Mal wieder gibt es nach den ersten Sticheleien zwischen den Münchner Bayern und Borussia Dortmund eifrig Diskussionsstoff. Nachdem BVB-Sportdirektor Michael Zorc Mats Hummels zum besten deutschen Innenverteidiger erklärte, legte sich Bayerns Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge darauf fest, dass der Rekordmeister mit Niklas Süle die Nummer eins besitzt. Einige Votings sowie Stimmen von ehemaligen Spielern ergeben ein ausgeglichenes Bild. Einen klaren Favoriten gibt es nicht, stattdessen geht die Tendenz in Richtung Unentschieden - denn beide Spieler haben ihre Vorzüge.


Während im Weltfußball seit Jahren eifrig darüber diskutiert wird, ob denn nun Lionel Messi oder Cristiano Ronaldo der bessere Fußballer ist, kam hierzulande in den vergangenen Tagen die Frage auf, wer der beste Innenverteidiger ist, den Deutschland derzeit zu bieten hat: Mats Hummels oder Niklas Süle?

​Der eine, Hummels, gehört seit vielen Jahren zur Elite, sammelte mit Borussia Dortmund und Bayern München 13 Titel, gewann zudem die Weltmeisterschaft. Nach drei Jahren beim FCB kehrt er nun nach Dortmund zurück, um die Bayern wie schon in den Jahren 2011 und 2012 mehr als nur zu ärgern. 

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  Mats Hummels (l.) und Niklas Süle (r.) werden künftig wieder gegeneinander spielen.


Der andere, Süle, ist auf dem besten Wege, der beste deutsche Innenverteidiger der kommenden Jahre zu werden. Mit 21 Jahren wechselte er für 20 Millionen Euro von 1899 Hoffenheim zum FC Bayern, Befürchtungen, nach denen er wie so manches Talent zuvor auf der Bank versauern würde, erwiesen sich als überflüssig. Bereits in seiner ersten Saison erhielt er unter Carlo Ancelotti und Jupp Heynckes viel Spielzeit, unter Niko Kovac wurde er endgültig zum Stammspieler. 31 Mal stand er in der Bundesliga auf dem Platz, Hummels hingegen erhielt nur 21 Einsätze und hatte speziell in der Hinrunde Probleme.


Süles größter Vorteil gegenüber Hummels ist seine Geschwindigkeit. In einer Gegenüberstellung der Leistungsdaten, bei der sich BILD auf die Bundesliga-Datenbank deltatre beruft, erreichte Süle eine Höchstgeschwindigkeit von 35 Kilometer pro Stunde - Hummels erreichte 32 km/h.

Den größten Vorteil, den Hummels besitzt, ist die Übersicht im Aufbauspiel. Seit Jahren sorgt er mit seinen präzisen langen Bällen aus der Abwehrreihe für Gefahr, bringt das Offensivspiel somit in Schwung. In der Rückrunde profitierten die Münchner davon, künftig aber werden sie darauf verzichten müssen. 


Des Weiteren besitzt er die Erfahrung von 427 Pflichtspielen für Borussia Dortmund und Bayern München, doch Süle, der bei 201 Pflichtspielen für die TSG Hoffenheim und dem FC Bayern steht, gleicht dies mit seiner immensen Ruhe aus. Die übrigen statistischen Werte der vergangenen Saison sind ausgeglichen: Süle weist eine geringere Fehlpassquote auf, griff dafür aber öfter zur Grätsche und gewann ein paar Zweikämpfe weniger und war häufiger in der Luft zu sehen. 


Was sagen die Experten?


Ex-Innenverteidiger Uli Borowka sieht Niklas Süle im direkten Vergleich knapp vorne - auch, weil Hummels seinen Zenit möglicherweise überschritten hat: "Ich denke, dass er in der Rückrunde am Limit gespielt hat. Ich habe ihn in den letzten Jahren immer sehr gerne gesehen und für mich war er immer unter den zwei besten Innenverteidigern der Bundesliga. Aber dass Süle bei den Bayern so eine Entwicklung nimmt, habe ich nicht erwartet. Da in Süle noch mehr Entwicklungspotenzial steckt, sehe ich ihn zwei Prozent vor Hummels."

​Routinier Naldo sieht Hummels vorne, Jürgen Köhler hingegen stimmt Borowka zu: "
Für mich ist Süle momentan die Nr. 1, weil er eine ganz beständige Saison gespielt hat. Hummels dagegen hatte zwar eine gute Rückrunde, aber in der Hinrunde einige Hänger. [...] Durch seine Statur hat er auf den ersten Metern noch Defizite mit der Geschwindigkeit und der Beweglichkeit, er muss sich auch technisch verbessern – aber das sind Dinge, die man trainieren kann."


Es handelt sich um Nuancen


Letztendlich aber brachte Marco Reus die Antwort gegenüber Sky auf den Punkt: "Ich glaube, sowohl Niklas als auch Mats sind hervorragende Innenverteidiger, die jegliche Facetten des Fußballs mit sich bringen. [...] Vielleicht ist Niki ein bisschen schneller unterwegs als Mats, dafür hat Mats vielleicht das bessere Auge für den Gegner oder für den Mitspieler zum Spielaufbau. [...] Beide sind große Innenverteidiger."

Wer der bessere Innenverteidiger der beiden ist, ist eine Glaubensfrage. Genau wie bei der ewigen Debatte um Messi und Ronaldo. Während Messi für seinen Zauberfußball geliebt wird, wird Ronaldo aufgrund seiner Kaltschnäuzigkeit vor dem Tor sowie seinem schier unbändigen Ehrgeiz und dem Glauben an den Erfolg verehrt. 


Wie ausgeglichen die Diskussion um etwaige Vorzüge bei Mats Hummels und Niklas Süle ist, machen die unterschiedlichen Aussagen deutlich. Auch die Ergebnisse der Umfragen von BILD und bei uns auf ​9​0min.de, bei denen Hummels knapp die Nase vorn hat, zeigen: Beide Spieler trennen nur Nuancen. Am Ende des Tages ist bei einigen Teilen derjenigen, die bei Umfragen eine Antwort gegeben haben, womöglich die Frage nach dem Lieblingsverein entscheidend. Auf die Kleinigkeiten, die beide trennen, wird zumindest zu Saisonbeginn genaustens geschaut. Klar ist aber aufgrund der Altersunterschiede, dass Süle die Zukunft gehören wird.