Lange vor Erfindung des Erdhügels Magath'scher Prägung gab es bereits wahre Quälixe in der ​Bundesliga. Einer von ihnen schaffte 1969 etwas, was seitdem keiner wiederholen konnte: Das Double mit insgesamt nur dreizehn Spielern zu holen. 




Das System des Trainers Branko Zebec (1929 - 1988) basierte auf einer Grundtugend: Disziplin. Gegenüber sich selbst und anderen. Als Spieler war Branko Zebec der Weltklasse zuzurechnen. Mit der jugoslawischen Nationalmannschaft, damals eine der stärksten der Welt, nahm er an den Weltmeisterschaften 1954 (in der Schweiz) und 1958 (in Schweden) teil. Bei beiden Turnieren war Deutschland, jeweils im Viertelfinale, Endstation. 


Seine Spielerkarriere beendete er beim Traditionsklub Alemannia Aachen. 


Erste Trainer-Station, erster Titel


Als Trainer hatte er gleich bei seiner ersten Station, Dinamo Zagreb, Erfolg. 1967 holte er den Messepokal (Vorgängerwettbewerb des UEFA-Cups) nach zwei erfolgreich gestalteten Endspielen gegen Leeds United (2:0, 0:0) nach Jugoslawien.


Der Erfolg blieb nicht unbemerkt, und so streckten die Bayern zur Saison 1968/69 ihre Fühler nach Zebec aus. Schnell erarbeitete sich Zebec auch in München den Ruf eines gnadenlosen Schleifers - aber eben auch als Bessermacher. Besser weil härter, könnte man sein Motto umschreiben. Denn natürlich brauchte er einem Franz Beckenbauer nicht mehr zu erklären, wie man Pässe schlägt. Und auch einem Torjäger wie Gerd Müller musste er nicht mehr sagen, wo das Tor steht. Nein, Zebec arbeitete an ihrem Inneren. An ihrem Willen. Und zwar dergestalt, dass er diesen offensichtlich erstmal brechen wollte. 


Sepp Maier beispielsweise ließ er einmal minutenlang auf gefrorenem Rasen Hechtsprünge nach links und rechts machen. Immer wieder. Als Maier nur vorsichtig fragte, ob sie das Tor nicht ein paar Meter zur Seite versetzen könnten, schickte ihn Zebec in die Kabine zum Duschen. Am nächsten Tag zitierte er den Keeper zu einer Sondereinheit: Zwei Stunden (!) lang ließ er Maier auf hartem Asphaltboden immer wieder Hechtsprünge vollführen. Am folgenden Tag war Maiers Körper mit blauen Flecken übersät. 


Novum mit dem FC Bayern


Zebec, keine Frage, lotete Grenzen aus. Doch der Erfolg gab ihm am Ende recht. Mit praktisch keiner einzigen schwerwiegenden Verletzung kam der schmale Bayern-Kader in dieser Spielzeit als Erster ins Ziel. Den Pokal holten sie dann auch noch gleich. Das Double mit nur dreizehn eingesetzten Spielern - ein bis heute unerreichtes Husarenstück des Trainers und seiner Mannschaft. 


Im Anschluss an diese Erfolgssaison geschah etwas, was man auch heute noch teilweise beobachten kann: Mannschaft und Trainer, ohne es zu wollen, distanzierten sich voneinander. Man hatte sich schlichtweg satt. Das System Zebec hatte sich abgenutzt. Und wie das manchmal so ist: So richtig kann man den Wert mancher Dinge erst schätzen, wenn sie nicht mehr da sind. Tatsächlich fragte Bayern-Manager Robert Schwan fünf Jahre später nochmal bei Zebec an, wollte ihn zu einem Comeback in München überreden. Doch der, damals schon schwer krank, verlangte ein zu hohes Handgeld, so dass die Bayern sich am Ende für Dettmar Cramer entschieden. 


Auch in Hamburg erfolgreich


Zebec hingegen gelangte über die Stationen Stuttgart, Split und Braunschweig 1978 nach Hamburg zum ​HSV. Hier kam er mit seinen strengen Methoden - zumindest anfänglich - besser bei den Spielern an als in München. Die Erfolge blieben ihm schließlich auch in der Hansestadt treu.


1979 holten die Rothosen den ersten Meistertitel in der Bundesliga-Ära nach Hamburg. Doch schon in der folgenden Saison traten erste Risse auf. Als die Mannschaft binnen weniger Wochen sowohl die Meisterschaft als auch den Europapokal der Landesmeister (0:1 im Finale gegen Nottingham Forest) aus den Händen gab, wurde auch Kritik am Trainingspensum laut. Einige Spieler beschwerten sich über das zu harte Training in der entscheidenden Phase der Saison. 


Probleme mit dem Alkohol


Zudem wurden auch die schon in München unter dem Deckel gehaltenen Alkoholprobleme des Trainers immer sichtbarer. Bei einem Spiel des HSV im Dortmunder Westfalenstadion soll Zebec mit 3,25 Promille auf der Bank gesessen haben. Die Mannschaft eilte zwar weiterhin von Erfolg zu Erfolg, doch der Trainer war zu einem zu großen Problem für die Außendarstellung des Klubs geworden. Am 16. Dezember 1980, der HSV war Herbstmeister geworden, wurde Branko Zebec in Hamburg entlassen. Auch in seinen letzten beiden Stationen in Deutschland (Borussia Dortmund, Eintracht Frankfurt) konnte er seiner Karriere keine Wendung mehr geben. 1984 schloss er sich noch einmal dem Klub an, in dem er seine Trainerkarriere ein knappes Vierteljahrhundert zuvor begonnen hatte: Dinamo Zagreb. In der heutigen Hauptstadt Kroatiens verstarb Branko Zebec vier Jahre später. 


Es gab und gibt in der Bundesliga sicherlich Trainer, die mehr Titel als Branko Zebec gewonnen haben. Dennoch bleibt sein Einfluss bis heute ungebrochen. Er gewann mit zwei verschiedenen Klubs (Bayern München und HSV) die Deutsche Meisterschaft. Und vor allem die Spieler des Rekordmeisters drückten Jahre nach der Trennung von ihrem strengen Übungsleiter aus, was viele im Klub gefühlt hatten: "Dieser Trainer war der beste, den wir je hatten."