Die Vorfreude auf die neue Bundesligasaison ist groß. Nach einigen Jahren der Langeweile erlebte Deutschlands Eliteliga im vergangenen Jahr wieder eine Spielzeit der besseren Art mit dem fast schon typisch engen Abstiegskampf, dem harten Fight um die Europapokalplätze und einer Meisterschaft, die erst am 34. Spieltag entschieden wurde. Dank Vereinen wie Borussia Dortmund, Eintracht Frankfurt, Werder Bremen und dem VfL Wolfsburg hat die Liga wieder Spaß gemacht. Hoffentlich setzt sich dieser Trend fort!


Zum ersten Mal seit vielen Jahren verspürten Fans des ​FC Bayern München vor dem letzten Spieltag der Saison wieder ein Kribbeln im Bauch. Im heimischen Stadion hatte der Rekordmeister die Chance, den siebten Meistertitel in Folge einzufahren, auf dem Papier sollte ​Eintracht Frankfurt, das Dark Horse der Saison 2018/19, aber eine schwierige Hürde darstellen. Parallel kämpfte ​Borussia Dortmund bei Borussia Mönchengladbach um drei Punkte und die Hoffnung, dass die Eintracht die großen Bayern wie schon im Pokalfinale 2018 ärgert und dafür sorgt, dass die Münchner am Ende mit leeren Händen dastehen.

Niko Kovac,Robert Kovac

  Der Weg zum Double war für Niko und Robert Kovac (v.l.) alles andere als einfach. Allen voran Niko Kovac sah sich auch intern großer Kritik ausgesetzt.


Obwohl sich der FCB am Ende mit 5:1 durchsetzte und nicht nur die Meisterschaft, sondern auch den Pokalsieg in einem vor allem im ersten Durchgang engen Finale gegen RB Leipzig sichern sollte, war vieles anders. Einerseits, weil Dortmund und Bayern im Schlussspurt in Richtung Schale stolperten und es endlich auch in Sachen Meisterschaft spannend wurde, andererseits, weil die Bundesliga nicht nur in der Tabelle wieder Spaß gemacht hat. Neben Bayern, Dortmund, RB Leipzig und Borussia Mönchengladbach verzückte Eintracht Frankfurt mit furiosem Angriffsfußball die Massen, auch Werder Bremen, 1899 Hoffenheim, der VfL Wolfsburg und ab der Rückrunde auch Bayer Leverkusen boten viele Offensivaktionen und viele Tore.


Mehr Tore, mehr Action


In der Saison 2018/19 erzielten die 18 Bundesligisten 973 Tore, noch in der Vorsaison waren es 855. Der Durchschnitt von 3,18 Treffern pro Partie stellt laut ​Statista den höchsten Wert seit der Saison 1986/87 (3,24) dar, im gesamten Jahrtausend bot nur die Saison 2013/14 einen ähnlichen Schnitt (3,16). Wurde in der Vergangenheit immer wieder kritisiert, dass auf dem Platz zu wenig passiert, so trauten sich nun mehr Mannschaften, munter nach vorne zu spielen.

Florian Kohfeldt,Julian Nagelsmann

Zwei, die für ein Umdenken im deutschen Fußball stehen: Florian Kohfeldt und Julian Nagelsmann (v.l.).


Genau dieser Trend setzt sich hoffentlich auch in der neuen Saison fort. Die aus Österreich nach Deutschland gewechselten Marco Rose und Oliver Glasner denken ebenso offensiv wie die übrigen Trainerkollegen aus dem oberen Tabellendrittel, weshalb Gladbach noch aggressiver spielen dürfte als zuletzt, und auch Wolfsburg wird im Vergleich zum gepflegten Ballbesitzfußball unter Bruno Labbadia noch einmal ein Stück weit Aggressivität dazugewinnen. Auch der FC Bayern zeigte sich in der Vorbereitung um einiges spielfreudiger als noch in der letzten Saison, in der gerade gegen tiefstehende Gegner oftmals Einzelaktionen für den Erfolg sorgen sollten, während der BVB in jedem Testspiel mindestens drei Tore erzielte. 


Hertha BSC - Die Überraschung der Saison?


​In der Hauptstadt besteht indes die Hoffnung, dass man von nun an einen ähnlichen Fußball spielen wird. Die Jahre, in denen Pal Dardai bei Hertha BSC an der Seitenlinie herrschte und oberste Priorität darauf setzte, aus einer gestaffelten Defensive heraus das Spiel zu bestimmen, sind mit der Beförderung von Nachwuchstrainer Ante Covic vorbei. Der Kroate steht für mehr Variabilität, will seine Mannschaft durch das Anlernen von mehreren Systemen unberechenbarer machen und aktiver Fußball spielen lassen. Gepaart mit dem 125 Millionen Euro schweren Deal mit Investor Lars Windhorst besitzt die Alte Dame nun die Chance, sich einen neuen Glanz zu verpassen und nicht nur um einen einstelligen Tabellenplatz, sondern auch um den Europapokal zu kämpfen.


Mit Hertha, Wolfsburg und speziell Hoffenheim existiert ein Trio, dessen Entwicklung unklar ist. Nach dem Abgang von Julian Nagelsmann droht die TSG möglicherweise wieder im Niemandsland der Tabelle zu verschwinden, zumal einige Leistungsträger den Klub verlassen haben. Doch gemeinsam mit Manager Alexander Rosen wird Trainer Alfred Schreuder dem entgegensteuern und das Beste aus der Situation machen. Was dabei rumkommt, ist offen. 


Derbys und laute Ränge: Das Steckenpferd der Bundesliga


Unterdessen ist auch die Vorfreude auf die Derbys groß. Während sich Hertha BSC und Union Berlin erstmals in der Bundesliga begegnen und die alljährlichen Revier-Derbys zwischen Dortmund und Schalke sowie das Duell Frankfurt und Mainz anstehen, ist auch die Rückkehr des 1. FC Köln ein Grund zur Freude. Gegen Leverkusen und Gladbach bestreitet der FC gleich vier spannungsgeladene Duelle. Bei Derbys ist die Spannung greifbar, schon viele Stunden im Vorfeld elektrisiert die bevorstehende Partie die beiden Fanlager.

Jonas Hector,Christoph Kramer

   Ein Kampf ums Prestige: Gladbachs Christoph Kramer und Kölns Jonas Hector werden sich auch in der neuen Saison einige harte Duelle liefern.


Worauf die Bundesliga ohnehin nicht verzichten muss sind die vollen und lauten Stadien. Ob in Dortmund, auf Schalke, in Köln, Gladbach, Frankfurt, Bremen oder andernorts - die Liga bietet bei einem Stadionbesuch ein einmaliges Erlebnis. Bereits im Rückspiel der Europa-League-Qualifikation gegen Flora Tallinn begeisterten die Fans der Frankfurter Eintracht in der ausverkauften Commerzbank-Arena mit einer der vielen Choreografien und einer fantastischen Stimmung. Darauf darf man sich jede Woche aufs Neue freuen.


​Deutschland und die Bundesliga stehen für volle Arenen, eine tolle Stimmung von den Rängen, Spannung im Abstiegskampf und Europapokal. Die Meisterschaft litt seit Sommer 2012, doch hoffentlich wird der Titel auch in den kommenden Jahren so spät wie möglich vergeben. Auch ist die Hoffnung groß, dass das Gros der Mannschaften den bisherigen Weg weitergeht und sich noch mehr traut, eigene Angriffe zu kreieren, noch höher zu stehen und noch aggressiver ins Pressing zu gehen, damit der Fußball nicht nur auf den Rängen und in der Tabelle, sondern auch auf dem Platz Spaß macht.