Eigentlich hat ​Hannover 96 nach der Verpflichtung von Ron-Robert Zieler ein Luxusproblem im Tor. Denn mit dem ehemaligen Nationalkeeper, dazu Michael Esser und Rückkehrer Philipp Tschauner stehen gleich drei Schlussmänner im Kader, die Ansprüche auf die Eins stellen. ​Nachdem ein Wechsel von Tschauner zu RB Leipzig aber bereits in trockenen Tüchern war, hat 96-Boss Martin Kind den Wechsel kurzerhand abgesagt.


Während Mirko Slomka bei Hannover 96 händeringend noch um einen Abwehrspieler bittet, ist auf der Position des Torhüters zu viel Personal von zu hoher Qualität. Gleich drei Keeper stehen aktuell im Kader der Roten, die allesamt Ansprüche auf den ersten Platz im Tor stellen könnten. Dass ein solcher Konkurrenzkampf nicht unbedingt gut ausgeht, ist auch den Verantwortlichen rund um Jan Schlaudraff klar. Daher sollte mit Philipp Tschauner bereits ein Kandidat abgegeben werden.


So waren sich Hannover und RB Leipzig bereits klar über einen Wechsel des 33-Jährigen, nun aber sagte Hannovers Boss Martin Kind, dass ein Wechsel vorerst nicht zustande kommt. Bei Anstoß live erklärte er: "So machen wir das nicht. Erst muss es eine Gesamtplanung für die Torhüter geben, da muss man dann auch über Michael Esser reden." Eine Aufgabe, der der neue Sportchef Schlaudraff nachkommen soll.


Beim heutigen Training am Donnerstagmorgen sollen dem Sportbuzzer zufolge Tschauner und Trainer Slomka lange miteinander diskutiert haben, beim anschließenden Trainingsspiel war Tschauner schon nicht mehr mit von der Partie. Dabei ist der Wechselwille von Tschauner nur allzu verständlich. Schließlich wurde er in der vergangenen Saison bereits verliehen, nun hat er ein Angebot eines Champions-League-Vertreters auf dem Tisch samt Anschlussvertrag.

Denn in Leipzig soll Tschauner auch nach seiner aktiven Karriere – immerhin ist er schon 33 Jahre alt – weiter arbeiten. Eine Rolle als Torwarttrainer ist denkbar beim gebürtigen Schwabacher. Zudem soll 96 mit 400.000 Euro Ablöse entlohnt werden, es ist sogar von Bonuszahlungen die Rede. Tschauners Vertrag läuft nur noch ein Jahr an der Leine. Ein Wechsel ist daher keine Überraschung, zumal man ja bereits im letzten Jahr nicht mehr mit Tschauner plante.


Aber es ist wohl mal wieder die alte Gutsherrenart, die beim Präsidenten durchschlägt. Die Muskeln spielen lassen, zeigen wer der Chef im Ring ist und noch mal kurz alle Pferde scheu machen. Was ein solches Theater letztlich bringt, ob man damit dem Spieler und den anderen Akteuren einen Gefallen tut, darf bezweifelt werden. Letztlich dürfte der Wechsel so eh nur verschoben, aber nicht aufgehoben sein. Denn es ist ebenso undenkbar, dass Tschauner nun sagt, dass er doch lieber gerne bei 96 bleiben werde, wo er ebenfalls auf der Bank sitzt und in der zweiten Liga gegen Sandhausen und Heidenheim von draußen zugucken darf, anstelle gegen Juventus oder Real Madrid.