​In der bisherigen und überaus desaströsen Saisonvorbereitung von ​Real Madrid hat sich ein Spieler, den bis vor kurzem kaum einer kannte, mittlerweile derart in den Vordergrund gespielt, dass viele sogar schon seinen festen Platz in der ersten Elf der Königlichen einfordern. 


Barças Formfehler öffnete Real die Tür


​Takefusa Kubo (18) erschien bereits vor acht Jahren auf der Bühne des großen Weltfußballs. Da war der kleine Japaner mal gerade zehn Jahre (!) alt. Kein geringerer als der ​FC Barcelona sicherte sich damals, im August 2011, die Dienste des Supertalents aus Nippon. 


Doch dabei achteten die Katalanen nicht ganz so penibel auf die bestehenden FIFA-Regeln bezüglich der Anwerbung minderjähriger Spieler. In der Konsequenz entzog der Weltverband dem Klub die Rechte an dem Spieler und Kubo kehrte erstmal wieder in seine japanische Heimat zurück. 


Vor wenigen Wochen dann schlug Real Madrid zu. Quasi vor den Augen des Erzrivalen, dem es aufgrund der verhängten FIFA-Sanktion nicht möglich war, den Spieler erneut nach Barcelona zu lotsen. Der Aufschrei in beiden Lagern war groß: in der Hauptstadt jubilierten sie, den neuen Japan-Messi geholt zu haben, und in Barcelona beklagten sie den Formfehler der Verantwortlichen, und die Tatsache, eines der größten Talente seiner Altersklasse weltweit an den ungeliebten Dauerkontrahenten verloren zu haben. 


Nähere Zukunft ungeklärt: Erste Mannschaft, Castilla oder Leihe?


Nach dem ganzen Getöse um seine Person, konnte Kubo nun während der Vorbereitungszeit kräftig Werbung in eigener Sache machen. Am Mittwoch kam er beim Spiel um den dritten Platz des Audi Cups gegen Fenerbahce Istanbul zwanzig Minuten zum Einsatz - und revolutionierte praktisch das Angriffsspiel der Madrilenen. Ständig den Ball fordernd, mit mutigen Dribblings und gescheiten Pässen, und immer wieder den eigenen Abschluss suchend: dieser Kurzeinsatz hat Appetit auf mehr gemacht. 


Und sorgt jetzt vereinsintern für Diskussionen: sollte Zidane, der von dem Japaner begeistert ist, ihm eine Chance im Profi-Kader geben? Dem steht eine bürokratische Hürde entgegen: in den Kader dürfen lediglich drei Nicht-EU-Ausländer eingeschrieben werden. 


Aktuell hat Real Madrid mit Eder Militao, Rodrygo und Vinicius Junior dieses Kontingent erschöpft. Da alle drei um bzw. mehr als 40 Millionen Euro gekostet haben, ist es eher unwahrscheinlich, dass einer von ihnen "geopfert" wird. 


Bleibt die Option, Kubo in der zweiten Mannschaft (Real Madrid Castilla) reifen zu lassen. Doch braucht Kubo wirklich Reifezeit? Und wenn ja: könnte er bei einer Leihe zu einem Erstligisten (ob in Spanien oder im Ausland) nicht viel besser reifen? So oder so wird Kubo seine Chance bei den Königlichen bekommen. Mit Auftritten wie dem von gestern sogar viel schneller, als alle gedacht haben.