Vor einem Jahr heuerte Thomas Tuchel nach den Stationen ​Mainz 05 und ​Borussia Dortmund bei Paris St. Germain an. Die Verantwortlichen des französischen Spitzenklubs haben sich im Vorfeld viel vom 45-Jährigen erhofft, erlebten jedoch eine Saison wie in den vergangenen Jahren. Der große Traum von der Champions League bleibt weiterhin aus, auf nationaler Ebene ist PSG derweil noch immer mit großem Abstand das Maß aller Dinge. In seinem zweiten Jahr kämpft Tuchel auch um seine Zukunft an der Seine, doch gelingt ihm unter den derzeitigen Voraussetzungen überhaupt der große Wurf?


27 Spieler misst der aktuelle Kader von Paris St. Germain. Das Aufgebot teilt sich in vier Torhüter, ​zwölf Verteidiger, vier Mittelfeldspieler und sieben Angreifer auf, ist allerdings nicht so unausgeglichen, wie es auf dem ersten Blick wirken mag. Tuchel lässt variabel spielen, setzte in der abgelaufenen Saison auf Vierer- und Dreierkette, wählte mal ein 4-3-3, dann ein 3-4-2-1 oder auch ein 4-4-2.


Im Mai wurde sein ursprünglich bis 2020 laufender Vertrag um ein Jahr verlängert, mit Leonardo wurde ein neuer Sportdirektor verpflichtet, nachdem Tuchel Medienberichten zufolge kein gutes Verhältnis zu Antero Henrique gepflegt haben soll. Immer wieder beklagte der Trainer fehlende Verstärkungen im Mittelfeld, die mit Ander Herrera und Pablo Sarabia folgten - doch insgesamt hat PSG auf dem Transfermarkt vor allem Verluste gemacht.

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 Steht vor einem schwierigen zweiten Jahr: PSG-Trainer Thomas Tuchel.



Während neben Herrera und Sarabia noch Abdou Diallo von Borussia Dortmund und der 19 Jahre junge Mitchel Bakker von Ajax Amsterdam verpflichtet wurden, haben Giovani Lo Celso, Moussa Diaby, Christopher Nkunku, Gregorz Krychowiak, Timothy Weah, Adrien Rabiot, Gianluigi Buffon und Dani Alves den Klub verlassen (einige davon waren zuvor bereits ausgeliehen). Mit Neymar, ​der nach nur zwei Jahren offenkundig einen Wechsel anstrebt, könnte bis zum Transferschluss mindestens Abgang Nummer neun dazukommen. 


PSG braucht Neuzugänge


​Der Kader wurde bislang nicht wirklich verstärkt, ähnlich wie der FC Bayern benötigen die Pariser händeringend weiteres Spielermaterial. Die Innenverteidigung ist mit Marquinhos, Thiago Silva, Thilo Kehrer, Presnel Kimpembe, Nachwuchstalent Loic Mbe Soh und Diallo im internationalen Vergleich qualitativ nicht ausreichend besetzt, um bis zum Schluss konkurrenzfähig zu sein - und bei Verletzungen drohen wieder einmal große Lücken im Mittelfeld.

​Die Verluste von jungen Spielern wie Rabiot, Nkunku, Weah oder Diaby wiegen dabei umso schwerer. Statt ihnen eine Chance zu geben, werden sie für Summen unter 20 Millionen Euro abgegeben, wobei Rabiot den Klub gar ablösefrei verließ. In der Ligue 1 und der Coupe de France wird PSG weiterhin der Favorit auf den Titel sein, doch nach dem Aufrüsten der englischen Klubs in den vergangenen Jahren besteht Nachholbedarf, um sich den Traum von der Champions League endlich erfüllen zu können.


Thomas Tuchel besitzt herausragende Qualitäten als Trainer, kann jedoch ohne die nötige Unterstützung der sportlichen Verantwortlichen nicht im Alleingang ein internationales Superteam bauen. Der Angriff um Edinson Cavani, Kylian Mbappé und Neymar reicht nicht aus, wie das Ausscheiden im Achtelfinale der Champions League gegen Manchester United in der abgelaufenen Saison wieder einmal offenbarte. Vor ihm waren bereits Carlo Ancelotti, Laurent Blanc und Unai Emery gescheitert - nun geht es auch für ihn in seinem zweiten Jahr um seine Zukunft.