Auf die Verantwortlichen des FC Bayern München prasselt derzeit von Seiten der Fans, Medien und mittlerweile auch aus einzelnen Teilen der Mannschaft reichlich Kritik ob der bislang misslungenen Transferpolitik ein. Einen Ex-Spieler beunruhigt die unerwartete Ruhe auf dem Transfermarkt aber nicht: Sandro Wagner. Im Interview mit ​BILD am Sonntag appellierte der 31-Jährige daran, nicht in Panik zu verfallen.

Spätestens nachdem Manuel Neuers Berater Thomas Kroth dem FC Bayern jüngst öffentlich ​die Konku​rrenzfähigkeit im Hinblick auf die Champions League abgesprochen hat, nimmt die Transfer-Debatte weiter an Fahrt auf. Doch schon seit vielen Wochen äußern sich Fans kritisch über gescheiterte Versuche, neues Spielermaterial zu verpflichten, auch Trainer Niko Kovac ist mit dem derzeitigen Stand der Dinge kaum zufrieden. Gerade einmal 17 Feldspieler stehen dem 47-Jährigen vor dem Trainingsauftakt zur Verfügung, laut Wagner solle man aber nicht in Panik verfallen.


"Man sollte Kalle (Karl-Heinz Rummenigge), Uli (Hoeneß) und Brazzo (Hasan Salihamidzic) einfach vertrauen und in Ruhe weiter arbeiten lassen. So schlecht waren die letzten 30 Jahre FC Bayern nicht, denke ich", sagte der Angreifer, der seinen Herzensverein im Januar verließ und sich dem chinesischen Erstligisten Tianjin Teda anschloss, bei BILD am Sonntag

Hasan Salihamidzic

Speziell Sportdirektor Hasan Salihamidzic befindet sich im Kreuzfeuer der Kritik.


Gegenüber Sky zeigte sich Uli Hoeneß ob der ständigen Nachfragen über Neuverpflichtungen genervt, erinnerte stattdessen an die bereits investierten 120 Millionen Euro und mahnte, dass man sich nicht einzig über Transfers definieren dürfe. Nach überwiegend kritischen Reaktionen erhält er nun Rückendeckung von Wagner: "Ich finde es mittlerweile fast schon lächerlich, dass man öffentlich dafür gefeiert wird, wenn man möglichst viele Spieler kauft. Es ist doch lobenswerter, wenn man wie Tottenham oder Bayern vergangenes Jahr auf seine Mannschaft vertraut und nur punktuell etwas macht, um seine Team wirklich inhaltlich weiterzuentwickeln.


Wagner, der seine früheren Mannschaftskollegen nach seinem Weggang weiterhin durch öffentliche Aussagen unterstützte, ist sich sicher: "Bayern wird mit diesem Kader weiter über Jahre hinweg Meister werden – selbst wenn kein weiterer Neuzugang kommen sollte, was ich nicht glaube." Einen Spieler mit dem Kaliber eines Leroy Sané benötige der Verein nicht zwingend, schließlich besitze man mit Kingsley Coman und Serge Gnabry bereits "zwei Weltklassespieler" - und ein weiterer werde "bestimmt noch" hinzukommen.


Spitze gegen BVB - Kritik an Hummels-Transfer


​Allzu viele Transfers solle man in den Augen des 31-Jährigen aber nicht tätigen, ansonsten drohe die Stimmung innerhalb der Mannschaft zu kippen. So erklärte er am Beispiel von Borussia Dortmund: "
Nur weil Dortmund jetzt vier, fünf Spieler geholt hat, heißt das nicht, dass sie automatisch als Team besser sind. Ich bin auch gespannt, wie das bei Dortmund mannschaftsintern aussieht, wenn da jetzt nicht noch knapp zehn Mann gehen. Das kann gefährlich werden."

​Sein bislang einziger Kritikpunkt ist der Transfer von Mats Hummels, der nach drei Jahren beim FC Bayern wieder für den BVB auflaufen wird. "
Das gefällt mir persönlich überhaupt nicht, aber das ist nur meine Meinung als Bayern-Fan", so Wagner, der Hummels Beweggründe nach einem privaten Gespräch "leider zu 100 Prozent nachvollziehen" könne.