Bakery Jatta, Jungprofi beim ​Hamburger SV, ist anscheinend gar nicht Bakery Jatta. Wie die SportBild recherchierte, lebt Jatta in Deutschland mit einer falschen Identität, auch seine Geschichten bezüglich seines Werdegangs und seines Alters sollen falsch sein!


Es war damals eine schöne Geschichte, die der Fußball manchmal schreibt, als der HSV den erst 18-jährigen Flüchtling aus Gambia unter Vertrag nahm. Trotz seines bisher äußerst schwierigen Lebens konnte er sich so durch eigenes Können und eigene Arbeit eine gute Perspektive aufbauen. Durch Recherchen der SportBild kommt nun zum Vorschein, dass Bakery Jatta in Wahrheit Bakary Daffeh heißt. Und auch sein Alter und sein Werdegang, den er auch auf der Website der Hamburger damals erzählte, sind falsch.


Name, Alter, Geschichte - alles falsch?


Wie die Recherche zeigt, ist der Spieler auch gar nicht am 6. Juni 1998 geboren, sondern in Wahrheit schon am 6. November 1995 - er ist also ganze zweieinhalb Jahre älter. Brisant: Bei seiner Einreise im Jahr 2015 hatte er aufgrund seiner Minderjährigkeit besonderes Bleiberecht erhalten, da alleinreisende, minderjährige Flüchtlinge eine Duldung erhalten. Diese hätte er in der Form mit seinem echten Alter (zum damaligen Zeitpunkt bereits 19 anstatt 17) nicht bekommen.


Des Weiteren hat er, entgegen seiner Geschichten, in Afrika schon für mehrere Teams gespielt. In einem Interview 2016 auf der HSV-Website sagte er hingegen: "Ich habe in Afrika in keinem Verein gespielt, das gab es dort nicht, höchstens mal am Wochenende konnte man ein betreutes Training machen. Ansonsten waren wir auf uns gestellt, wir haben auf der Straße Fußball gespielt und uns selbst die Dinge beigebracht."

Fabian Schnellhardt,Bakery Jatta

Jatta im Zweikampf mit Darmstadts Fabian Schnellhardt am ersten Spieltag



Wie Fotos und die Aussagen ehemaliger Trainer in Afrika der SportBild bestätigen, stimmte auch das nicht. So spielte er bereits in Gambia für Klub Brikama United, war zudem an weitere Vereine in Nigeria und dem Senegal ausgeliehen. Auch in der U20-Nationalelf Gambias spielte er bereits 2014. 


Bestätigung durch ehemalige Trainer


Ehemalige Trainer, wie Ibou Diarra (Casa Sports - Senegal) und Mustapha Manneh (U20 Gambia) bestätigten die neuen Erkenntnisse. Manneh: "Ja, ich trainierte ihn in der Nachwuchsmannschaft. Ich bin mir sicher, dass er für mich 2014 ein entscheidendes Tor geschossen hat. Jetzt spielt er in Deutschland."


Demnach ist nicht nur der Name und das Alter, sondern auch sein ganzer Werdegang schlichtweg gelogen. Der Vorstandschef des HSV, Bernd Hoffmann, kommentierte dies mit den ausschließlich positiven Eindrücken von Jatta bzw. Daffeh: "Bakery hat sich seit seiner Ankunft bei uns als tadelloser Sportsmann und als verlässlicher Mitspieler gezeigt. Er hat sich schnell in unsere Mannschaft und in unseren Club integriert. Wir schätzen ihn als Spieler und Menschen."


Anfragen, mit dem Spieler oder dem Berater zu sprechen, liefen demnach ins Leere.