​In 20 Tagen eröffnet der ​VfB Stuttgart gemeinsam mit Mitabsteiger Hannover 96 die kommende Zweitligasaison. Höchste Zeit also, um die bisherigen Transferaktivitäten der Stuttgarter unter die Lupe zu nehmen. Auf den ersten Blick ersichtlich dabei: Unter dem neuen Sportdirektor Sven Mislintat und seinem Vorgesetzten Thomas Hitzlsperger wird beim Traditionsverein endlich wieder neu gedacht.


Nach dem zweiten Abstieg innerhalb von nur drei Jahren war bei den Schwaben ein tiefgreifender Kader-Kahlschlag längst überfällig. Mislintat und Co. schreckten dabei in diesem Sommer auch vor harten Entscheidungen nicht zurück und mussten ehemaligen Leistungsträgern wie ​Kapitän Christian Gentner und den Defensivspielern Dennis Aogo und Andreas Beck klar machen, dass sie nach der Neuausrichtung keine Rolle mehr spielen.


Anstatt den Abgang dieser äußerst erfahrenen Routiniers durch andere alte Haudegen aufzufangen, entschlossen sich die Stuttgarter einen neuen Weg einzuschlagen. So konzentrierten sich die Kaderplaner vielmehr auf Spieler, die mit ihrer Entwicklung zwar noch am Anfang stehen, denen aber unter der Führung des ​neuen Cheftrainers Tim Walter eine golde Zukunft zugetraut werden kann. Nach den Verkäufen von Ozan Kabak und Benjamin Pavard hätte der VfB auch auf deutlich bekanntere Namen setzen können, wirklich nachhaltig - und so lautet das frische Motto der Stuttgarter - wären solche Deals aber wohl kaum gewesen.

Gregor Kobel

Gregor Kobel konnte sich in der Rückrunde im Trikot des FC Augsburg beweisen



Um sich ein genaueres Bild der Kaderumstrukturierung zu machen, bietet es sich an, alle Mannschaftsteile nacheinander zu durchlauten. Im Tor der Stuttgarter fällt dabei bereits der erste drastische Wechsel ins Auge. So wurde die bisherige Nummer Eins Ron-Robert Zieler an seinen Ex-Klub Hannover 96 abgegeben. Als Nachfolger konnten die Stuttgarter, zumindest auf Zeit, Gregor Kobel gewinnen, der zunächst ​von der TSG 1899 Hoffenheim ausgeliehen wurde. Da darüberhinaus Fabian Bredlow vom 1. FC Nürnberg losgeeist werden konnte, dürften die Stuttgarter unterm Strich auf dieser Position etwas besser als in der Vor-Saison aufgestellt sein.


Kommen wir zur Abwehr und somit zu einer der Achillesfersen der Vor-Saison. Mit Ozan Kabak und Benjamin Pavard mussten die Stuttgarter jüngst zwei bisherige Leistungsträger abgeben. Wer in Zukunft in der VfB-Defensive das Kommando übernimmt, ist daher aktuell kaum abzusehen. Der erst kürzlich von der zweiten Mannschaft des FC Bayern München verpflichtete ​Youngster Maxime Awoudja, dürfte dabei aber wohl noch keine tragende Rolle einnehmen. Sollte sich in den kommenden Wochen auf dem Transfermarkt noch eine lukrative Möglichkeit auftun, dürften die Stuttgarter also gerne noch einmal nachlegen.


Auf der rechten Defensivseite dürfte die Freiburg-Leihgabe Pasal Stenzel gesetzt sein, zumal mit Pablo Maffeo und Andreas Beck zwei interne Konkurrenten abgegeben wurden. Auf Links streiten sich weiterhin Borna Sosa und Emiliano Insua um einen Stammplatz. Wirklich spektakulär klingen diese Perspektiven zwar nicht, um in der zweiten Liga eine gute Rolle zu spielen, dürfte es jedoch auch ohne weiteres Nachrüsten reichen.


Im Mittelfeldzentrum dürfte auch weiterhin kein Weg an Santiago Ascacibar vorbei führen. Neben dem kampfstarken Argentinier dürften, je nach taktischer Ausrichtung, gleich mehrere Neuzugänge zum Einsatz kommen. Vor allem Atakan Karazor, der im Schlepptau von Walter aus Kiel in den Süden wechselte, hinterließ als Spielgestalter bislang einen prima Eindruck und strahlt trotz seiner erst 22 Jahre bereits eine große Ruhe aus. Sollten eher robuste Zweikämpfer gefragt sein, darf sich Rückkeher Orel Mangala berechtigte Chancen ausrechnen.

Tanguy Coulibaly

Tanguy Coulibaly soll auf den Außenbahnen ordentlich Alarm machen



Fürs offensive Mittelfeld konnten die Schwaben ebenfalls interessante Deals an Land ziehen. Die Anhänger des VfB freuen sich dabei besonders auf ​Tanguy Coulibaly, der zuvor im Trikot der U19 von Paris Saint-Germain wirbelte und nun seinen Gegenspielern in der zweiten Liga Knoten in die Beine dribbeln soll. Während das deutsche Unterhaus für den jungen Franzosen Neuland ist, kennt sich Neuzugang Philipp Klement hier bereits sehr gut aus und konnte seine Tauglichkeit in der Vor-Saison durch 23 Ligatreffer in Diensten des SC Paderborn unter Beweis stellen.


Auch an der vordersten Sturmfront werkelten die VfB-Verantwortlichen eifrig. Nachdem Hamadi Al Ghaddioui, ehemals Jahn Regensburg, seinen neuen Teamkollegen und dabei insbesondere auch Altmeister Mario Gomez bereits seit ein paar Wochen Beine macht, konnten die Stuttgarter jüngst​ mit Sasa Kalajdzic einen weiteren Stoßstürmer hinzugewinnen. Der 21-jährige Österreicher gilt als riesiges Talent. Im Falle des U21-Nationalspielers ist dies wortwörtlich zu nehmen, misst der Mittelstürmer doch stolze 2 Meter. 


Abschließend kann man also festhalten, dass die Stuttgarter - so scheint es zumindest - aus den Verfehlungen der Vergangenheit gelernt haben und, ganz schwäbisch, mit ihren Finanzen gut haushalten möchten. Die aktuelle Transferbilanz weist laut transfermarkt.de derzeit ein sattes Plus von 44,59 Millionen Euro aus. Nachrüsten können die Schwaben also wohl ohne Probleme. Nicht nur die Anhänger des VfB hoffen aber ohnehin, dass die Stuttgarter auch ihre eigene Jugend nicht vergessen. Mit Walter haben sie sich schließlich einen ausgewiesenen Experten im Umgang mit Jungprofis ins Boot geholt.