seine Mitspieler in Szene setzen kann. So war er zum Beispiel wichtiger Passgeber auf Nassim Boujellab, der durch seinen schlauen Laufweg und den starken Pass von Kenny sehr einfach auf Burgstaller auflegen konnte. Solche Spielzüge wird S04 in der kommenden Saison häufiger gebrauchen, denn zuletzt hatte es an Ideen und Kreativität gefehlt. 


Durch ihre guten Wochen in der Vorbereitungen haben sich diese vier Spieler besonders zeigen und einen guten Eindruck hinterlassen können. Sollten sie auch in den weiteren Trainingswochen und in den ersten Spielen ihre zuletzt starke Form beibehalten können, besteht die Möglichkeit, schnell zum enorm wichtigen Aspekt in David Wagners Plänen zu werden.