​Bei der gestrigen Vorstellung des 80-Millionen-Euro-Neuzugangs Lucas Hernández sprach Karl-Heinz Rummenigge, seines Zeichens Vorstandsvorsitzender des FC Bayern, von einem "​Domino-Effekt", der auf dem Transfermarkt einsetzen soll, damit sich die Münchener (einfacher) auch weiter bedienen können. Wo soll denn diese Kette beginnen und wo soll sie enden? Eine kleine Fantasie-Reise.


Der "Domino-Effekt" ist eines der meist zitierten Phänomene des alljährlichen Transferwahnsinns. Ein großer Transfer muss über die Bühne gehen, um weitere Entscheidungen und Abläufe zu beeinflussen. Wenn dieser Transfer erst einmal geschieht, gibt es kein Halten mehr. Bis dahin jedoch sitzen alle Manager, Sportvorstände und Kaderplaner in ihren kalten, dunklen Zimmern, starren auf die flackernden Monitore mit Scouting-Berichten und warten auf den Startschuss. Wer traut sich als Erstes?


Karl-Heinz Rummenigge könnte damit den möglichen Neymar-Transfer zu Barcelona gemeint haben. Während man vor nicht allzu langer Zeit an Leroy Sané baggerte, anscheinend vergeblich, soll Barcas Dembélé ins Visier der Münchener geraten sein. Das ist der Dembélé, den Uli Hoeneß laut eigener Aussage mit 100.000 Euro Geldstrafe pro Tag bestraft hätte, wenn er seinen Wechselstreik damals nicht bei Borussia Dortmund, sondern bei den Bayern durchgezogen hätte. Neymar streikt aktuell, ist nicht bei PSG zur Vorbereitung erschienen. Sollte ein Wechsel zu Barca Realität werden, könnte der erste Stein angestoßen werden.


Das Spiel einmal durchgespielt, so wird es garantiert laufen: Neymar wechselt für mehr als 300 Millionen Euro zurück zu Barcelona, wo er endlich wieder mit Kumpel Messi Fußball spielen kann. Als Erstes gibt's natürlich ordentlich Crema Catalana, nachdem es unter Thomas Tuchel nur Brot und Wasser gab. Nach kurzer Zeit hat Dembélé tatsächlich keine Lust mehr, die Barca-Verantwortlichen ebenso wenig. Dann der Fehler: Da Hassan "Brazzo" Salihamidzic damit beschäftigt ist, ​wieder ein junges Talent beim Medizin-Check eines anderen Vereins anzurufen, verpasst er die Möglichkeit, Dembélé für die Flügel zu verpflichten. Doofes Timing. 


Daraufhin wechselt der Franzose lieber zu ​Manchester United. Irgendjemand muss sich ja erbarmen, hilft ja alles nichts. Der Jubel bei den Red Devils ist so groß, dass man auch endlich Paul Pogba den Weg frei macht. Sein Wechsel zu ​Juventus Turin geht endlich über die Bühne, Berater Mino Raiola freut sich ebenfalls. Gleichzeitig wird der Kaugummi-Transfer von Matthijs de Ligt, der zufälligerweise den gleichen Berater hat, zu Juve auch finalisiert. Turin bietet Ajax dann doch noch genug, damit der junge Niederländer dem Wunsch Christiano Ronaldos, doch bitte zur Alten Dame zu wechseln, nachkommen kann. Wer könnte CR7 schon einen Gefallen abschlagen?

Cristiano Ronaldo,Matthijs de Ligt

Den Moment festgehalten: Ronaldo bittet de Ligt, zu Juventus zu kommen


Durch diese ganzen Neuzugänge fühlt sich der ohnehin schon wechselwillige Mario Mandzukic in Turin noch mehr in den Hintergrund gerückt. Er lässt das Gerücht, ​Borussia Dortmund sei an ihm interessiert, wahr werden. Beim BVB wird schnell über einen passenden Gag im Bezug auf den Namen Mandzukic für das Präsentations-Video nachgedacht wird, wie es bei Brandt (​"Wir haben Brand") oder Schulz ("Schuuuuuuuulz") auch schon der Fall war. 


Währenddessen sitzt Franck Ribery ganz gemütlich im Steak-House in Doha, Katar. Während er Salz über seinen Unterarm auf das vor ihm liegende bronzen-farbige Steak (bei Gold gibt es immer nur Ärger...) rieseln lässt, ploppt der ​Transfer-Ticker von 90min auf seinem Handy auf: "Mandzukic zum BVB: Folgen jetzt die Titel?". Sein ehemaliger Kollege und Kumpel bei Dortmund. Das kann er natürlich nicht zulassen, denkt er sich. Nachdem er einen Bissen des Steaks gekostet hat, ruft er Uli Hoeneß an....


Drei Tage später: "Brazzo" betritt den Pressraum. Mit einem Lächeln auf den Lippen setzt er sich, schaltet das Mikrofon an, und wird nach einem gut gelaunten "Hallo zusammen, wir..." direkt von Rummenigge, der natürlich neben ihm sitzt, mit einem einem lauten "Wir haben einen Transfer!" unterbrochen. "Sorry, Macht der Gewohnheit", gibt er dann zu Protokoll. Salihamidzic verkündet daraufhin stolz die Rückkehr von Franck Ribery. Er fühle sich noch fit und hat nach einer neuen Herausforderung gesucht, sagt er. Brazzo wird erneut als "spiritus rector" des Transfers gelobt, wie schon bei Lucas Hernández.


Einige Monate später, noch im Frühjahr 2020, wird der FC Bayern München vorzeitig Deutscher Meister und holt später auch den DFB-Pokal. Der letzte Stein der Domino-Kette.