Die Verantwortlichen von ​Eintracht Frankfurt müssen sich derzeit mit einer Klage des Unternehmens International Soccer Bank auseinandersetzen, die am 1. Juli zugestellt wurde. Den Hessen wird Daten-Spionage im großen Stil vorgeworfen. Die SGE soll mit den Zugangsdaten von ​RB Leipzig illegal auf das umfassende Daten- und Scouting-System zugegriffen haben.


Ende Mai hatte die Bild-Zeitung den ​Spionage-Skandal publik gemacht. Ein Mitarbeiter der Hessen (U17-Trainer Frank L.) soll sich zunächst die Zugangsdaten von einem New Yorker RB-Mitarbeiter (Benjamin Ehresmann) verschafft und über einen längeren Zeitraum das Scouting-System, welches unter anderem umfassende Daten zu Spielern aus Europa und Südamerika bietet, genutzt haben. Beide Klubs haben die Beschuldigten bereits vor geraumer Zeit entlassen. 


"Wir sprechen eindeutig von Datenmissbrauch im großen Stil. Wir können nachweisen, dass über die Standleitung von Eintracht Frankfurt sehr lange illegal auf unsere Datenbank zugegriffen wurde", erklärte ISB-Geschäftsführer Jürgen Kost gegenüber der Sport Bild. Konkret soll es innerhalb von 22 Monaten 5.664 illegale Zugriffe gegeben haben. Aufgrund der intensiven Nutzung vermutet der 53-Jährige, dass die Zugriffe nicht nur von einer einzelnen Person getätigt wurden. 

Kost betonte zudem, dass nicht nur Informationen zu Jugendspielern, sondern auch zu Profis "aus der Datenbank gezogen wurden. Der Blick geht nicht Richtung Eintracht Frankfurt U17, sondern eher in Richtung Profibereich", so der Geschäftsführer. Die Protokolle der illegalen Zugriffe, die von der Sport Bild genauer unter die Lupe genommen wurden, bestätigen diese Aussage. ​Neuzugang Rodrigo Zalazar (19), der umgehend nach Polen verliehen wurde, ist demnach mit der ISB-Software gescoutet worden. PSG-Shootingstar Kylian Mbappé soll Ende Oktober 2017 ebenfalls beobachtet worden sein.


Frankfurt habe über das Portal zudem "definitiv gewusst, was in Leipzig abgeht, wer gescoutet wird", gab Kost zu Protokoll. "Die Leipzig-Scouts können über den Zeitraum von 22 Monaten eigentlich zwei Abrechnungen stellen: einmal für RB, ein anderes Mal für Frankfurt." Laut dem ISB-Geschäftsführer flog der Skandal wegen eines "hochrangigen Eintracht-Mitarbeiters auf, der gegenüber einem Leipzig-Boss mit dem kostenlosen Zugang prahlte". 


ISB fordert rund 43.000 Euro


Das Unternehmen stellt in der 530 Seiten umfassenden Klageschrift, die an Eintracht Frankfurt e.V. geschickt wurde, einen Antrag auf Zahlung von 43.303,76 Euro. Für die legale Nutzung des Portals wären in diesem Zeitraum 24.200 Euro angefallen. Seitens der Hessen gab es bislang noch keine offizielle Stellungnahme. Bis zum 15. Juli müssen sich die Verantwortlichen der SGE entscheiden, ob sie sich gegen die Klage verteidigen wollen.