Durch die Leihe von Kapitän Ralf Fährmann braucht man bei ​Schalke 04 einen neuen Anführer auf dem Platz, dazu einen Stellvertreter. Trainer David Wagner wird diese beiden Rollen selber ernennen, und zwar nach dem Trainingslager im Mittersill. Doch wer könnte, und wer sollte ab der kommenden Saison die Binde tragen dürfen?


Das Bestimmen eines neuen Kapitäns und dessen Stellvertreter mag zwar von außen nur wie eine notwendige Formalität wirken, doch hat sie viel Bedeutung. Vor allem in der aktuellen Phase, in der sich Schalke befindet, nämlich mitten in einer großen Umstrukturierung mit neuer Philosophie, braucht es auf dem Platz einen Anführer, der das Team motivieren und mitreißen kann. Dafür gibt es mehrere Kandidaten, doch meines Erachtens stechen zwei Spieler besonders hervor. 


Momentan wird vermutet, dass Alexander Nübel bei entsprechender Vertragsverlängerung auch Chancen auf das Amt des Kapitäns hat. Er könnte im Tor als Führungsspieler agieren und sich selbst als Persönlichkeit und Spieler, aber auch das gesamte Team stärken. Die Idee dahinter mag vielleicht verständlich sein, doch sehe ich ihn trotz großer Reife, eines klaren Kopfes und der wahrscheinlichen Rolle als Nummer Eins nicht in der Pole-Position.


Zwei Leitwölfe - Benji Stambouli und Daniel Caligiuri


Mit Benjamin Stambouli und Daniel Caligiuri hat man zwei erfahrene Spieler, die nicht nur in der Mannschaft, sondern auch bei den Fans ein sehr gutes "Standing" haben. Beide gelten als Vorbild-Profis, als "Malocher", erscheinen sehr sympathisch und man traut ihnen auch zu, im Team durchgreifen, motivieren und lehren zu können. Besonders Stambouli hat sich bei den Fans einen Platz im Schalker Herzen erobert, weil er sich nicht nur sehr für die Geschichte des Vereins und der Umgebung interessiert, wie Ralf Fährmann einst berichtete, sondern auch weil er die grundehrlichen Tugenden mitbringt, die man im "Pott" liebt. Ehrlichkeit, Authentizität und ein Kämpferherz. Er sprach sehr schnell sehr gutes Deutsch und ist seit seiner zweiten Saison fast unverzichtbar auf dem Platz gewesen. Intern halten sich viele Spieler an ihn, so soll sich laut Beobachtern nun auch Amine Harit stark an ihm orientieren, um einen festen Platz im Team zu erobern​.


Zudem war er schon im Mannschaftsrat und Vize-Kapitän. Durch den Torwart-Wechsel zur Rückrunde erfüllte er über die halbe Spielzeit auch das Amt des Kapitäns, was er ohne Probleme fortführte. Allerdings läuft sein Vertrag im nächsten Jahr aus, dazu hat man bisher nichts gehört, was auf eine baldige Verlängerung schließen lässt. Dennoch wird damit gerechnet, dass der Franzose dem Revierclub noch ein paar Jahre erhalten bleibt. 


Auch Daniel Caligiuri sollte einer der Favoriten sein. Er ist auch ein erfahrener Spieler, der zu den konstantesten Spielern gehört. In der letzten Saison war er mit Salif Sané Schalker Dauerbrenner und auch bester Torschütze durfte er sich nennen. ​Bei ihm steht einer Vertragsverlängerung wohl kurz bevor. Er gilt, ebenso wie Stambouli, als wichtige Figur im Team, nicht nur wegen seiner Leistung in den Spielen, sondern auch wegen vorbildlicher Arbeit im Training und allgemein als Fußballprofi. Er ist für viele junge Spieler ein Ansprechpartner. 


Auch unter Wagner dürfte er eine tragende Rolle spielen. Einzig die Position ist noch offen, zum einen, weil man noch nicht genau weiß, welches System S04 vorzugsweise spielen wird, und zum anderen, weil Caligiuri sowohl als rechter Verteidiger, als auch weiter vorne im offensiveren rechten Bereich agieren kann. Bei den Fans genießt auch er viel Bewunderung, nicht zuletzt wegen seiner wichtigen Rollen in seinen bisherigen Derbys. Ein Team movitieren, mitnehmen und als Führungsspieler vorangehen, das sind Aspekte, die auch er sicherlich verkörpern und umsetzen könnte. 


Für McKennie ist es noch zu früh

Weston McKennie wird auch von einigen Fans und Medien als potenzieller Kandidat gehandelt. Zwar ist er ein unbekümmerter Spieler, der schon seit 2016 auf Schalke ist und vor einigen Tagen erst seinen Vertrag langfristig bis 2024 verlängert hat (was die Fans auf der Mitgliederversammlung zu großem Jubel veranlasste), doch ist er auch wenn die Saison beginnt erst 21 Jahre alt. Die letzte Saison war erst sein zweites "richtiges" Jahr bei den Profis, bei dem er oft zum Einsatz kam, und daher ist es meiner Meinung nach mehr als fraglich, ob er bereits soweit ist, um sich den nötigen Respekt zu erarbeiten und die anfallenden Aufgaben eines Kapitäns ohne Probleme umsetzen zu können.

Weston McKennie
Weston McKennie mag zwar unbeschwert und mutig spielen, doch als Kapitän wäre er noch nicht geeignet


In der ersten August-Woche wird man mehr erfahren. Stambouli und Caligiuri gelten zu Recht als klare Favoriten, da sie alle Eigenschaften eines (guten) Kapitäns erfüllen und auch beide wahrscheinlich ​dem Verein noch länger erhalten bleiben und unter David Wagner auch auf dem Platz eine vermutlich nicht unbedeutende Rolle spielen werden. Somit wären die beiden die geeignetsten Kandidaten, um eine mögliche neue Ära einzuleiten und aktiv zu begleiten.